Banksy-Auktionen Zum Ersten, zum Zweiten und - im Eimer?

Gleich drei Banksy-Auktionen mit einem Schwung seiner Werke stehen an, die Bilder werden für Millionenbeträge verkauft. Wie passt das zu der kapitalismuskritischen Haltung des Künstlers?

WILL OLIVER/ EPA-EFE/ REX

Von Swantje Kubillus


Es war im Oktober 2018, als ein Banksy-Bild vor den Augen sämtlicher Anwesenden im Auktionshaus Sotheby's geschreddert wurde, das kurz zuvor für 1,2 Millionen Euro verkauft worden war. Aus "Girl with Balloon" wurde in nur wenigen Sekunden "Love is in the Bin" - "Die Liebe ist im Eimer". Banksys Kritik am Kunstzirkus.

Angeblich war es nur eine Panne, dass das Bild nicht komplett zerstört wurde; es wird gemunkelt, der Künstler, dessen Identität immer noch unbekannt ist, habe selbst im Publikum gesessen, um den Auslöser zu drücken. Die Aktion sorgte weltweit für Aufsehen und galt einmal mehr als Kennzeichen von Banksys protestlerischer Haltung und als Symbol dafür, den Kunstmarkt ad absurdum zu führen. Man ordnete den daraus entstandenen künstlerischen Akt der Tradition Marcel Duchamps und der Fluxus-Bewegung zu, bei denen die Handlung im Mittelpunkt stand und nicht das Kunstwerk.

Auf seinem Instagram-Account hinterließ Banksy damals nur einen kurzen Kommentar: "Going, going, gone!" - "Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten!" - verkauft. Wem das Werk seither gehört, ist nicht bekannt. Es heißt, eine anonyme Sammlerin hätte es ersteigert und sie ließ verlautbaren, dass es ihr auch im neuem Zustand noch gefalle. Nachdem es kurz nach der Aktion vier Wochen lang im Museum Frieder Burda in Baden-Baden hing, ist es mittlerweile als Dauerleihgabe an die Staatsgalerie Stuttgart übergeben worden - als Publikumsmagnet eingeplant.

Auktionstitel: "Ich kann nicht glauben, dass ihr Trottel wirklich diesen Sch**ß kauft"

Banksy boomt und seine kapitalismuskritische Kunst lässt sich sehr gut verkaufen. Gegenstände, die der Künstler gestaltet hat, werden bei Auktionen für bis zu sechsstellige Summen versteigert. All das geschieht zum Wohlgefallen der Händler, die nun Banksy-Festwochen eröffnen: Mitte September finden gleich drei Auktionen mit Werken des britischen Graffiti-Meisters statt.

Vom 11. bis 21. September offeriert das Auktionshaus Christie's einen ganzen Schwung seiner Siebdrucke online. Dabei ist das Londoner Traditionsunternehmen durchaus zur Selbstironie fähig, lautet der Titel der Auktion doch: "Banksy: I can't believe you morons actually buy this sh*t" ("Ich kann nicht glauben, dass ihr Trottel wirklich diesen Sch**ß kauft"). Das Motto ist einem Banksy-Siebdruck entnommen, der eine Christie's-Versteigerung von Van Goghs "Sonnenblumen" für 40 Millionen Dollar 1987 in London zeigt.

Bereits am Freitagnachmittag, ab 16 Uhr, gehen die Kollegen von Sotheby's mit "Banksy/Online" an den Start und verkaufen zwei Wochen lang 44 seiner Siebdrucke. Yessika Marks, Spezialistin für Druckgrafiken des Hauses, sagte über die Auktion: "Banksy-Drucke werden immer erfolgreicher. Ein Teil der Attraktivität des Künstlers liegt in seiner Fähigkeit zu überraschen." Jeder, der seine Arbeiten liebt, könne so ein Stück davon mit nach Hause nehmen.

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Banksy-Auktionen: Schablonenkünstler mit Message

Diese Gleichzeitigkeit der Auktionen halten Kunstexperten für gewollt - es soll wohl ein Spektakel werden, bei dem sich die Auktionsgiganten eine kleine Schlacht um die Verkaufserlöse liefern. Doch damit nicht genug.

Als Drittes reiht sich noch das Auktionshaus Bonhams ein, wo man angekündigt hat, am 13. und 14. September beim Goodwood Revival Sale in West Sussex, einer Auktion britischer Autoklassiker, einen Truck der Marke Volvo zu versteigern, den Banksy im Jahr 2000 während einer Silvesterparty in Spanien besprühte. Innerhalb von zwei Wochen wurde der Lkw, ein FL6, Baujahr 1988, zu einem Gesamtkunstwerk, auf dem etwa Flügelaffen, SWAT-Teams und Gasmasken zu sehen sind.

Kommunikationsdirektorin Lucinda Bredin von Bonhams sagte dem SPIEGEL über die Auktion: "Es gibt bereits ein enormes Interesse an dem Kunstwerk und wir bereiten uns auf großen Andrang am Auktionstag vor. Es könnte der weltweit wertvollste Truck sein, der jemals verkauft wurde." Das Auktionshaus erhofft sich einen Erlös von umgerechnet 1,6 Millionen Euro.

Bei den Christie's- und Sotheby's-Auktionen liegen die Preise diesmal allerdings nicht in Millionenhöhe, denn viele der zum Verkauf angebotenen Arbeiten sind in hoher Auflage erschienen. Christie's gibt die Gesamtschätzsumme seiner Auktion mit nur 500.000 Dollar an. Bei Sotheby's liegen die Preise für einen Banksy zwischen 3000 und 60.000 Pfund.

Beide Auktionshäuser haben übrigens Variationen von "Girl with Balloon" im Programm. Ob Banksy wieder mit einer spektakulären Aktion eingreifen wird?

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ichsagseuch 06.09.2019
1. Thema verfehlt
Und wie passt das nun zur kapitalismuskritischen Haltung des Künstlers?
cosimono 06.09.2019
2. Und wieviel verdient Banksy daran?
Nichts! Ein grosses Geschäft für Spekulanten. Schaut euch den Auftritt von Rothko an einer Auktion seiner Bilder an. Es sollte ein Gesetz geben, das lebende Künstler an solchen Gewinnen beteiligt werden.
Paddel2 06.09.2019
3. Witzig
Leute, die Gesellschaftskritik in Kunstform äußern, sind selbst darauf angewiesen, dass andere Menschen ausreichend Kapital übrig haben um sie ernähren zu können. Das ist die eigentliche Ironie. Die Realität holt jeden Idealisten ein.
ruhepuls 06.09.2019
4. Ist ja nichts Neues...
Die größten Kritiker der Elche - sind meist selber welche. Hohe Beamte kritisieren den Staat, SUV-Fahrer und Urlaubsflügler protestieren für Klimaschutz, Bewohner "migrantenfreier Zonen" stimmen für Multi-Kulti usw. Kurz, es lebt sich gut damit, gegen die Dinge zu sein, von denen man im eigenen Leben profitiert oder zumindest nicht betroffen ist. Aber es gibt einem ein gutes Gefühl.
DorianH 06.09.2019
5.
Zitat von Paddel2Leute, die Gesellschaftskritik in Kunstform äußern, sind selbst darauf angewiesen, dass andere Menschen ausreichend Kapital übrig haben um sie ernähren zu können. Das ist die eigentliche Ironie. Die Realität holt jeden Idealisten ein.
Woher wollen Sie wissen, daß Banksy auf diese Erlöse angewiesen ist?
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