Bambi-Verleihung Erst das Reh, dann ran ans Buffet

Die Bambi-Verleihung kehrte von Hamburg nach München zurück. Ansonsten blieb alles beim Alten: Mäßig glamouröse Stars, viel Marketing, noch mehr Lob für die Burdas und ein Kaiser Franz, der sagte, wo's langging - zum Buffet.


Schleichwerbung kann man der ARD in diesem Fall nicht vorwerfen. Dass es sich bei der alljährlich zur besten Sendezeit im Ersten übertragenen Bambi-Verleihung im Prinzip um eine gebührenfinanzierte Dauerwerbesendung für das trophäenstiftende Verlagshaus Burda handelt, ist hinlänglich bekannt. Und falls es jemand vergessen haben sollte, wurde es ihm durch den prominent am Rednerpult angebrachten Schriftzug "Hubert Burda Media" in Erinnerung gerufen. Wie auch durch die von kaum einem Preisträger ausgelassene (und entsprechend häufig dargebrachte) Dankesformel an den lieben Doktor oder gleich ganz herzlich an "die Familie Burda".

Man war unter sich, nach zweijährigem Gastspiel in Hamburg diesmal wieder in München, und schier unermesslich schienen die Marketing-Möglichkeiten. Den Auftakt der Veranstaltung, präsentiert von Gala/Eduscho und TED-telefontechnisch "realisiert mit O2", machte Verlegersgattin und "Tatort"-Darstellerin Maria Furtwängler. Sie lobte den ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton für dessen weltumspannendes segensreiches Wirken als Elder Statesman.

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Bambi-Verleihung: Das Defilee der Abendkleider

"Bild"-Vizechefin Marion Horn überreichte als Schirmherrin der Aktion "Ein Herz für Kinder" einen Scheck von Michael Schumacher über acht Millionen Dollar an die Clinton Foundation und durfte einmal "Mr. President" hauchen. Clinton erzählte was von Boris Becker, Afrika und Optimismus und sagte: "Thank you very much, Maria."

Überhaupt wirkte der Benefiz-Aspekt wie ein Vehikel für die Selbstbeweihräucherung, die über der 57. Reh-Vergabe lag: Veronica Ferres, in der Kategorie "Schauspiel national" prämiert, wurde mit ihrem Kinderhilfs-Verein Powerchild vorgestellt, und der Publikums-Preis für das "TV-Event des Jahres" ging überraschender Weise nicht etwa an das ebenfalls zur Wahl stehende "Sat-1-Promi-Grillen" oder die Pro-Sieben-Doku-Soap "Sarah und Marc in Love", sondern an die ZDF-Tsunami-Spendensendung "Wir wollen helfen!". In der Kategorie "Engagement" wurden überdies Katastrophenhelfer des Technischen Hilfswerks, der Identifizierungskommission des Bundeskriminalamts und der Bundeswehr geehrt.

Podium. Publikum. Sei's drum

Ansonsten war schwer auseinander zu halten, wer aus dem Promi-Publikum nur Laudatoren- und wer zudem Preisträger-Pflichten hatte. Die zahlreichen Musikeinlagen von A-ha bis Tokio Hotel (Preisträger Pop national), von Mariah Carey (Pop international) bis Eros Ramazzotti boten der Kamera im Lauf des langen Abends genug Gelegenheit, über die Tische und Dekolletés zu gleiten. Von Yvonne Catterfeld bis Ornella Muti, von Verona Pooth bis Jenny Elvers reichte hier die Auswahl; Boris Becker und Til Schweiger, Edmund Stoiber und Guido Westerwelle waren ebenfalls vor Ort. Und die meisten mussten aus dem einen oder anderen Grund aufs Podium.

Der laut Eigeneinschätzung "wichtigste europäische Medienpreis" wurde von der Chefredakteurin des "wichtigsten europäischen People-Magazins", der verlagseigenen "Bunte", an Karl Lagerfeld übergeben. Als Kategorie für den in silbern glitzernden Handschuhen auftretenden Modemacher hatte man sich "Kreativität" ausgedacht. Fifa-Präsident Josef Blatter wurde in der Sparte "Kommunikation" ausgezeichnet, und Franz Beckenbauer, gewürdigt von Gummibärchen-Werbeträger Thomas Gottschalk, bekam zusammen mit dem abwesenden Pelé einen Millenniums-Bambi.

Moderiert werden musste die zwischen Glamour und Betriebsfest-Atmosphäre oszillierende Veranstaltung natürlich auch; den Job teilten sich Komiker Thomas Hermanns mit den Schauspielern Bettina Zimmermann und Sky Du Mont. Dabei sei Zimmermann für die männlichen Zuschauer, Du Mont für die weiblichen und er selbst für den Rest zuständig, ulkte der bekennende Schwule Hermanns zu Beginn - und lieferte damit einen der besseren Sprüche des Abends.

Nicht wirklich charmant geriet Paul Kuhn seine Laudatio, als er, am Klavier sitzend, Ehren-Bambi-Gewinnerin Caterina Valente besang, dabei "Bonsoir, Kathrin" anspielte und sagte, er hoffe, sie erinnere sich noch, dass das einst die Erkennungsmelodie ihrer Sendung gewesen sei.

Den Unterhaltungswert des Ganzen realistisch einzuordnen, übernahm schließlich der Kaiser. Er sei auf dem Weg nach vorn schon in den Arm gebissen worden, erklärte Beckenbauer, als er sein fünftes Kitz abholte. Er wolle daher nicht viele Worte machen, denn man habe Hunger und warte aufs Essen. Danke, Franz. Und natürlich auch danke, Dr. Burda.



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