Auszeichnung SPIEGEL-Redakteure gewinnen Nannen-Preis

Auszeichnung für die "beste investigative Leistung": Für ihre Recherchen über Doping im Radrennsport haben vier SPIEGEL-Redakteure den renommierten Henri-Nannen-Preis erhalten. Literaturkritiker Reich-Ranicki wurde für sein Lebenswerk geehrt - und scherzte über seine Laudatorin Angela Merkel.


Hamburg - Mit einer Gala im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg haben das Verlagshaus Gruner und Jahr und das Magazin "Stern" am Freitagabend zum vierten Mal den Henri-Nannen-Preis vergeben. Zwölf Preisträger durften die mit insgesamt 30.000 Euro dotierten Trophäen entgegennehmen. Die Auszeichnung wurde in den fünf Kategorien Dokumentation, Investigation, Humor, Fotoreportage sowie Reportage/Egon-Erwin-Kisch-Preis für die besten journalistischen Arbeiten des Jahres 2007 verliehen.

Den Preis für die "Beste investigative Leistung" vergab die Jury an die vier SPIEGEL-Redakteure Udo Ludwig, Matthias Geyer, Lothar Gorris und Detlef Hacke. Die Journalisten hatten in jahrelangen Recherchen nachgewiesen, dass auch im Radrenn-Team der deutschen Telekom verbotene Doping-Mittel verwendet wurden. Die Telekom zog sich daraufhin aus dem Radsport zurück.

Die Jury würdigte die Leistung der Journalisten, die immer wieder auch durch drohende Anzeigen-Stornierung unter massiven wirtschaftlichen Druck geraten seien, ihre Recherchen aber dennoch fortsetzten und schließlich "eine der populärsten Sportarten als großes Kartell von Manipulateuren und Vertuschern entlarvten".

"Es kann uns das leben kosten"

In der Königsdisziplin "Beste Reportage" siegte Sabine Rückert mit einem Beitrag für das "Zeit Magazin Leben". Unter dem Titel "Wie das Böse nach Tessin kam" hatte Rückert über den Doppelmord eines 17-jährigen Gymnasiasten geschrieben, der im mecklenburgischen Dorf Tessin ein Ehepaar aus der Nachbarschaft niedergestochen hatte.

Die irakische Journalistin Zainab Ahmed erhielt den Henri-Nannen-Preis für ihre Verdienste um die Pressefreiheit. Stellvertretend für alle irakischen Journalisten des Institute for War and Peace Reporting (IWPR) nahm sie die Auszeichnung entgegen. Eigentlich seien irakische Journalisten darauf bedacht, nicht öffentlich aufzutreten, sagte sie, "weil es uns das Leben kosten kann". Mit der Auszeichnung würdigte die Jury "das mutige Engagement von Zainab Ahmed sowie ihren irakischen Kollegen".

Der Fotograf Lu Guang erhielt den Preis in der Kategorie "Beste Fotoreportage" für seine in der Zeitschrift "Geo" erschienene Bilderserie "Der schwarze Riese" über die boomende Kohleregion Wuhai in China. Ebenfalls im Magazin "Geo" erschien der Beitrag "Kampf bis zum letzten Fisch" von Lars Abromeit, Katja Trippel und Torsten Hampel - Sieger in der Kategorie "Dokumentation".

In der Kategorie "Herausragende humorvolle Berichterstattung" gewann Harald Martenstein mit seiner wöchentlichen Kolumne im "Zeit Magazin Leben".

"Sie hat mich nicht zu Wort kommen lassen"

Der deutsche Schriftsteller und Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki erhielt den Henri-Nannen-Preis für sein journalistisches Lebenswerk. Die Laudatio auf Reich-Ranicki hielt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): Merkel würdigte Reich-Ranicki als "eine Ikone im besten Sinne des Wortes, eine Ikone des Feuilletons". Sie erinnerte vor allem an Lebensstationen des in Polen geborenen 87-jährigen Überlebenden der Shoa. Eine von ihm selbst beschriebene "Gegenwelt" aus Musik und Literatur habe ihn das Warschauer Ghetto und den Holocaust überleben lassen und sein ganzes Leben bis heute ausgefüllt.

Der Geehrte sei "ein Mann des Urteils", aber "kein Mann des lauen Urteils". "Ihr Urteil hat aufgeregt und verbittert, es hat begeistert und beflügelt, es hat gestürzt und emporgehoben", sagte Merkel. "Marcel Reich-Ranicki lebt Kultur."

Der 87-Jährige erinnerte ironisch an seine erste Begegnung mit Merkel, die damals noch als junge Politikerin in Bonn war. Es sei ein ungewöhnlicher Abend gewesen: "Sie hat mich nicht zu Wort kommen lassen, und das muss man können." Zudem habe sie "den ganzen Abend nicht eine einzige Dummheit gesagt".

Zur Gala im Deutschen Schauspielhaus hatten sich nach Angaben des Verlages rund 1200 Persönlichkeiten aus Medien, Kultur, Wirtschaft und Politik eingefunden. Um die Auszeichnung hatten sich sich Journalisten mit über 830 Beiträgen aus 181 deutschsprachigen Zeitungen, Zeitschriften und Magazinen beworben.

Die Nannen-Preisträger 2008

Kategorie Preisträger geehrt für...
Pressefreiheit Zainab Ahmed Einsatz für die Freiheit der Berichterstattung
Reportage/Egon-Erwin-Kisch-Preis Sabine Rückert "Zeit Magazin Leben"-Reportage "Wie das Böse nach Tessin kam"
Investigation Udo Ludwig, Matthias Geyer, Lothar Gorris, Detlef Hacke "Doping im deutschen Radsport" im SPIEGEL
Humor Harald Martenstein Kolumne im "Zeit Leben Magazin"
Dokumentation Lars Abromeit, Katja Trippel, Torsten Hampel "GEO"-Geschichte "Kampf bis zum letzten Fisch"
Fotoreportage Lu Guang "Geo"-Reportage "Der schwarze Riese"
Sonderpreis Marcel Reich-Ranicki Lebenswerk

amz/ddp/dpa

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