"Bauer sucht Frau"-Finale Alles knorke auf dem Kuppelhof

Wenn "Milchbauer Markus" seiner Liebsten ein Herzchen aus Metall schweißt und beim Kuscheln im Bett von "Jungbauer Andi" plötzlich das Arschgeweih von "Floristin Kathi" aufblitzt, dann ist Fernseh-Deutschland in Ordnung. Gestern war Finale des RTL-Quotenerfolgs "Bauer sucht Frau".


Geschafft! Wieder ein paar Bauern unter der Haube. Auf so einem Hof ist eben auch einiges zu tun. RTL-Filmteams herumführen zum Beispiel. Im Finale des Quotenrenners "Bauer sucht Frau" zog der Privatsender nochmal alle Register. Alle beide: Tränendrüse und Penetranz. Für letzteres war wie immer die so überflüssige wie geistlose Moderatorin Inka Bause zuständig, deren redundanter Kommentar die Show permanent untermalt.

Also erklärt Bause wichtig, dass "Jungbauer Andi" und "Floristin Kathi" sich näher gekommen sind, während beim Im-Bett-Herumfläzen Kathis Arschgeweih zu sehen ist. Der "liebevolle Bauer Bruno" wartet derweil gefühlte 10.000 Stunden auf die Rückkehr seiner "Arzthelferin Anja", um ihr den umgestylten Bauernhof zu präsentieren - mit der genialen Idee eines Spiegels im Bad und allem Pipapo. Da hätte der Sender doch gleich noch ein Anschlussformat mit Deko-Fee Tine Wittler dranhängen können!

"Milchbauer Markus" schweißt seiner Silke ein Herzchen aus Metallschrauben und versteckt es im Heu, wo sie mit ihren schnieke manikürten French Nails herumwühlen muss. Aber im Großen und Ganzen ist alles knorke auf dem Kuppelhof: Bis auf das trockene Mamasöhnchen Andreas und die "dreifache Mutter Lisa", die sich zu "Ballade pour Adeline" vor der Kamera Adieu, bzw. Tschö sagen, haben sich alle Kandidaten mehr oder weniger gefunden und knutschen zuhauf vor der RTL-Kamera herum.

Dabei hatten doch sowohl der Chef des Bauernverbandes als auch die für Geschmackssicherheit bekannte "Bild"-Zeitung gegen die Erfolgssendung gewettert: Den Berufsstand des Bauern sehe er falsch wiedergegeben, hatte sich der Oberbauer beschwert, von der angeblichen Trotteligkeit der Porträtierten ganz zu schweigen. Springers Boulevard-Blatt hatte tatsächlich "Mist" in der Sendung entdeckt. Denn "Rinderwirt Bernhard" sei gar kein echter Kuhfreund, sondern betreibe einen Landmaschinenverleih, weswegen er sich schleichwerbend auch am liebsten auf oder am Trecker zeige – Skandal!

Einlullende Langsamkeit

Außerdem - unerhört! - habe "Pfundskerl Maik" das niedliche Hündchen, das er der vor Rührung weinenden Sabine zum Abschied schenkt, in Wirklichkeit auf seinem Hof behalten! (Er hat übrigens auch nie etwas anderes behauptet.) Auch dass die Frauen ein Handgeld pro Drehtag bekommen, hat man recherchiert – ein üblicher Vorgang, wenn man Menschen tagelang von ihrer Arbeit abhält und mit Kameras belästigt.

Zu allem Überfluss sickerte auch noch durch, dass einer der Bauern verständlicherweise keine Lust mehr auf den Medienrummel hatte und einen Streit mit seiner Liebsten inszenierte, um das Kamerateam auf die falsche Fährte zu locken und sich heimlich weiterhin mit ihr zu treffen. Damit traf der wackere Bernhard RTL an seiner empfindlichsten Stelle: Der Entzug des Privatlebens ist für einen Schmutzige-Wäsche-Sender natürlich frappierend.

Die wahren Verlierer dieser Sendung sind also eindeutig nicht die gutmütigen bis cleveren Bauern und ihre soliden Herzdamen. Sondern die Macher der Show, denen keine Nichtigkeit, keine Handlung zu banal ist, um sie ausgiebig zu beleuchten und mit banalen Kommentaren auszustatten.

So schlimm war das aus England stammende Originalformat übrigens nicht: Die britischen Landwirte aus "Farmer wants a wife" setzen mehr auf Humor als auf küssende Pärchen im Weichzeichner zu "I wanna know what love is". 8,45 Millionen Zuschauer (Marktanteil 26,9 Prozent) wollten sich gestern Abend Freud und Leid der Singles anschauen - und damit auch eine eher unbegabte Moderatorin wie Inka Bause. Dieser neue Einschaltrekord lässt einen nur mal wieder an der Authentizität der Quotenerhebung zweifeln. Oder die vielen Fans genießen einfach die einlullenden Langsamkeit der spießigen Show.

Doch ein Privatsender kennt keinen Schmerz, und verkündete beim "Bauer sucht Frau"-Finale freudig die Hochzeit vom "liebevollen Bauern Bruno" und "Arzthelferin Anja". Und bastelt sich somit in Eigenarbeit Stoff für sieben ultralangweilige Folgen "Meine Traumhochzeit". Wir sind gespannt wie ein schlaffer Luftballon.



insgesamt 66 Beiträge
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Seite 1
Morten MacFly 18.12.2007
1. Alles Banane
Ahmen. Mit diesem Artikel ist wohl alles gesagt. Diese Sendungen untermalen eh' nur einmal mehr die Einfaltslosigkeit von RTL. Ein unnoetiger, substanzloser Beitrag zur Volksverdummung. Schade nur, dass sich zu viele davon einlullen lassen - da schaue ich mir 10x lieber meine Kinder an, das ist allemal spannender.
fakesteve 18.12.2007
2. Keine Bange
Bauer sucht Frau mag vorbei sein, aber RTL bastelt schon an einem neuen Reality-Knallerformat, mit Unterstützung eines prominenten Ex-Untersuchungshäftlings… Was für ein Glück das deutsche TV-Autoren nicht so schnell streiken wie ihre nordamerikanischen Kollegen!
soulon 18.12.2007
3. Tja,...
Es bleibt die alte Frage, was "schlimmer" ist: Den Mist zu verzapfen oder sich darüber aufzuregen!? Ich habe einen Verdacht...
Abhefter 18.12.2007
4. Frau Zylka
Ich glaube Frau Zylka sollte sich mal wieder beruhigen. "Bauer sucht Frau" ist eine reine Unterhaltungssendung. Ich glaube kaum, dass die Macher mit ihrer Sendung jemanden erziehen oder weiterbilden moechten. Wie humorlos und frustriert muss ein Mensch sein, wenn er sich ueber ein seichtes Unterhaltungsprogramm derart aufregen kann.
pupsmaus 18.12.2007
5. Wen juckt´s?
Die betroffenen Bauern wollten das und haben der ganzen Sache explizit zugestimmt. Alle Frauen haben freiwillig mitgemacht. Der Zuschauer wollte es auch, sonst hätte er sich die Sendung nicht angeschaut. Wo ist also das Problem?
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