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26. Oktober 2009, 15:22 Uhr

Berlin

Stadtschloss wird voraussichtlich erst 2016 fertig

Wer beim Berliner Stadtschloss auf Querelen baut, liegt richtig. Erst explodierten die Kosten, dann geriet der Architekt in Verruf. Jetzt wird auch zeitlich nachjustiert: Der Bau soll erst drei Jahre später als geplant fertig werden.

Berlin - Das Stadtschloss wird voraussichtlich drei Jahre später als ursprünglich geplant seine Pforten öffnen. Die Fertigstellung könne sich bis 2016 verzögern, sagte Baustaatssekretär Engelbert Lütke Daldrup am Montag. Ursprünglich sollte der Bau 2013 fertig sein.

Sicher wäre es auch bis 2014 zu schaffen, aber dann käme man unter Umständen bei den barocken Fassaden unter Zeitdruck, so Daldrup. Baubeginn werde im Herbst 2010 oder Frühjahr 2011 sein.

Daldrup begrüßte, dass die neue Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag an den Plänen zur Wiedererrichtung des Stadtschlosses festhält. In den Koalitionsverhandlungen soll es Überlegungen aus der Unions-Bundestagsfraktion gegeben haben, das Projekt um vier Jahre zu verschieben.

Die nun weiter entwickelten Planungen des Siegerentwurfes des italienischen Architekten Franco Stella sehen unter anderem eine erheblich vergrößerte Agora im sogenannten Eosanderhof vor. Es handele sich um einen großen, offenen Raum, in dem bis zu 1800 Stühle Platz hätten, sagte der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger. Die Agora sei "ein Dreh- und Angelpunkt" des Baus. Statt der bisher vorgesehenen Säulen sind jetzt offene Galerien geplant.

Noch nicht entschieden sei unter anderem die Form der Kuppel, sagte Lütke Daldrup, ein Extra, das ebenso wie historische Treppen oder Innenportale zusätzliche Kosten in Millionenhöhe nach sich ziehen würde.

Ohnehin werde die Rekonstruktion 480 Millionen Euro verschlingen, 32 Millionen kämen vom Land Berlin, 368 Millionen vom Bund und weitere 80 Millionen sollen über Spenden finanziert werden. Für die Erstausstattung gibt der Bund den Angaben zufolge noch einmal 72 Millionen Euro.

Auf Querelen gebaut

Unterdessen geht der Rechtsstreit mit dem im Wettbewerb unterlegenen Architekten Hans Kollhoff weiter. Dieser hat gegen die Vergabe des Projektes an seinen italienischen Konkurrenten Franco Stella geklagt.

Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat für den 2. Dezember eine öffentliche Verhandlung anberaumt. Das Gericht muss klären, ob der Vertrag mit Stella tatsächlich rechtswidrig ist, wie es die Vergabekammer des Bundeskartellamts entschieden hat. Unter anderem soll aufgeklärt werden, ob Stella die Teilnahmevoraussetzungen für den Architektenwettbewerb wirklich erfüllt hat.

Nach SPIEGEL-Informationen muss der italienische Architekt allerdings für diese Verhandlung einen neuen Anwalt mandatieren. Der Berliner Rechtsanwalt Michael Pietzker, der bislang in dieser brisanten Angelegenheit für Stella tätig war, vertritt diesen nicht mehr.

Das Humboldt-Forum soll - neben der Humboldt-Universität und der Zentral- und Landesbibliothek - von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz für die außereuropäischen Sammlungen genutzt werden.

Das teilweise kriegszerstörte Stadtschloss war 1950 auf Anweisung der damaligen DDR-Machthaber gesprengt worden, später entstand auf dem Areal der DDR-Prestigebau Palast der Republik, in dem unter anderem die DDR-Volkskammer tagte.

Bis Ende 2008 wurde das Gebäude auf Geheiß des Bundestags abgerissen.

can/AP/ddp

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