Ausstellung "Idole" Per Du mit Elvis und Marilyn

Nicht jeder Prominente wird zum Star, nicht jeder Star zum Idol. Eine Ausstellung in Speyer präsentiert die feinen Unterschiede der Berühmtheit - und zeigt, wie Medienlegenden entstehen.

Von Nora Reinhardt


Auch die Beatles hatten ein Idol: Es hieß Elvis Presley. Zum lang ersehnten Treffen der Engländer mit dem Amerikaner kam es am 27. August 1965 im Haus von Elvis im 525 Perugia Way im kalifornischen Bel Air. Um 22 Uhr trafen John, Paul, Ringo und George dort ein - und starrten Elvis an.

Äußerst fad und zäh habe der Abend sich gestaltet, berichtete später Klaus Voormann, ein Freund der Beatles. "Wenn ihr nur sitzen und mich anstarren wollt, dann gehe ich lieber schlafen", habe Elvis Presley zu den Beatles gesagt. Die gingen dann um zwei Uhr.

Das Kräfteverhältnis zwischen den Beatles und Elvis Presley hat sich bis heute kaum verändert, zumindest wenn man der Internet-Umfrage des Historischen Museums Speyer glaubt. Elvis Presley ist das beliebteste Idol, die Beatles liegen hinter Michael Jackson auf Platz drei. Über 16.000 Stimmen wurden abgegeben.

Anlass für die Umfrage ist die Ausstellung "Idole", die noch bis Januar läuft. Das Museum hat sich mit der dpa-Fotoagentur Picture Alliance zusammengetan und stellt 200 Fotografien von Idolen aus: Barack Obama, Dalai Lama, John F. Kennedy, Audrey Hepburn, Grace Kelly, Pippi Langstrumpf, aber auch Deutsche. Die beliebtesten sind Tokio Hotel, Helge Schneider, Kati Witt, Steffi Graf und Andre Agassi.

Der Auswahl kann man kaum widersprechen. Man kennt sie alle: Elvis The Pelvis, Marilyn, Klinsi, Bobbele, Britney, Joschka, Amy - und man ist, zumindest in Gedanken, mit ihnen allen per Du. Nur, was macht ein Idol eigentlich zum Idol?

Was man intuitiv mit Leistung und Zeitgeist verbindet, mit rotem Teppich, Applaus und Blitzlicht, das versucht Susanne Völker, Kunsthistorikerin und Kuratorin der Ausstellung, klar abzugrenzen. Mit ihrem Aufsatz "Idol - Annäherung an einen vagen Begriff" im klugen und 200 Seiten dicken Begleitbuch versucht sie, den Begriffspudding an die Wand zu nageln.

Stars, Idole, Promis, Vorbilder, Ikonen, Legenden - wo liegt der Unterschied?

Ein Star sei nicht unbedingt ein Idol, schreibt Völker, Stars seien ein zu heutiges Phänomen, die "Überzeitlichkeit" fehle. Und Promis sowieso nicht. Mutti kann ein Vorbild sein, aber kein Idol, es sei denn sie ist auf Fernsehkanälen und YouTube-Channels zu sehen.

Viele Menschen würden Idole mit Ikone verwechseln und die Begriffe synonym benutzen, so Völker. "Ikonen stehen pars pro toto für ein Phänomen. Madonna ist eine Ikone der Popmusik. Albert Einstein die Ikone der Physik. Madonna und Einstein mögen auch Idole sein, aber nicht jedes Idol ist auch eine Ikone", schreibt sie in dem Essay des Ausstellungskatalogs.

Es ist nicht so einfach, zu sagen, was Elvis und die Beatles zu Idolen machte, ein "gewisser Nimbus" umgebe sie, so Völker. Das gewisse Etwas.


Ausstellung "Idole". Historisches Museum der Pfalz Speyer, bis 17. Januar 2010.

Katalog "Idole". U.a. mit Texten von Guido Knopp, Andreas Trampe, Susanne Völker. Edition Minerva. 202 Seiten; 28 Euro.



insgesamt 4 Beiträge
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Impertinenzija 21.07.2009
1. Kein Titel
Ich werde das unangenehme Gefühl nicht los, daß in den Online-Ausgaben sämtlicher mir näher bekannter Online-Zeitschriften (Spiegel, Sueddeutsche, Zeit) neuerdings vermehrt Artikel auftauchen, in denen Gedankengänge und Argumentationslinien grundsätzlich nur anskizziert, aber keineswegs zu Ende gedacht werden. Der Artikel beginnt verheißungsvoll, endet jedoch aprupt, so, als ob der Verfasser unterwegs die Lust verloren hätte. Ehrlich gesagt, kann man sich das Lesen dann auch gleich sparen. In diesem Fall ist schätzungsweise die Pressemitteilung dieser Ausstellung auf einem Schreibtisch gelandet, wurde über die bereits vorgekauten Angaben hinaus noch auf Spiegel-konform getrimmt und dann den Lesern als Brocken hingeworfen. Ich würge gerade daran.
Nebenbei 21.07.2009
2. So so..
War mir nicht bewusst, dass Andre Agassi nun auch Deutscher ist, seit er mit Steffi verheiratet ist..
W. Robert 21.07.2009
3. Halbgötter
Sagen wir mal so: Wer über 25 jahre alt ist und immer noch Idole hat sollte allmählich das Bravo-Abo kündigen. Wenn Museumsbesucher Elvis für den Größten halten ist das schon ziemlich eigenartig. Wahrscheinlich hat die Museums-Klientel mit Pop-Kultur eher wenig am Hut. Die Wege der Massenmedien sind unergründlich, so wurde sogar Albert Einstein zum "Popstar", obwohl die Fans wahrscheinlich weder dessen Aphorismen geschweige denn seine Theorien kannten. Und der "Bunte Revue" Star Grace Kelly soll also ein Idol und eine Ikone sein. Nun ja. Das mag manch eine ältere Friseuse durchaus so sehen. Oder gar "Stars" wie Tom Cruise oder Till Schweiger. Meine Güte. Die Beatles waren 1965 übrigens noch kleine Angestellte der EMI und noch nicht die Künstler der späteren Epoche. Ich bin sicher, dass Lennon später andere Ansichten hatte. Kurz gesagt ist es ein schlechtes Zeichen, wenn Erwachsene sich immer noch unkritische Fans von irgendwelchen massenkompatiblen Projektionen unerfüllter Wünsche bezeichnen.
Born to Boogie, 22.07.2009
4. Das muss ich mal sagen . . .
Ich fand Elvis schon immer langweilig !
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