Star-Snack bei Daniel Brühl Iberico-Schwein im Schälchen, bitte

Weil er in Berlin keine anständige Tortilla bekam, hat der Halbspanier Daniel Brühl einfach selbst eine Tapasbar eröffnet. Dort gibt es Fusion-Häppchen und iberische Spezialitäten - bis der Geldbeutel schreit. Hier ist Folge 3 des "Star-Snacks".

Heel Verlag

Der Gastronom

Daniel Brühl, 37, heißt mit vollem Namen César Martín Brühl González Domingo und wurde in der Nähe von Barcelona geboren. Als Sohn einer spanischen Mutter und eines deutschen Vaters wuchs er in Köln auf und wurde Schauspieler. Der Wendefilm "Good Bye, Lenin!" veränderte 2003 sein Leben auf zweierlei Weise: Erstens bekommt er seitdem Rollen in internationalen Produktionen. Zweitens lernte er bei der Filmfeier auf der Berlinale auch Atilano Gonzales kennen. Mit ihm und zwei weiteren Partnern eröffnete er 2011 die "Bar Raval" in Berlin-Kreuzberg.

Hoffnungen und Befürchtungen

Die Bar ist nach dem Viertel "Raval" benannt, das auch als "Kreuzberg Barcelonas" bezeichnet wird. Angeblich war Brühl in Berlin so lange erfolglos auf der Suche nach einer authentischen Tortilla, dass er am Ende entschied, in Zukunft selbst dafür sorgen. Die Erwartungen sind entsprechend groß: Im besten Fall multiplizieren sich die Einflüsse der spanischen Mama und die Erfahrungen eines Weitgereisten mit der gelassenen Fröhlichkeit des abendlichen Kreuzberg. Im schlimmsten Fall ist es einfach noch eine dieser überteuerten Weinbars, die in der Gegend zuletzt aus dem Boden geschossen sind. Nur eben mit einem berühmten Geschäftsführer.

Persönliche Note

Hier sind keine Vorspeisen nach Daniel-Brühl-Filmen benannt, auch grinst der Schauspieler nicht von Filmplakaten an den Wänden. Seinen Namen vermarktet Brühl hier zumindest nicht direkt. Trotzdem erfährt man etwas über die Persönlichkeit des 37-Jährigen, wenn man in sein Lokal geht. Denn Brühl betreibt die Tapas-Bar mit drei Freunden, die ebenfalls spanische Wurzeln haben. Durch die offene Küche kann man den Köchen beim Braten, Grillen und Anrichten zusehen. Die Gäste - jede Menge übrigens - sitzen auf grünen Polsterbänken an robusten Holztischen, an den unverputzten Wänden hängen gerahmte Kunstdrucke deutscher und spanischer Künstler, dazu ein FC-Barcelona-Fanschal als Wandschmuck und ein Fernseher für Fußballübertragungen. Die Fußbodenfliesen haben die Freunde aus Barcelona hergebracht, hinter der Theke stehen Dutzende Weine im Regal. Keine durchgeplante Schickeria-Schänke, eher ein entspannter Treff für ein Abendessen mit Freunden.

Essen & Trinken

Rund 30 verschiedene kleine Gerichte zwischen vier und neun Euro stehen auf der Karte. Klassisch spanisch (Patatas bravas, Chorizo, Gazpacho) oder etwas ausgefallener als Fusion-Mix (z.B. Thunfischwürfel auf Tomatenmarmelade und Süßkartoffelchips). Dazu eine große Auswahl spanischer Weine. Montags gibt es außerdem Paella.

Wie schmeckt's?

Die würzig marinierte Schweinelende ist auf den Punkt gebraten, die Sardinen sind frisch und gekonnt zubereitet, selbst die Ziegenkäse-Kroketten und ausgebackenen Auberginen mit Honig triefen nicht vor Fett. Man will gar nicht aufhören, weitere kleine Schälchen zu bestellen. Leider schreien Magen und Geldbeutel viel zu schnell: stopp! Trotzdem hat man auf dem Nachhauseweg nichts zu bereuen.

Stolz des Hauses

Das Fleisch vom nichts als Eicheln fressenden Iberico-Schwein.

Service

Ein unaufdringlicher Kellner in Jeans und T-Shirt beherrscht die Grundlagen der klassischen Choreografie. Auch warnt er freundlicherweise vor eventuell längeren Wartezeiten bei aufwendigeren Gerichten. Leider müssen wir schon um 23 Uhr bezahlen, in Barcelona würde der Abend jetzt wohl erst losgehen.

Wer ist da?

Viele mittelalte Menschen vom Typ erwachsen gewordener Erasmusstudent. Sie trinken gerne Wein und lieben gutes Essen, stehen aber eben nicht auf allzu viel Tamtam. Wahrscheinlich sind die meisten Zugezogene und wohnen in der Gegend. Stammgäste erzählen, dass hier manchmal Promis gesichtet werden, Schauspieler und Autoren zum Beispiel. Vor allem während der Berlinale.

Chancen für Autogrammjäger

Daniel Brühl fehlt, klar. Er wohnt in Berlin und Barcelona, wenn er nicht gerade irgendwo auf der Welt einen Film dreht. Die Bar dient ihm, so scheint es, manchmal als Kulisse und öfter als Heimathafen. Journalisten treffen ihn hier zu Interviews, auch sein Tapas-Buch hat er hier vorgestellt. Vielleicht muss man warten, bis er wieder eins schreibt.

Die Rechnung, bitte

Tolle Tapas, gute Stimmung, wenig Daniel Brühl, trotzdem viel Persönlichkeit.

Punkte

8 von 10

Zur Autorin
  • Fabienne Hurst, Jahrgang 1987, ist freie Journalistin in Hamburg.



insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
jkl21 05.08.2015
1. Wieder nur abgeschriebene Phrasen
Vermarktung des Namens, wohl eindeutig. Für Kreuzberger leider zu teuer! Wer ist da? Touris auf der Suche nach Daniel B. Keine gute Tortilla und Tapas in Berlin? Einfach raus gehen und um die Ecke schauen.
totak 05.08.2015
2.
Danke für die Warnung. Sonst wäre ich womöglich mal in den Laden gestolpert. Mein Gegenvorschlag: das AmmAmma, ebenfalls in Kreuzberg, Ecke Körte- zur Blücherstraße. Best Curries in Town. Winzig und -bis auf das Essen- absolut unspektakulär.
steupperg45 05.08.2015
3. Iberico Schwein
Das frisst meist auch nur Kraftfutter, manchen werden Eicheln zugefüttert, aber so gut wie nie frisst es nur die Eicheln in den Steineichenwäldern. Augen auf, bei der Recherche! Trotzdem die bessere Schweinewahl, da es kein Hybridindustriesau ist.
peterausfrankfurt 05.08.2015
4. Traurig, traurig ...
Wieder ein Gastronomie-Betrieb, der mit billigsten primitiven Hockern die Gäste so schnell wie möglich wieder los werden willl! Da kommt es doch auf die Qualität der Speisen eben nicht mehr an, denke ich ... Diesen Trend beobachte ich leider auch in der gesamten Frankfurter City.
peterausfrankfurt 05.08.2015
5. Traurig, traurig ...
Wieder ein Gastronomie-Betrieb, der mit billigsten primitiven Hockern die Gäste so schnell wie möglich wieder los werden willl! Da kommt es doch auf die Qualität der Speisen eben nicht mehr an, denke ich ... Diesen Trend beobachte ich leider auch in der gesamten Frankfurter City.
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