Bedrohter Autor Nobelpreis-Jury lädt Saviano zu Vortrag

Die Nobelpreis-Jury stellt sich nun doch öffentlich auf die Seite des von der Mafia für vogelfrei erklärten italienischen Autors Roberto Saviano. In Stockholm soll der vom Tod bedrohte Autor sprechen - über Meinungsfreiheit und gesetzlose Gewalt.


Stockholm - Die Initiative kam überraschend: Noch am Donnerstag hatte der Ständige Sekretär der Nobelpreis-Jury, Horace Engdahl, Forderungen nach öffentlicher Solidarität mit dem italienischen Schriftsteller Roberto Saviano zurückgewiesen. Dessen Bedrohung durch die Mafia sei "eine reine Polizeiangelegenheit", sagte Engdahl.

Schriftsteller Saviano: Zum Vortrag nach Stockholm
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Schriftsteller Saviano: Zum Vortrag nach Stockholm

Nun wurde Saviano von der Jury nach Stockholm eingeladen, er soll dort zum Thema "Meinungsfreiheit und gesetzlose Gewalt" sprechen. Wie die Jury weiter mitteilte, hoffe man bei der Veranstaltung "auch auf einen Dialog" mit dem viele Jahre von islamistischen Fundamentalisten bedrohten britischen Autor Salman Rushdie.

Erhoben hatte die Forderung nach aktiver Solidarität mit Saviano zuvor die Schriftstellerin Kerstin Ekman. Sie verwies dabei auch auf einen Aufruf, den unter anderem der Nobelpreisträger Günter Grass und sein türkischer Kollege Orhan Pamuk mit veröffentlicht hatten.

Ekman ist Mitglied der 18-köpfigen Jury, verweigert aber wegen des Schweigens der Akademie zur Verfolgung Rushdies seit 1989 die Mitarbeit.

Saviano steht wegen seiner Buchveröffentlichungen über das organisierte Verbrechen auf Todeslisten der Mafia.

Ein Akademiesprecher erklärte Engdahls frühere Äußerungen mit den Worten, der Fall Saviano habe sich "schnell entwickelt". Nach Stockholmer Medienberichten war es in der Akademie zu Streit gekommen.

ber/dpa



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