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Berlin Art Week: Die Messe ist eröffnet

Foto: Carolin Saage

Berlin Art Week "Der beste Galeriestandort der Welt"

Das Berliner Wochenende steht im Zeichen der Art Week. Neu dabei ist der Galerist Kristian Jarmuschek mit der Kunstmesse Positions. Bereits etabliert ist die Art Berlin Contemporary in einem ehemaligen Kreuzberger Bahnhof.
Von Saskia Ibrom

Kristian Jarmuschek steht in seiner Galerie in einem Hinterhof, sie liegt gleich gegenüber einem hippen Concept-Store in Berlin-Tiergarten. Verpackte und verschnürte Kunstwerke lehnen an den Wänden, dazwischen der 42-jährige Jarmuschek, der sympathisch daherkommt mit seinen blonden Locken und lässigem Schal zum Hemd. Man kennt ihn in der Kunstszene, er hat eine Galerie gegründet, ist als Dozent und Auktionator tätig und Vorstand des Bundesverbands Deutscher Galerien und Kunsthändler.

Jarmuschek veranstaltet dieses Jahr zum ersten Mal die Kunstmesse Positions. Er will die zeitgenössische Berliner Kunstszene damit ins Blickfeld des Marktes rücken, aber auch internationale Aussteller mitnehmen. Veranstaltungsort ist das mehr als hundert Jahre alte Kaufhaus Jandorf im Stadtteil Mitte, von außen mit vom Zweiten Weltkrieg verschonter Fassade, von innen mit abgerocktem Wende-Charme.

52 Galerien aus neun Nationen zeigen auf der Messe ausgewählte Werke, es sind nur wenige pro Künstler und trotzdem stehen beide Etagen voll. Vor neun Jahren hat Jarmuschek diesen Versuch schon einmal gewagt. Damals gründete er die Kunstmesse Preview als Messe für junge Kunst. Doch 2013 fand sie zum letzten Mal statt. Die Umsatzerwartungen der Galerien hätten sich nicht erfüllt, schreiben die Organisatoren auf der Website, man sei sich nicht sicher, ob Berlin als lukrativer Messestandort tauge.

Jarmuschek findet, dass Berlin für Sammler attraktiver gemacht werden muss, daher ist die Positions breiter aufgestellt als die Preview, es gibt nicht nur Werke von neuen, sondern auch bereits etablierten Künstlern zu kaufen: "Sammler wollen einen Künstler, der am besten schon mal im Museum oder im Programm einer international relevanten Galerie gewesen ist."

Jetzt zeigt Jarmuschek Aussteller wie die Berliner Galerie Gerken oder die Frantic Gallery aus Tokio. Sie waren schon bei der Preview dabei und bieten in diesem Jahr unter anderem Steinstudien von Jenny Brockmann und surreale Stadtbilder von Makoto Sasaki.

Mehr-Kunst-als-man-sehen-kann

Die Positions gehört zu den Neuerungen der Berlin Art Week, dieser einen Woche des Mehr-Kunst-als-man-sehen-kann im Herbst. Wie das Gallery Weekend im Mai soll die Herbstmesse das Kunstpublikum in die Hauptstadt ziehen.

Zwar findet mit der Art Berlin Contemporary (abc) zeitgleich eine Veranstaltung statt, die sich auch nach dem Wegfall der international etablierten Kunstmesse Art Forum Berlin im Jahr 2011 behaupten konnte. Doch Jarmuschek glaubt, dass die Art Week durchaus noch eine, seine zweite Messe vertragen könne: "Man muss es eben versuchen", sagt er.

Aber Jarmuschek ist nicht nur Idealist, sondern auch Pragmatiker. Er sagt: Galerien wollen verkaufen. Auch er selbst will das natürlich. Seine eigene Galerie hat einen Stand auf der Positions. Messen sind für die Galerien wichtig, das Geschäft mit der Kunst ist hart. Jarmuschek sagt: Nur etwa 15 Prozent der Berliner Galerien machen mehr als 500.000 Euro Umsatz im Jahr. Wer weniger schafft, muss schauen, wie er Miete, Personal und Künstler bezahlt.

Das Galeristen-Urgestein Gerd Harry "Judy" Lybke sagte 2014 im SPIEGEL-Interview: "Heute würde man seinem Kind raten, von zwei Sachen die Finger zu lassen, von Drogen und von Kunst."

Die Hauptstadt leidet am altbekannten Problem: Hier lebt keine gut situierte Unternehmerschaft wie im Rheinland oder Süddeutschland. Deswegen versuchen Kunsthändler, das Publikum mit Events wie der abc oder der Positions locken. Die Münchner Kunstberaterin Mon Muellerschoen sagt: "Noch sitzt das Geld in anderen Metropolen, aber immer mehr nationale und internationale Künstler, Galeristen und neuerdings auch Sammler zieht es in die deutsche Hauptstadt." Kristian Jarmuschek sagt: "In Berlin kann man auch mal ein Experiment wagen."

Sehr experimentell, das ist die aus einer Galerien-Initiative heraus entstandene abc Berlin, die zum siebten Mal in der Station, einem ehemaligen Bahnhof in Kreuzberg, stattfindet. Wie steht man hier zur Positions? Die Direktorin der abc, Maike Cruse, sagt: "Wir denken, dass alle Akteure der Berlin Art Week ihren Beitrag dazu leisten, dass dem kunstinteressieren Publikum ein breites Spektrum geboten wird."

Die abc hat sich als fester Termin etabliert, 111 Galerien mit 115 Werken sind dieses Jahr dabei. Besucher können die gezeigten Kunstwerke zwar kaufen, aber: "Die abc gleicht eher einer Ausstellung als einer klassischen Messe", sagt die Direktorin Maike Cruse. Man wolle gar nicht gleichziehen mit Hochglanz-Formaten wie der Art Basel oder der Frieze London.

Verschmierte Kunst

Statt klassischer Ausstellungsstände gibt es auf der abc eine Menge Platz für Installationen und Skulpturen. In einer Performance des berüchtigten Wiener Aktionskünstlers Hermann Nitsch im vergangenen Jahr schmierten Menschen auf der Ausstellungsfläche mit Tierkadavern, Blut und Obst herum.

Bei der abc zeigen die Großen der Stadt, was sie zu bieten haben: Johann König ist mit einer Installation aus Video und Skulpturen von Camille Henrot da, Sprüth Magers Berlin London zeigt unter anderem Nina Pohl, und die Galerien Kinzinger und Sies+Höke sind mit neuen Arbeiten von Jonathan Meese vertreten.

Die abc hat ihr Stammpublikum, wie den Kunstsammler Christian Boros, er ist Fan der abc. Während der Art Week ist auch seine 700 Werke umfassende Sammlung zeitgenössischer Kunst in einem ehemaligen Luftschutzbunker in Berlin-Mitte ohne Anmeldung zu besichtigen. In Berlin werde Kunst nicht nur verkauft, sondern auch wirklich produziert, sagt Boros.

Die Sammler würden von den vielen Künstlern und offenen Ateliers angezogen - das könne nicht jede Stadt bieten. Boros sagt: "Berlin ist der beste Galeriestandort der Welt, neben New York."

Positions Berlin  und Art Berlin Contemporary  bis zum 21.September in Berlin

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