Verlegerwitwe Friede Springer "'Welt' und 'Bild' werden nicht angetastet"

Es war ein Fanal für die Medienbranche: Am Donnerstag gab der Springer-Verlag den Verkauf eines riesigen Pakets von Zeitungen und Zeitschriften bekannt. Jetzt nimmt Friede Springer erstmals Stellung dazu. Die Verlegerwitwe hält an "Bild"- und "Welt"-Gruppe fest - und gibt sich sonst unsentimental.
Verlegerin Friede Springer: "Das Alte ist vergangen"

Verlegerin Friede Springer: "Das Alte ist vergangen"

Foto: Sven Hoppe/ picture alliance / dpa

Hamburg - Friede Springer, Hauptaktionärin des Axel-Springer-Verlags, hat sich erstmals öffentlich zu dem Verkauf wichtiger Traditionszeitungen des Hauses geäußert. "Auch wenn ich die Entwicklung des Marktes sehe und die logischen Konsequenzen, die sich daraus für uns als Zeitungshaus ergeben, fallen mir solche Entscheidungen ungemein schwer", sagte Springer der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ("FAS").

Am Donnerstag dieser Woche hatte der Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner den Verkauf der Regionalzeitungen "Hamburger Abendblatt" und "Berliner Morgenpost" an die in Essen beheimatete Funke-Gruppe bekanntgegeben, der unter anderem die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" gehört. Außerdem übernimmt Funke fünf Programm- und zwei Frauenzeitschriften von Springer; darunter so bekannte Titel wie das ehemalige Springer-Flaggschiff "Hörzu" und die "Bild der Frau". Der Gesamtpreis für das Paket: 920 Millionen Euro.

Mit einigen der betroffenen Titel hatte Verlagsgründer Axel Springer nach dem Krieg seinen Konzern auf- und zu einem der größten Verlagshäuser Europas ausgebaut. Nach seinem Tod 1985 kaufte seine Witwe Friede - Springers fünfte Ehefrau - die Aktienmehrheit zurück. Vor elf Jahren setzte sie den früheren Journalisten Döpfner als Vorstandschef ein, mit dem sie auch privat befreundet ist.

"Wir bauen aus"

Doch von Sentimentalitäten mit Blick auf die Geschichte des Verlagshauses lässt sich Friede Springer allerdings offenbar nicht leiten. "Das Alte ist vergangen", sagte sie der "FAS" weiter, "wirklich vergangen". Angesichts des Branchentrends sei die Trennung von Titeln wie "Hörzu", "Hamburger Abendblatt" und "Berliner Morgenpost" unumgänglich gewesen. "Ich bin seit 28 Jahren im Aufsichtsrat aktiv. Ich verfolge die Entwicklung auf dem Zeitungsmarkt seit Jahren und sehe täglich Zahlen", sagte die Verlegerwitwe.

Mit der Aufgabe der traditionsreichen Blätter - der jetzt auch noch der Verkauf des französischen Zeitschriften-Verlags PGP an das Unternehmen Reworld Media folgt, wie am Samstag bekannt wurde - hat sich der Springer-Verlag publizistisch selbst entkernt. Als journalistisch relevante Titel bleiben vor allem "Bild" und "Welt". Während das Boulevard-Blatt "Bild" trotz Auflagenrückgangs in den letzten Jahren weiterhin hohe Profite abwirft, wird die "Welt"-Gruppe in der Branche dagegen fast schon traditionell als Sorgenkind des Verlags betrachtet.

Dennoch beteuerte Friede Springer nun in der "FAS", an den verbliebenen Titeln "Bild" und "Welt" festhalten zu wollen. "Solange ich als Mehrheitsaktionärin hier etwas zu sagen und mitzubestimmen habe, werden die 'Welt'- und die 'Bild'-Gruppe nicht angetastet", sagte die Verlegerin, die am 15. August 71 Jahre alt wird. Das Gegenteil sei beabsichtigt. "Die 'Bild'- und die 'Welt'-Gruppe bauen wir weiter aus, wir stärken sie - im Bereich von Print und Online."

Man wird abwarten müssen, was das konkret heißt: Bis vor kurzem schien es die klare Strategie des Hauses Springer zu sein, das neue Digitalgeschäft mit dem Journalismus der vergehenden Print-Ära zu versöhnen. Jahrelang wurde da von "Welt" bis "Hamburger Abendblatt" experimentiert - und am Ende stand dann doch für einige Titel der Verkauf.

tdo
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