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Nachgemachte Hauszeitung: Monika Piehl in Leder

"Auferstanden von den Quoten" WDR-Mitarbeiter fälschen Hauszeitung

Intendantin Monika Piel gesteht schwere Fehler ein, der Quotendruck wird abgeschafft - die aktuelle Hauszeitung des WDR hält einige Überraschungen parat. Kein Wunder: Mitarbeiter des Senders haben sich einen sehr ernst gemeinten Spaß erlaubt.

16 Seiten dick, wie immer, ist die neue Ausgabe der Hauszeitung "WDR Print". Titel, Fotos, Schriftart, alles wirkt wie üblich - bis auf den Inhalt. Der kommt scheinbar aus der Zukunft und ist weitgehend ausgedacht. Das Datum "November 2011" verrät das Plagiat: WDR-Mitarbeiter haben die Zeitung gefälscht, um gegen die Führungsebene ihres Senders zu protestieren.

Monika Piel

Gleich auf der Titelseite wird "Die Wende im WDR" ausgerufen: Das Schielen auf die Einschaltquote sei abgeschafft - verkündet dort Intendantin , die zwei Seiten weiter sogar "Fehlentwicklungen" eingesteht. Die "neoliberale Umgestaltung der Gesellschaft" habe man "viel zu kritiklos akzeptiert". Auch mit überteuerten Prestigeprojekten des Senders aus den Bereichen Unterhaltung und Sport rechnet die fiktive Piel ab, stattdessen soll der Sender wieder Hort für guten Journalismus werden.

So wird in der nachgemachten "WDR Print" (PDF)  eine bahnbrechende Sendung von Margarethe Schreinemakers angekündigt. In "Ein Aufwasch" soll die schnellsprechende Moderatorin künftig alle seichten Quoten-Stoffe in einer Show abhandeln: Kochen, Quizfragen stellen, fremde Wohnungen einrichten, Erziehungstipps geben, Produkte testen, Heimatlieder singen, Rankings präsentieren, Servicehinweise liefern und durch reizvolle Landschaften in NRW führen. Das alles in kostengünstigen 45 Minuten, damit im WDR mehr Platz für gutes Programm ist.

Die echte Intendantin machte am Freitag gute Miene zum bösen Spiel: "Wer bislang noch behauptet hat, im WDR gebe es keinen hintergründigen Humor, der ist spätestens heute eines Besseren belehrt worden", heißt es in einer Mitteilung im Intranet des Senders. Die Zeitung könne sich sehen lassen, schreibt Piel. Ausdrücklich lobt sie ein Bild von sich im futuresken Lederdress: "Ganz besonders auch die Fotomontage auf Seite 3. Ob sich allerdings Emma Peel darüber gefreut hätte..."

Im Internet verkündet die sogenannte "Plagiats-Gruppe", dass die Intendantin als Reaktion auf den Protest nun sogar zu einem Treffen mit den Kritikern bereit sei, außerhalb des Senders, in einem Haus der Gewerkschaft DGB. Auch das ist allerdings nur ausgedacht: "Da geht die Satire weiter", teilte eine Sprecherin des Senders auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE mit.

Wer hinter der falschen "WDR Print" steckt, wird nicht verraten. Laut Impressum haben mehr als 50 Menschen an den 16 Seiten mitgewirkt. Als Kontakt gibt es nur eine E-Mail-Adresse und eine Handynummer - wo am Freitagvormittag nur eine Mailbox zu erreichen war. Beim Druck leistete den Angaben zufolge die Gewerkschaft Ver.di Hilfe.

Der Protest mit täuschend echt nachgemachten Zeitungen hat Tradition: Im März 2009 kursierte in deutschen Großstädten eine nachgemachte Ausgabe der Wochenzeitung "Die Zeit". Die Globalisierungskritiker von Attac hatten sich die Idee bei der Künstlergruppe "The Yes Men" abgeschaut, die in den USA eine "New York Times" mit Nachrichten aus einer hoffnungsfrohen Zukunft gedruckt hatten.

Ende September schlug Attac dann erneut zu und fälschte eine Ausgabe der "Financial Times Deutschland". Unter dem Namen "Financial Crimes Deutschland" wetterten Aktivisten mit prominenter Unterstützung auf acht Seiten gegen die Übermacht der Banken, diesmal ganz ohne Utopien.

Auch in "WDR Intern" wird ein politischer Systemwechsel herbeigeschrieben: Statt des Rundfunkrats regiert künftig ein Zuschauer- und Zuhörerparlament den Sender. Echte Demokratie statt Parteien-Proporz im Führungsgremium, das wäre tatsächlich mal eine Idee.

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