Aufklärung in China Let's talk about Sex

In China ist das öffentliche Gespräch über Sex noch immer ein Tabu. Das staatliche chinesische Fernsehen wagt jetzt mit einer landesweiten Aufklärungs-Talkshow die Kulturrevolution, um Aids und Geschlechtskrankheiten einzudämmen.


Liebespaare in Peking: Küssen erlaubt, Reden verboten
AP

Liebespaare in Peking: Küssen erlaubt, Reden verboten

Peking - Die TV-Show "The Masks" soll am 1. Januar erstmals ausgestrahlt werden. Mehr als 50 Provinz- und Städte-Sender sind an dem Experiment beteiligt, das in erster Linie dazu dienen soll, der schlechten Sexualkunde an Schulen mit medialer Aufklärung zu begegnen. "Ohne richtigen Sexual-Unterricht haben viele Erwachsene kein Bewusstsein und kein Wissen über Sex. Das ist ihrer sexuellen Gesundheit abträglich", schrieb die staatliche Zeitung "China Daily" am Dienstag in ihrem Editorial. Umfragen im bevölkerungsreichsten Land der Erde, das sich derzeit rapide der westlichen Gesellschaft annähert, zeigten, dass viele Chinesen unzufrieden mit ihrem Sex-Leben sind oder einfach über nicht genügend Kenntnisse verfügen.

Das Problem ist gesellschaftlicher Natur. Zwar hat sich die allgemeine Haltung zu sexueller Freizügigkeit seit den späten Siebzigern, als sich China erstmals den westlichen Märkten öffnete, sehr gelockert, dennoch gilt es selbst in hoch entwickelten Städten wie Schanghai und Peking noch immer als Tabu, in der Öffentlichkeit und selbst innerhalb der Familie über Geschlechtsverkehr und Sex zu reden. Das soziale Stigma der Sex-Fragen wird immer mehr zum wichtigen Faktor bei der Bekämpfung von Aids und Geschlechtskrankheiten. Momentan behauptet China, weniger als eine Million Aids-Kranke zu haben, doch einer Studie der Uno zufolge könnte sich diese Zahl innerhalb der nächsten fünf Jahre verzehnfachen, wenn die Regierung der Volksrepublik keine wirksamen Maßnahmen ergreift.

"The Masks" wagt nun den Tabubruch auf der Mattscheibe. Den Titel "Die Masken" erhielt die Sendung, da es den Teilnehmern der Show, zumeist normalen Bürgern, erlaubt sein soll, sich zu maskieren, um dann unbefangener über Sex, Lust, Verhütung und Hygiene zu plaudern. "Indem sie das Tabu bricht, in der Öffentlichkeit über Sex zu reden, reflektiert die Show eine Gesellschaft im Wandel", schrieb "China Daily", "und dieser Wandel ist positiv".



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