Foto-Ausstellung zu Olympia Mit dem Kopftuch unterm Korb

Frauen aus der ganzen Welt! Endlich. Bei den Olympischen Spielen treten erstmals Sportlerinnen aus allen Teilnehmernationen an, nachdem drei arabische Länder ihren Widerstand aufgegeben haben. Eine Fotoschau in London feiert nun Athletinnen, die oft nur unter Polizeischutz trainieren können.

Brigitte Lacombe/ SPIEGEL ONLINE

Von , London


Saudi-Arabien, das sittenstrenge Königreich, in dem Frauensport als unislamisch gilt und daher verboten ist, entsendet eine Läuferin und eine Judoka zu den Olympischen Spielen nach London. Zwar handelt es sich um Exil-Saudi-Araberinnen, beide geboren und aufgewachsen in den USA. Doch ein Anfang ist gemacht.

Auch das Emirat Katar und das Sultanat Brunei sind erstmals mit weiblichen Athleten vertreten. Damit markiert London einen Meilenstein in der Geschichte der Spiele. Erstmals sind Frauen aus allen 205 Teilnehmerstaaten dabei.

Die Errungenschaften der arabischen Sportlerinnen werden nun in der Fotoausstellung "Hey Ya" gefeiert, die drei Wochen lang in der Londoner Galerie des Auktionshauses Sotheby's zu sehen ist. Der Titel "Hey Ya" ist ein arabisches Wortspiel aus dem Wörtchen "sie" und einem Anfeuerungsruf.

50 Sportlerinnen aus 20 Ländern

Gezeigt werden 50 großformatige Bilder der französischen Fotografin Brigitte Lacombe. Im Auftrag der Museumsbehörde von Katar hat sie bei den Arabischen Spielen in Doha im Dezember 2011 begonnen, Athletinnen aus 20 arabischen Ländern zu fotografieren. Die Modelle posieren in für ihren Sport typischen Posen vor einer halbrunden weißen Wand.

Einige der Porträtierten sind bekannte Athletinnen wie die saudi-arabische Springreiterin Dalma Ruschdi Malhas. Die Bronzemedaillistin der Olympischen Jugendspiele 2010 galt als einzige saudische Olympia-Hoffnung, musste aber ihren Traum begraben, nachdem ihr Pferd erkrankte.

Doch es sind auch viele unbekannte Gesichter dabei, Amateurinnen. Es gehe darum, den Zustand des Frauensports in der arabischen Welt zu dokumentieren, erklärt die Fotografin Lacombe. Ein Foto zeigt, wie eine schwarzgewandete Mutter ihrer minderjährigen Tochter die Reitkappe zurechtrückt. Auf einem anderen Bild sind nur die Schatten von Frauen beim Basketballspiel hinter einem Portal zu sehen. Es ist das Dschidda Green Team, das auf dem Hof vor einem Privathaus im saudi-arabischen Dschidda trainiert. Wie alle Frauen in dem autoritären Regime dürfen sie nur außerhalb der Öffentlichkeit einen Ball in die Hand nehmen.

Neben den Bildern sind auch Video-Interviews mit einigen Frauen zu sehen, geführt von der Schwester der Fotografin, der Dokumentarfilmerin Marianne Lacombe. Eine Palästinenserin erzählt darin etwa, dass sie zu Hause nur am Strand und in den Bergen trainiert und vor Olympia nie eine Tartanbahn gesehen habe.

"Neues Selbstbewusstsein der arabischen Frauen"

Die Ausstellung ist Teil einer Image-Offensive der Regierung von Katar. Angestoßen hat das Projekt die Tochter des Emirs, die 29-jährige Scheicha Majassa Al Thani. In der Vergangenheit war das Emirat für die Diskriminierung von Frauen im Sport scharf kritisiert worden. Nun setzt sich das Land an die Spitze der Modernisierer: In den vergangenen Jahren sind neue Sportstätten entstanden, viel Geld floss in die Nachwuchsförderung.

Die Ausstellung zeige das "neue Selbstbewusstsein der arabischen Frauen", sagte der Geschäftsführer der katarischen Museumsbehörde bei der Eröffnung. Anwesend war auch die erste Golferin des Wüstenstaats. Jasmin al-Scharschani, 25, will ein nationales Golfteam aufbauen. Sie selbst hat vor vier Jahren begonnen, ihr Handicap beträgt 15. Bislang geht sie mit Männern über den Platz, weil sie nach eigenen Angaben die einzige Golferin im Land ist. Aber sie will andere Frauen für den Sport gewinnen.

Die Beteiligung arabischer Frauen an Olympischen Spielen ist über die Jahre stetig gestiegen. Vor vier Jahren in Peking hatten die Vereinigten Arabischen Emirate und Oman zum ersten Mal Teilnehmerinnen zu den Spielen geschickt. Nun ist mit Katar, Brunei und Saudi-Arabien die Liste komplett. Zumindest auf dem Papier. Denn Kritiker bemängeln, dass die saudische Regierung ihre Haltung zum Frauensport gar nicht geändert, sondern nur dem internationalen Druck nachgegeben habe, um nicht von den Londoner Spielen ausgeschlossen zu werden. An der Diskriminierung von Frauen in Saudi-Arabien ändere sich nichts.

Das stimmt wohl. Doch zeigt die Ausstellung bei Sotheby's auch die Risse in der Fassade der patriarchalischen Gesellschaften. Es sei faszinierend zu sehen, wie die Mädchen ihr Recht auf Sport einforderten, sagt auch Fotografin Lacombe. In dieser Hinsicht seien die Porträts durchaus politisch.

Es ist jedoch noch ein langer Weg. Nicht umsonst leben und trainieren viele der abgebildeten Frauen in westlichen Ländern. Daheim können sie ihren Sport häufig nur unter Polizeischutz ausüben.

insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
elke.blinick 25.07.2012
1. Who cares
As long as the women in Islamic countries play by their rules, they will never amount to anything in international competition.Let them wear burkas for all the difference it will make. Accomodation does not help their athletic achievements.
katzekaterkarlo 26.07.2012
2. Mädels,
... macht was daraus. Wir sind bei Euch.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.