Berliner Kulturpolitik Schindhelm bleibt - aber nicht lange

Michael Schindhelm will offenbar doch Generaldirektor der Berliner Opernstiftung bleiben - zumindest bis April 2007. Nachdem er zunächst seine fristlose Kündigung ausgesprochen hatte, habe sich Schindhelm mit Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit gütlich geeinigt.


Berlin - Michael Schindhelm hat seine außerordentliche Kündigung wieder zurückgezogen. Wie die Berliner Kulturverwaltung nach einer Sitzung des Stiftungsrates mitteilte, ende sein Vertrag somit nicht sofort, sondern vorfristig am 1. April 2007 statt 2010, wie ursprünglich festgelegt. Es hieß, beide Seiten hätten sich auf diese Lösung geeinigt. Allerdings sei eine Kündigung vor dem 1. April ohne Lohnfortzahlung im gegenseitigen Einvernehmen möglich.

In dieser Zeit soll Schindhelm seinen Nachfolger einarbeiten und sich in erster Linie seinem Konzept zur Reform der Opernstiftung widmen. Dazu gehöre sein Vorschlag, statt eines täglich wechselnden Repertoires, Aufführungen mehrere Tage oder Wochen hintereinander zu zeigen.

Wieder-Generaldirektor Schindhelm: Kündigung zurückgezogen
AP

Wieder-Generaldirektor Schindhelm: Kündigung zurückgezogen

Wie erst gestern bekannt wurde , hatte Schindhelm nach andauernden Querelen mit Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) seinen Job bereits am 10. November mit sofortiger Wirkung gekündigt. Eine kooperative und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Wowereit sei nicht mehr zumutbar, hatte er in seinem Kündigungsbrief geschrieben.

Schindhelm, der das Amt erst im April 2005 angetreten hatte, erhob zugleich schwere Vorwürfe gegen den Regierungschef. Dieser habe durch seine Äußerungen in den vergangenen Wochen die Stiftung und deren Generaldirektor in Frage gestellt. Wowereits Verhalten sei "Bossing", also Mobbing durch den Chef.

Hintergrund des Konflikts zwischen Schindhelm und Wowereit war, dass Schindhelm die Sparvorgabe des Senats für unrealistisch hielt, wonach die Zuschüsse bis 2009 um 16,8 Millionen Euro sinken sollen. Schindhelm hatte für eine zeitliche Streckung plädiert.

Nach der heutigen Sitzung des Stiftungsrates gab sich Schindhelm dennoch optimistisch. Er sei mit einer "vernünftigen Perspektive" für sein Konzept überzeugt worden, nicht sofort zu gehen. Mit Blick auf die weitere Zusammenarbeit mit Berlins Regierungschef sagte er, es gehe ihm um "die Sache". Auch Wowereit sei der Meinung, Berlin brauche weiterhin drei Opernhäuser. "Von daher sind wir in der Sache vielleicht gar nicht auseinander." Schindhelm geht zudem davon aus, dass sich auch sein Nachfolger an seinem Konzept orientieren werd.

Wowereit, der künftig auch das Kulturressort übernimmt und damit auch Vorsitzender des Stiftungsrates der Opernstiftung ist, bewertete den Rückzug Schindhelms als "persönliche Entscheidung". Zugleich kritisierte er, es zeige sich zunehmend, dass die Opernstiftung bislang "nicht ausreichend zur Lösung der grundsätzlichen Probleme beigetragen hat". Es sei aber das "erklärte Ziel des Senats, alle drei Opernhäuser zu erhalten".

Der Geschäftsführende Direktor des Deutschen Bühnenvereins, Rolf Bolwin, sagte, wenn ein so erfahrener Mann wie Schindhelm zurücktrete, zeige dies, wie schwierig die Situation sei. Bundestagsvizepräsidentin und Grünen-Kulturexpertin Katrin Göring-Eckardt nannte den Rücktritt "mehr als verständlich". Schindhelm habe die Unterstützung Wowereits gefehlt, "der offenbar nie ein echtes Interesse an einer Reform der Berliner Opernlandschaft hatte".

Schindhelms Pläne zur Neujustierung der Opernstrukturen sehen im Kern die Umbildung der Deutschen Oper vom Repertoire- zum Semi-Stagione-Betrieb vor. Der Stiftungsrat will, dass dieses Konzept vertieft wird. Auf der nächsten Sitzung am 29. November wollen sich Stiftungsrat und Vorstand detailliert damit befassen.

hoc/dpa/ddp



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