Fotostrecke

Fotostrecke: Wie damals unter Wilhelm

Foto: Milla & Partner

Streit um Einheitsdenkmal Es lebe der Kaiser

Berlin streitet um die Nutzung der Fläche vor dem Stadtschloss: Eigentlich sollte dort ein Denkmal für die Revolution von 1989 hin. Das wurde aus Kostengründen gestoppt, nun ist plötzlich Geld für ein ganz anderes Projekt da.

Die sogenannte "Schlossfreiheit" zwischen Spreearm und Schlosseingang war bisher als Ort für ein Freiheits- und Einheitsdenkmal vorgesehen, mit dem die friedliche Revolution von 1989 gewürdigt werden soll. Das hatte der Bundestag beschlossen. Längst gibt es dazu einen Entwurf, eine abgeschlossene Planung, eine Baugenehmigung und die notwendige TÜV-Zertifikation. Mit dem Bau sollte begonnen werden. Doch der Haushaltsausschuss hatte das 11-Millionen Projekt im vergangenen April überraschend gestoppt, angeblich weil es zu teuer war. Nun aber hat derselbe Ausschuss vor wenigen Tagen 18,5 Millionen bereitgestellt - allerdings für den Wiederaufbau von kaiserlichen Kolonnaden am selben Platz. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

"Ein Handstreich", kritisiert der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, SPD, "man kann seine Verachtung für die friedliche Revolution kaum deutlicher ausdrücken!" In einem offenen Brief an den Haushalts-, den Kultur- und den Medienausschuss des Bundestages gerichtet, beklagen Thierse, der Publizist Alfred Grosser, die Schauspielerin Hanna Schygulla, Rainer Eppelmann (CDU), Werner Schulz (Bündnis 90/Die Grünen) und andere Unterzeichner, unter ihnen zahlreiche ehemalige DDR-Bürgerrechtler: "Die plötzliche, weitgehend undiskutierte Umwidmung" ignoriere "in unzulässiger Weise die Tragweite und Bedeutung vorangegangener Festlegungen des Deutschen Bundestages".

Auf diesen Platz im Herzen Berlins gehöre nicht die Glorifizierung des Kaiserreiches, sondern ein Freiheitsdenkmal, das den historischen Wandel Deutschlands hin zu einer Demokratie demonstriere. 1848, 1918 und 1989 zogen hier revolutionäre Bewegungen vorbei. Im Übrigen dürfe der Beschluss eines Ausschusses keinen Plenarbeschluss aufheben.

Fotostrecke

Fotostrecke: Wie damals unter Wilhelm

Foto: Milla & Partner

Woran soll erinnert werden?

Auch Kulturstaatsekretärin Monika Grütters hatte jahrelang grünes Licht für das Freiheitsdenkmal gesehen und schon 2014 in einem Zeitungsinterview erklärt: "Alle Problempunkte sind jetzt beseitigt." Damit meinte sie umgesiedelte Fledermäuse , einen behindertengerechten Zugang und andere Bauvorbereitungen. " Ich bin froh", sagte sie damals, "dass jetzt der Durchbruch gelungen ist, der überarbeitete Entwurf soll doch zügig realisiert werden." Vor zwei Monaten sprach Grütters dagegen plötzlich "vom ergebnislosen Ringen" um das Denkmal und plädierte dafür, das ohnehin vorhandene Brandenburger Tor würde doch genügen.

Die ehemalige Vorsitzende der Stiftung Brandenburger Tor ignoriert dabei, sagen die Kritiker, nicht nur ihre eigenen bisherigen Aussagen im Kultur- und Medienausschuss, sondern auch die ihres Vorgängers Bernd Neumann, der 2011 zwei Wettbewerbe mit 920 Einreichungen für die Bundesregierung abschloss: "Mit dem beeindruckenden Entwurf des Freiheits- und Einheitsdenkmals", sagte Neumann, "ist eine moderne und zeitgemäße Form des Denkmals gefunden worden. Ich bin sicher, hier wird ein lebendiger Ort der Auseinandersetzung mit unserer jüngsten Geschichte geschaffen und damit eine Attraktion mitten in Berlin, gerade für junge Leute." Die Bewahrer des wilhelminischen Preußentums und die Verfechter einer Würdigung der friedlichen Revolution stehen sich unversöhnlich gegenüber.

Ob die jungen Touristen sich unter wilhelminischen Säulen treffen oder auf einer interaktiv sanft bewegenden Schale der Begegnung - der Streit darüber, woran an diesem zentralen Ort in Berlin erinnert werden soll, hat jetzt begonnen.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.