Berliner Intendanten-Gezänk Peymann bezeichnet Castorf als rechtsradikal

Wenn es darum geht, Themen skandalträchtig zuzuspitzen, stehen die Berliner Theaterintendanten in vorderster Reihe. Ein Beispiel gab jetzt Claus Peymann, der Chef des Berliner Ensembles: Er ortete seinen Kollegen Frank Castorf von der Berliner Volksbühne politisch ganz rechts außen.


Castorf-Inszenierung "Der Idiot": Theater mit Fernsehclips und Video
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Castorf-Inszenierung "Der Idiot": Theater mit Fernsehclips und Video

Berlin - Das zeige die jüngste Premiere an seinem Haus vom vergangenen Mittwoch, "Vater unser" von Ulrich Seidl unter dem Motto "Religion ist ein Anker". "Das ist das Ende dieses Theaters", meinte Peymann am Freitagabend in einer Podiumsdiskussion der Heinz-Schwarzkopf- Stiftung "Junges Europa" am Berliner Ensemble.

Vor überwiegend jungen Theaterbesuchern vor Beginn einer Aufführung seiner Inszenierung von Lessings "Nathan der Weise" sagte Peymann, Castorfs Weg in die Irre sei der Weg vieler Regisseure mit einer Theater-Paranoia, die meinen, ohne Fernsehclips und Video auf der Bühne nicht mehr auszukommen.

Die Folgen dieses Zynismus seien aber, dass man schließlich ganz rechts außen landet wie die Volksbühne mit der jetzigen Inszenierung. "Ich schätze den frühen Castorf sehr, aber ich konstatiere mit Entsetzen seinen Stillstand", meinte Peymann. "Er ist da gelandet, wo alle Zyniker immer landen - rechts außen."



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