Ausstellungen 2014, Teil 2 Triviale Mythen, kotzende Küken

Schon Pläne für den Sommerurlaub? In Berlin könnten Sie ein Himmelsballett mit heliumgefüllten Schlauch-Skulpturen besuchen oder Michael Sailstorfer dabei zusehen, wie er Laubblätter wieder an den Ästen befestigt. Ein zweiter Ausblick auf die Ausstellungs-Highlights 2014.


Kunst am Meer, Klassiker und arrivierte Zeitgenossen

Eine klassische und typische Sommerausstellung soll sich auch an ein Publikum richten, für das ein Museumsbesuch eher zum Urlaub als zum alltäglichen Leben gehört. Der beste Platz für eine solche Ausstellung ist das Louisiana Museum im dänischen Humlebæk, direkt am Meer. Gezeigt wird dort eine Retrospektive des deutschen Expressionisten Emil Nolde, der, so die Dänen, "sowohl aus biografischer als auch geografischer Sicht" Teil der dänischen Kunstgeschichte sei (4.7.-19.10.). Vorher war die Schau mit den 140 Blumen-, Figuren- und Landschaftsbildern schon im Frankfurter Städel zu sehen. Wer ab dem 15.8. nach Humlebæk kommt, sieht neben Nolde ein großes Projekt von Olafur Eliasson (15.8.-4.1.2015), in dem sich der Däne mit der Beziehung zwischen der Natur draußen und der Kunst drinnen befasst.

Die große Sommerschau im Kunsthaus Bregenz widmet sich Richard Prince (19.7.-5.10.), dessen Bilder die trivialen Mythen der amerikanischen Alltagskultur wie zum Beispiel Autos, Motorräder, Werbung, gezeichnete Witze und Cartoons thematisieren. Danach präsentiert das Kunsthaus Fotografien des kanadischen Fotografen Jeff Wall (18.10.-11.1.2015). Wall, der mit seinen minutiös geplanten und inszenierten Bildern in großen Leuchtkästen bekannt wurde, zeigt vorwiegend seine seit 1996 entstandenen Schwarzweißaufnahmen.

Der 1924 geborene Zero-Künstler Otto Piene arbeitet mit Licht, Luft, Feuer und Rauch. In der Neuen Nationalgalerie Berlin zeigt er Multimedia-Arbeiten aus den sechziger Jahren und realisiert zur Eröffnung am 17.7. ein Himmelsballett als Sky-Art-Event mit großen heliumgefüllten Schlauch-Skulpturen über dem Museum (18.7.-31.8.). Parallel dazu (17.7.-31.8.) zeigt die Deutsche Bank Kunsthalle in Berlin serielle Rasterbilder, Feuerzeichnungen und Lichtstudien von Otto Piene: More Sky, dazu einen eigens für die Ausstellung entworfenen Lichtraum.

Der erste runde Geburtstag des Museums Frieder Burda wird in Baden-Baden im eigenen Haus und nebenan in der Staatlichen Kunsthalle gefeiert: 40 Jahre Sammlung - 10 Jahre Museum Frieder Burda zeigt Highlights aus der Sammlung - von Max Beckmann, Willem de Kooning und Mark Rothko über Gerhard Richter und Sigmar Polke bis zu Zeitgenossen wie Eberhard Havekost und Corinne Wasmuht (12.7.-26.10.).

Die Zeitgenossen: Tote Blätter und diskrete Hippies

Unter den vielen Ausstellungen junger zeitgenössischer Künstler ist Michael Sailstorfers Ausstellung im Berliner Haus am Waldsee. Antiherbst heißt sie, wie eine seiner Arbeiten, für die er die fallenden Blätter eines Baumes mit feinem Draht wieder an den Ästen befestigt. Neben dieser Sisyphus-Arbeit baut der Wahlberliner Installationen aus den letzten zehn Jahren auf (8.9.-9.11.). Auch Mariana Castillo Deball, mexikanische Künstlerin, die in Berlin lebt, wird viel für ihre Ausstellung in einem der Museen der Nationalgalerie Berlin arbeiten. Als Preisträgerin des Kunstpreises der Nationalgalerie 2013 darf sie sich aussuchen, in welchem Haus sie ausstellt (20.9.-1.3.2015).

Im Kunstverein Braunschweig richtet Clemens von Wedemeyer eine rein akustische Inszenierung ein, die er speziell für die Villa Salve Hospes als Hörspiel entwickelt hat (13.9.-16.11.).

Die Schau von Cosima von Bonin in Wien kündigt sich schon auf dem Dach des MuMok mit einer großen, bunten Rakete an, auf der ein sich übergebendes Küken reitet. Drinnen ist Bonins große Ausstellung zu sehen, die sie Hippies use side door - Das Jahr 2014 hat ein Rad ab nennt und für die sie ein kinderzimmerhaft anmutendes Universum aus Stoff und Plüsch mit 100 Arbeiten bühnenhaft auf riesengroßen Tischen inszeniert. Dazu hört man über Kopfhörer eigens zur Ausstellung komponierte Musik (4.10.-18.1.2015).

Eine Entdeckung und eine Messe

In München ist Florine Stettheimer zu entdecken, für deren Kunst Andy Warhol schwärmte. Stettheimer (1871-1944) war eine der schillerndsten Figuren der New Yorker Kunstszene, ihr Gesamtkunstwerk umfasst Bilder von Wolkenkratzern und Konsumkultur, Gedichte, Entwürfe für Studio und Bühne - kurz alles, was später die Pop Art interessierte (Kunstbau Lenbachhaus, 27.9.-4.1.2015).

Ach ja, vielleicht kann man Kunst wie diese im Pariser Grand Palais auf der Kunstmesse Fiac kaufen, wo international wichtige Galerien auf der derzeitig schönsten Messe Arbeiten von Künstlern anbieten, die jetzt schon als Genies gehandelt werden, oder die hoffentlich später dazu erklärt werden (23.-25.10.).

Klassiker und arrivierte Zeitgenossen

Die Hamburger Kunsthalle zeigt Max Beckmann einmal anders. Die Stillleben werden zum ersten Mal umfassend mit rund 80 Gemälden und einigen Aquarellen ausgestellt, obwohl sie im gesamten Werk Beckmanns zwischen 1906 bis 1949 vorkommen (5.9.-18.1.2015).

Eine große Retrospektive hat Imi Knoebel in Wolfsburg (Kunstmuseum, 18.10.-15.2.2015). Georg Baselitz zeigt im Münchner Haus der Kunst Gemälde, in denen er frühe, eigene Arbeiten reflektiert, dazu sind schwarze Bronzeskulpturen zu sehen (19.9.-1.2.2015). Das Sprengel Museum in Hannover zeigt We love Britain - Martin Parr. In den Fotografie des Briten liegen das Alltägliche und Absurde dicht beieinander (18.10.-15.2.2015). Was Künstler inspiriert, zeigt Monet, Gauguin, van Gogh - Inspiration Japan im Folkwang Museum Essen (27.9.-18.1.2015).

Stadtplanung, ein Architekten- und ein Künstlerstar

Um den Architekten David Chipperfield geht es in der Berliner Neuen Nationalgalerie (2.10.-31.12.), um die Entstehung von Berlins Stadtbild in Architektur der sechziger Jahre - Planen und Bauen im geteilten Berlin (Berlinische Galerie, 21.11.- 29.3.2015). Wie man in naher Zukunft mit kluger Stadtplanung das unkontrollierte Wachstum in den sechs Megacities New York, Rio de Janeiro, Mumbai, Lagos, Hongkong und Istanbul in den Griff bekommen kann, soll im New Yorker MoMA Uneven Growth: Tactical Urbanisms for Expanding Megacities zeigen. Dazu sind sechs interdisziplinäre Teams zu Workshops eingeladen, deren Ergebnisse im MoMA gezeigt werden (22.11.-10.5.2015).

Dass ein Künstler allein eine ganze Stadt prägen kann, mag für Architekten heute ein Traum sein. Im Barock war es möglich: Das soll die Schau Bernini - Erfinder des barocken Rom im Museum der bildenden Künste in Leipzig mit über 200 Zeichnungen zum Beispiel vom Petersplatz oder der Piazza Navona beweisen (9.11.-1.2.2015).



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