Kunst-Highlights 2015, Teil 2 Ich kenne kein Weekend!

Furiose Pinselschwünge, Menschen auf dem Prüfstand, Party in Miami - die Kunst-Höhepunkte in der zweiten Jahreshälfte 2015.


Starke Frauen, klassische Fotografie: der Juli

Abstrakter Expressionismus gilt noch bis heute als Männersache, aber es gab auch Frauen in der "New York School". Eine davon war Joan Mitchell, deren furiose Pinselschwünge auf riesigen Leinwänden Lehrstücke gestischer Malerei sind. Das Kunsthaus Bregenz zeigt 30 ihrer großformatigen Gemälde (18. Juli -25.Oktober), dazu zum ersten Mal Archivmaterial wie Filme und Fotos, private Briefe und Einladungen.

Er bekommt die gesamte Ausstellungsfläche für seine Film- und Soundarbeiten in der Frankfurter Schirn Kunsthalle (9. Juli -27.September), aber damit gibt sich der US-Amerikaner Doug Aitken nicht zufrieden. Er wird wahrscheinlich auch die Fassade des Hauses in seine Schau mit einbeziehen, wie er es schon in Museen und sogar auf einem fahrenden Zug getan hat.

Aus Anlass des 150. Geburtstags von Karl Blossfeldt stellt die Pinakothek der Moderne in München (24. Juli -25. Oktober) rund hundert Pflanzen-Fotografien und dazu Arbeitscollagen, Dokumente und Zeichnungen des Fotokünstlers aus.

Ein Klassiker und Neues in der Schweiz: der August

Die letzte Schau des "Cranach in Thüringen"-Ausstellungsjahres zum 500. Geburtstag von Lucas Cranach d. J. wird am 21. August (bis 20. November) im Kasseler Museum Schloss Wilhelmshöhe gezeigt. "Cranach im Dienste von Hof und Reformation" heißt sie und zeigt die Nähe der Cranach-Familie zu herrschaftlichen Auftraggebern und zu Martin Luther.

In den Sechzigerjahren provozierte John Waters mit seinen Filmen und wurde zur Kultfigur. Dass Waters sich auch an anderen künstlerischen Disziplinen versucht hat, zeigen rund 35 Film-Fotografien, Assemblagen und plastische Arbeiten bei "John Waters. How much can you take?" im Kunsthaus Zürich (14. August - 1. November).

Im Zürcher Migros Museum entwickeln die beiden Koreaner Moon Kyungwon & Jeon Joonho (29. August - 8. November) ihren Documenta-13-Beitrag wie geplant kontinuierlich weiter, wie auch auf der Venedig-Biennale im koreanischen Pavillon. In ihrem Projekt gehen sie davon aus, dass die Menschheit nahezu eliminiert wurde und deshalb ihre Überzeugungen prüfen muss. Dazu laden sie bekannte Designer, Architekten und Städtebauer, Mediziner und Biologen ein, neue Perspektiven im nachhaltigen Umgang mit Ressourcen aufzuzeigen.

Viel los in Berlin, Darboven im Doppelpack: der September

Nach der Sommerpause eröffnen viele Museen wichtige Ausstellungen, und man könnte schon wieder verreisen: nach Amsterdam zum Beispiel, um im Van Gogh Museum "Van Gogh und Edvard Munch" zu sehen, die größte Schau zum 125. Todesjahr des Niederländers (25. September - 17. Januar 2016). In Basel läuft im Museum für Gegenwartskunst "Cy Twombly. Malerei & Skulptur" mit Arbeiten aus den Fünfziger- bis Siebzigerjahren (12. September - 31. Januar 2016), die Londoner Tate Modern zeigt in "The World Goes Pop" mit rund 200 Arbeiten, dass es Pop nicht nur in den westlichen Metropolen, sondern auch in Lateinamerika, Asien und dem Mittleren Osten gab (17. September -24. Januar 2016).

In Berlin bündeln sich die Ausstellungen um die ABC herum, die sich jetzt Kunstmesse nennt (17. - 20. September). So wird im Hamburger Bahnhof zum achten Mal der Preis der Nationalgalerie (11. September - 17. Januar 2016) vergeben. Vier Künstlerinnen und Künstler sind nominiert. Im September wählt eine internationale Jury den Preisträger.

Die Berlinische Galerie (16. September - 15. Februar 2016) und der Neue Berliner Kunstverein (19. September - 8. November) zeigen gemeinsam die Schau "Ich kenne kein Weekend! Das Archiv René Block. 50 Jahre Berliner Zeitgeschichte" und ehren damit die Arbeit des Galeristen, Verlegers und Ausstellungsmachers René Block, der 1964 damals unbekannte Künstler wie Gerhard Richter, Sigmar Polke oder Joseph Beuys in seiner Berliner Galerie ausstellte (16. September -15. Februar 2016).

Die fünf Nominierten für den Internationalen Faber-Castell-Preis für Zeichnungen zeigt das Neue Museum in Nürnberg (17. Juli - 11. Oktober).

Liebhaber der strengen Kunst sehen sich die erste große Retrospektive von Hanne Darboven nach ihrem Tod im Jahr 2009 an. "Zeitgeschichten - Aufklärung" heißt sie und wird parallel im Münchner Haus der Kunst und in der Bonner Kunsthalle gezeigt (18. September -17. Januar 2016).

Außerdem: der Konzeptkünstler Thomas Hirschhorn in der Bremer Kunsthalle (5. September -17. Januar 2016) und das 6. Fotofestival Mannheim-Ludwigshafen-Heidelberg an verschiedenen Orten (18. September -15. November).

Goya gucken in London, Kunst kaufen in Paris: der Oktober

Im Museum Frieder Burda kuratiert Udo Kittelmann die Schau Andreas Gursky (Baden-Baden, 3. Oktober - 24. Januar 2016); Daniel Richter sagt mit seinen Gemälden in der Frankfurter Schirn "Hello, I Love You" (9. Oktober -17. Januar 2016), und in Düsseldorf ist im Museum Kunstpalast die erste Retrospektive des Barockmalers Francisco de Zurbarán in Deutschland zu sehen (10. Oktober - 31. Jnauar 2016).

Auch eine Premiere kündigt die London National Gallery mit "Goya: The Portraits" an (7. Oktober -10. Januar 2016): Es sei die allererste Schau überhaupt, die nur Goyas Porträts zeigt.

Kunst kaufen kann man in London auf der Kunstmesse Frieze/Frieze Masters (14.-18. Oktober) und in Paris auf der attraktiven Messe Fiac im Grand Palais (22.-25. Oktober).

Minimalismus und Ozeanismus: der November

Bei "Max Beckmann und Berlin" in der Berlinischen Galerie sind Gemälde zu sehen, die mit der Stadt verknüpft sind (20. November -15. Februar 2016).

Zu den großen Malerinnen des 20. Jahrhunderts zählt die Minimalistin Agnes Martin, das Düsseldorfer K20 zeigt "Eine Retrospektive" (7. November -1. Februar 2016). Heimo Zobernig bespielt auf der Venedig-Biennale den österreichischen Pavillon, im Kunsthaus Bregenz folgt eine weitaus größere Zobernig-Schau (7. November - 10. Januar 2016).

Wer nie zu den Fidschi-Inseln reisen wird, kann deren Geschichte und Tradition in "Mitten im Ozean. Die Kunst der Fidschi-Inseln" (Bonner Bundeskunsthalle, 6. November - 5. März 2016) anhand von Skulpturen, Schmuck, Holzschnitzereien, Waffen und alten Textilien nachspüren oder auch die heutige pazifische Modeszene kennenlernen, die aus Rindenbaststoffen Ballroben und Hochzeitskleider schneidert.

Politik oder Party: der Dezember

In den Achtzigerjahren begann der Aufbruch Südafrikas in ein neues Zeitalter. Seit im Juni 1976 schwarze Schulkinder in Soweto friedlich demonstriert hatten und die Polizei 600 Menschen erschoss, eskalierte der Widerstand gegen die Apartheid zum offenen Bürgerkrieg. Allerdings konnten die Südafrikaner erst im Mai 1994 frei wählen, der aus dem Gefängnis entlassene Nelson Mandela wurde zum ersten schwarzen Ministerpräsidenten. "State of Emergency. Kunst, Kollektive und Politik in Südafrika" zeigt den Aufbruch in den Achtzigerjahren, die Gegenwart und die Perspektive einer jungen Künstlergeneration in Südafrika (Weltkulturen Museum Frankfurt/Main, 2. Dezember -24. Juli 2016). Auch Kunstkäufern mit Party-Vorliebe, die nach Miami zur Art Basel Miami Beach (3.-6. Dezember) fliegen, sei diese Ausstellung wärmstens ans Herz gelegt.

Letzte Woche: Die Kunst-Highlights von Januar bis Juni

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