Ausstellungen Neue Nationalgalerie präsentiert Französische Meister in Berlin

Die MoMA-Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie in Berlin war 2004 das Kulturereignis des Jahres. Jetzt wollen die Organisatoren an den Erfolg anknüpfen - mit einer Hommage an die französischen Meister des 19. Jahrhunderts.


Berlin - In Berlin wird in der nächsten Woche eine spektakuläre Luftpost eintreffen. Die charakteristischen roten, weißen und blauen Streifen der Briefumrandung werden überall in der Hauptstadt die französischen Meisterwerke des 19. Jahrhunderts aus dem Metropolitan Museum of Art in New York ankündigen. "Der Luftpost-Brief steht dafür, dass etwas den Atlantik überquert, und er ist ein bisschen altmodisch, aber sehr persönlich - wie auch die gezeigte Kunst", sagt André Odier, Projektleiter beim Verein der Freunde der Nationalgalerie, der schon das New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) nach Berlin geholt hatte.

Das Metropolitan Museum baut um und lagert deshalb eine Abteilung aus. Nach dem gigantischen Erfolg der Ausstellung des MoMA vor drei Jahren in Berlin werden nun vom 1. Juni bis 7. Oktober rund 150 Meisterwerke französischer Maler die Berliner Kunstlandschaft bereichern. Nirgendwo - außer im Musée d'Orsay in Paris - sei diese Kunst so exzellent gesammelt worden wie im Metropolitan Museum, sagt Odier. Viele der Kostbarkeiten hätten Amerika noch nie verlassen.

Als erstes werden die Besucher der Metropolitan-Schau auf Rodins berühmte "Bürger von Calais" treffen. Diese würden als einziges Werk in der oberen Etage des funktionalen Gebäudes von Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969) inszeniert, sagt Odier. Ansonsten wird die Kunst im unteren Geschoss der Neuen Nationalgalerie zu sehen sein. Die chronologische Gestaltung der Schau sei schwierig und interessant zugleich, da die Kunstwerke sehr unterschiedliche Maße haben. Diese reichen von einem 1,70 Meter mal 1,50 Meter großen Manet bis zu einem 30 mal 40 Zentimeter großen van Gogh.

SMS statt Warteschlange

Die Ausstellungen in der Neuen Nationalgalerie sind traditionell spektakulär umrahmt - so auch diese Schau. Ein französisches Dörfchen hinter dem Gebäude wird auf die Kunst aus dem Land der Genießer und Gourmets einstimmen. Im "Savoir vivre", wie Odier die Büdchen nennt, könnten die Besucher erfahren, wie "Gott in Frankreich lebt".

Französische Köstlichkeiten wie Crepes und Crossaints runden den Kunstgenuss ab. Damit man es sich auf der Balustrade um die Galerie gemütlich machen kann, werden zurzeit 4000 Kissen in den Luftpostfarben produziert.

Im Vergleich zur MoMA-Ausstellung soll sich in einem zentralen Punkt etwas entscheidend ändern: Anstehen müssen die Besucher für die Kunst dieses Mal nicht. Bei der MoMA-Schau war die Schlange noch zum Ereignis an sich geworden - mit einer Wartezeit von bis zu zwölf Stunden. Mit einem ausgeklügelten Ticketsystem werden die Liebhaber französischer Kunst nun per SMS eine halbe Stunde vorher informiert werden, dass sie an der Reihe sind. Beim Kauf des Tickets bekommen sie zudem ein Hinweisblatt, worauf Kunstgenüsse in der Umgebung wie die Gemäldegalerie und das Kupferstichkabinett für die Wartezeit empfohlen werden.

"Intelligentes Warten", nennt Odier das.

Von Marion Schierz, ddp



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.