Bayreuth-Finanzierung Was kostet Wagner?

Die Anstalten der ARD und die "Gesellschaft der Freunde von Bayreuth" tragen einen Teil der Kosten für die prestigeträchtigen Festspiele. Geht dabei alles gerecht zu? Jetzt äußert der Bundesrechnungshof Kritik an der Kartenvergabe an die Bayreuth-Mäzene.
Festspielhaus in Bayreuth: Roter Teppich für die edlen Spender

Festspielhaus in Bayreuth: Roter Teppich für die edlen Spender

Foto: Tobias Hase/ dpa

Hamburg/Bayreuth - Nicht weniger als 396.555 Euro kosten die ARD allein die Hörfunk-Übertragungsrechte für die Bayreuther Festspiele - im Jahr, Produktionskosten nicht eingerechnet. Die Lizenzsummen für das Klassik-Event sind im Laufe der Jahrzehnte massiv gestiegen, wie aus dem "Bericht der Landesrundfunkanstalten an die Konferenz der Gremienvorsitzenden" hervorgeht: Bis 1965 lagen sie bei rund 92.000 Euro (damals 180.000 Mark), ab 1994 waren es etwa 215.000 Euro (420.000 Mark). Das interne Papier liegt dem SPIEGEL auszugsweise vor.

Die Kosten werden nach dem "üblichen Verteilschlüssel" innerhalb der ARD umgelegt, sagt der federführende BR. Laut dem Bericht bedeutete das etwa für kleine Anstalten wie Radio Bremen ein Obolus von 2.800 Euro, für den WDR sind rund 72.000 Euro vorgesehen. Zu den im Papier aufgeführten Lizenzkosten für das Bayreuther Treiben will der BR keine Stellung nehmen, sie unterlägen aus "Wettbewerbsgründen der Vertraulichkeit". Man sei aber "stolz", die Festspiele übertragen zu dürfen.

Auch sehr stolz auf ihre Verbindungen zum Festspielort ist die "Gesellschaft der Freunde von Bayreuth": Drei Millionen Euro spendet diese in diesem Jahr für die Festspiele. Jetzt ist die Organisation in die die Kritik geraten: Der Bundesrechnungshofes monierte die Kartenvergabe in Bayreuth.

Im Zentrum der Schelte: die 14.000 Tickets, die den Bayreuth-Freunden zur Verfügung stehen. "Das sind keine Freikarten, jedes Ticket wird bezahlt", sagte Vorstandschef Georg von Waldenfels am Mittwoch in Bayreuth. Das Geld für die Eintrittskarten fließe direkt an die Festspiele, ergänzte Geschäftsführerin Ina Besser-Eichler.

Der Bundesrechnungshof hat die Vergabepraxis bei den Festspieltickets jüngst kritisiert, da nur 40 Prozent der Karten in den freien Verkauf gehen. Waldenfels betonte, dass Bund und Land ihre Zuschüsse massiv aufstocken müssten, würde sich sein Verein nicht mehr finanziell engagieren. Der Freunde-Vorstand erklärte sich bereit, im Haushaltsausschuss des Bundestags das Konzept der Gesellschaft zu erläutern.

mum/cbu/dpa
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