Sparprogramm Springer-Verlag baut Konzern massiv um

Axel Springer richtet seine Mediengruppe mit "Bild" und "Welt" neu aus. Jobs in Verlag und Redaktionen fallen weg. Anderswo sollen neue entstehen. Die Geschäftsziele für 2019 werden nicht mehr erreicht.

Der Konzernumbau bei Axel Springer nimmt konkrete Formen an. Das Unternehmen strafft seine Mediensparte, um sich auf neue Geschäftsmodelle zu konzentrieren. Zum einen investiert der Medienkonzern in den nächsten drei Jahren mehr als 100 Millionen Euro in die Marken "Bild" und "Welt", um das Nachrichtengeschäft attraktiver und zugleich effizienter zu machen. Zum anderen werden im Zuge des geplanten Umbaus jedoch Arbeitsplätze unter anderem in Redaktionen und dem Verlag gestrichen.

Springer wolle sich "fokussieren und Strukturen in Bereichen, die nicht mehr wachsen, verkleinern", sagte das zuständige Vorstandsmitglied Stephanie Caspar. "Das erfordert Einschnitte, leider auch bei Mitarbeitern." Wie groß der Jobabbau ausfallen wird, ließ der Konzern offen.

Durch enger miteinander verzahnte Redaktionen und den Abbau von Mitarbeitern sollen die Kosten um 50 Millionen Euro sinken. "Bild" und "Bild am Sonntag" sollen stärker zusammengeführt werden.

Springer will vor allem in eine Live-Video-Strategie investieren. Die Strategie konzentriert sich vor allem auf die Marken "Bild" und "Welt": "Bild" soll "zur attraktivsten Live-Plattform für News, Entertainment und Sport werden und als Deutschlands größte Medienmarke auch auf TV-Bildschirme gebracht werden", heißt es in einer Unternehmensmitteilung.

Bei der "Welt" will man Geld in ein Netzwerk aus Experten und Kommentatoren stecken. Die "Welt" baut vor allem ihr Bezahlgeschäft weiter aus. Zudem erfolgt im kommenden Jahr der Umzug in den Axel-Springer-Neubau mit einem gemeinsamen Newsroom für Fernseh-, Digital- und Printinhalte.

Beide Marken streben so vor allem einen deutlichen Ausbau der digitalen Abonnements an. Zugleich sollen die Kosten im nationalen Nachrichtengeschäft um 50 Millionen Euro gesenkt werden.

Wegen des Konzernumbaus und schwächerer Geschäfte in einigen Segmenten kann Springer die bislang geplanten Geschäftsziele für 2019 nicht mehr aufrecht erhalten. Der Umsatz werde im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich sinken, statt wie bisher geplant im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Das operative Ergebnis (bereinigtes Ebitda) werde zwischen zehn und 20 Prozent sinken. Bisher war von einem Rückgang im mittleren einstelligen Prozentbereich die Rede.


"Welt Kompakt" und "Welt Hamburg" werden eingestellt

Die Redaktionen werden die Kostensenkungen durch den Umbau deutlich spüren. Eine redaktionelle, markenübergreifende Sport-Redaktion soll gemeinsame Inhalte für "Welt", "Bild" und "Sport Bild" liefern. Bei Axel Springer erhofft man sich so, "neue Geschäftsmodelle und Zielgruppen" zu erschließen.

Gespart werden soll am Personal. Neben Vorruhestandsregelungen und Fluktuation, will der Konzern ein Freiwilligenprogramm initiieren. "Wir setzen in erster Linie auf Freiwilligkeit, Fluktuation und Vorruhestandsregelungen und werden alles tun, diesen notwendigen Wandel für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einem attraktiven Paket, das auch mit Qualifizierungen für andere Jobprofile fit macht, so gut wie möglich zu unterstützen", sagte Springer-Vorstand Stephanie Caspar in einer Mitteilung des Verlages.


Die "B.Z." konzentriert sich ganz auf regionale Inhalte, die sie auch für den Berlin-Teil von "Bild" liefert, umgekehrt liefert Bild die überregionalen Inhalte der "B.Z." Die werktäglichen Ausgaben der "Welt Kompakt" sowie der "Welt Hamburg" werden eingestellt. Das Wirtschaftsmagazin BILANZ wird redaktionell in die WELT integriert. "Auto Bild" und "Computer Bild" werden sich auf die beiden Haupttitel, erfolgreiche Spezialmagazine und die Erschließung neuer Geschäftsmodelle für die beiden starken Marken konzentrieren. "Bild", inklusive Regionalausgaben und "B.Z"., "Bild am Sonntag" sowie "Welt" und "Welt am Sonntag" sollen auch als gedruckte Zeitungen weiter bestehen.

Hintergrund der neuen Strategie und der Redaktionszusammenlegung sind Sparmaßnahmen bei Axel Springer mit seinen weltweit rund 16.000 Mitarbeitern. Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner hatte mit dem geplanten Einstieg des US-Finanzinvestors Kohlberg Kravis Roberts (KKR) weitreichende Veränderungen für das börsennotierte Medienunternehmen angekündigt. Das Berliner Medienhaus sieht seine Zukunft vor allem in digitalen Geschäftsfeldern. Döpfner träumt davon, den Digitalkonzern zum weltweiten Marktführer zu formen.

flg/kig
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