Zum 50. Jahrestag Institut stellt Tonaufnahmen von Auschwitz-Prozess ins Netz

Sie sind ein eindringliches Dokument der Weltgeschichte: Das Fritz-Bauer-Institut hat die Tonbandaufnahmen des ersten Auschwitz-Prozesses, der vor 50 Jahren begann, im Internet veröffentlicht. Täter wie Opfer kommen ungefiltert zu Wort.


Frankfurt am Main/Hamburg - Vor allem Aussagen von Zeugen, die die Verbrechen im NS-Vernichtungslager Auschwitz erlebt haben, sind zu hören, aber auch die Ausflüchte von SS-Offizieren und anderen Angeklagten, die jede Schuld von sich weisen. Zum 50. Jahrestag des ersten Frankfurter Auschwitz-Prozesses hat das Fritz-Bauer-Institut in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Hauptstaatsarchiv erstmals die Tonbandaufnahmen der Vernehmungen im Internet veröffentlicht.

Auf der Website auschwitz-prozess.de lassen sich zahlreiche Aussagen der 318 Zeugen, darunter 181 Auschwitz-Überlebende anhören. Auch O-Töne von Angeklagten, Verteidigern, Sachverständigen und Richtern sind zu hören. Für viele steht ein Transkript als PDF zum Download bereit.

Die Aufnahmen spiegeln laut Fritz-Bauer-Institut nicht nur die Schwierigkeit wider, die individuelle Schuld der Angeklagten festzustellen, sondern sie geben durch die Zeugenschilderungen auch tiefen Einblick in die in Auschwitz verübten Massenverbrechen.

Bereits vor zehn Jahren waren der insgesamt 430-stündige Mitschnitt der "Strafsache gegen Mulka u.a." in schriftlicher Fassung sowie hundert Stunden Originalton ausgewählter Vernehmungen auf DVD veröffentlicht worden. Die Aufnahmen waren 1989 vom Landgericht Frankfurt an das Hessische Hauptstaatsarchiv übergeben worden.

Robert Mulka war SS-Hauptsturmführer und hat als Adjutant des Lagerkommandanten Rudolf Höß maßgeblich an der Ermordung von Menschen in Auschwitz mitgewirkt. Er wurde in dem Prozess zu 14 Jahren Zuchthaus verurteilt.

In Auschwitz wurden auf Befehl der Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkrieges rund 1,2 Millionen Menschen ermordet. Das erste Auschwitz-Verfahren (1963-1965) gegen 20 Angeklagte gilt wegen der großen Wirkung in der Öffentlichkeit als besonders bedeutend.

Das Fritz-Bauer-Institut widmet sich seit 1995 dem Studium und der Dokumentation der Geschichte und Wirkung des Holocaust. Fritz Bauer war von 1956 bis zu seinem Tod 1968 hessischer Generalstaatsanwalt. Ohne seinen hartnäckigen Einsatz wären die Auschwitzprozesse (1963-1981) kaum zustande gekommen. Zwar konnten viele Tatbeteiligte nur zu geringen Haftstrafen verurteilt werden, die Prozesse leiteten aber die Debatte über die Holocaust-Thematik ein.

seh/dpa

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