James-Simon-Galerie in Berlin Chipperfield-Bau macht Museumsinsel komplett

Endlich ist der Eingangsbereich der Museumsinsel fertig: Am Freitag öffnet die James-Simon-Galerie von Stararchitekt David Chipperfield. Der klassizistische Bau soll als Hauptportal der Museen dienen.

Neuer Empfangsbereich: Die James-Simon-Galerie
Lisa Ducret/ DPA

Neuer Empfangsbereich: Die James-Simon-Galerie


Am Freitag wird die neue James-Simon-Galerie auf der Berliner Museumsinsel eröffnet. Der klassizistische Bau dient als zentraler Eingangsbereich der fünf Museen mit Garderobe, Café und Museumsshop. Außerdem sollen auf der Nutzfläche von 4.600 Quadratmetern Ausstellungen und Aufführungen stattfinden. Realisiert wurde der Bau vom britischen Stararchitekten David Chipperfield, der auch schon das Neue Museum wieder aufbaute.

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Berliner Museumsinsel: Die neue James-Simon-Galerie

Mit der Galerie will die Stiftung preußischer Kulturbesitz die Bedeutung jüdischer Mäzene für die Entwicklung der Museumslandschaft in Deutschland betonen. James Simon (1851-1932) sei einer der ganz großen Mäzene gewesen, "die so unendlich viel für Kultureinrichtungen in Deutschland und eben auch in Berlin getan haben", sagte Stiftungspräsident Hermann Parzinger. Dem jüdischen Kunstmäzen verdankt das Neue Museum unter anderem die berühmte Büste der Nofretete.

Die Galerie soll die Museen zukünftig unterirdisch verbinden

Die James-Simon-Galerie ist im Prinzip eine Erweiterung des dahinter gelegenen Pergamonmuseums. Die Planung des Hauses verlief nicht ganz reibungslos: Chipperfield hatte bereits 1997 den Wettbewerb zum Neubau gewonnen, musste seine Entwürfe allerdings mehrmals überarbeiten. Weil die Baukosten des klassizistischen Neubaus anschließend deutlich überschritten wurden und die Fertigstellung sich um acht Jahre verzögerte, spotteten einige über den 134-Millionen-Euro-Bau als "teuerste Garderobe der Welt".

Dabei soll die Galerie direkt an der Uferkante des Spreekanals die Museen künftig auch über eine unterirdische Promenade verbinden. Diese archäologische Promenade soll zudem für Ausstellungen genutzt werden, die die Museen inhaltlich miteinander verknüpfen.

Zur Eröffnung soll auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kommen. Am Samstag ist ein Tag der offenen Tür für alle.

evh/dpa



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Papazaca 11.07.2019
1. Erinnert hoffentlich an den großen Menschen und Sammler James Simon
Moderner, formalistischer Bau, der gut zum Stil der Museumsinsel paßt. Die frühere Gründerbau-Architektur war auch nicht gerade der Hit. Die Hintergrundgeschichte Simons ist hingegen traurig und zeigt, was die Nazis alles angerichtet haben.
MichaelundNilma 11.07.2019
2. Ich würde es sehr begrüßen
Wenn man aufhören würde Mäzene und sonstige herausragende Persönlichkeiten aus Deutschland, nicht der Religion wegen zu ehren, sondern für die gute Tat. Dann wäre schon viel gewonnen. Wer eine Parkbank stiftet, dessen Religion wird ja auch nicht daneben geschrieben. Gut, ich gebe zu, der Vergleich hinkt, aber dennoch bin ich der Meinung, daß alle Stifter und Helfer gleichbehandelt werden sollten. Im Text wird ja auf mehrere Stifter hingewiesen. Es klingt sonst immer nach Wiedergutmachung und nicht nach Würdigung. Das wäre schade, denn James Simon hat das Museum einiges zu verdanken, auch ohne Religionszusatz. Es gibt auch in anderen Ländern, besonders Amerika, große Kunstmäzene. Deren Wirken wird jedenfalls nicht an der Religion festgemacht, sondern am Nutzen für die Allgemeinheit.
Papazaca 11.07.2019
3. Sorry, was für eine deplatzierte Bemerkung
Zitat von MichaelundNilmaWenn man aufhören würde Mäzene und sonstige herausragende Persönlichkeiten aus Deutschland, nicht der Religion wegen zu ehren, sondern für die gute Tat. Dann wäre schon viel gewonnen. Wer eine Parkbank stiftet, dessen Religion wird ja auch nicht daneben geschrieben. Gut, ich gebe zu, der Vergleich hinkt, aber dennoch bin ich der Meinung, daß alle Stifter und Helfer gleichbehandelt werden sollten. Im Text wird ja auf mehrere Stifter hingewiesen. Es klingt sonst immer nach Wiedergutmachung und nicht nach Würdigung. Das wäre schade, denn James Simon hat das Museum einiges zu verdanken, auch ohne Religionszusatz. Es gibt auch in anderen Ländern, besonders Amerika, große Kunstmäzene. Deren Wirken wird jedenfalls nicht an der Religion festgemacht, sondern am Nutzen für die Allgemeinheit.
Erstens, ich rede SPON nicht nach dem Mund, bin öfters anderer Meinung. Das Wort jüdischer Mäzen wurde einmal erwähnt, ich habe gar nicht darüber geschrieben. Erstens hat Simon keine Parkbank gestiftet, sondern sich sehr um die Museen und Deutschland verdient gemacht. Zweitens unterstellen Sie, das deutsche Juden als Juden agiert hätten. In der Regel war das Gegenteil der Fall. Die meisten waren- wie Einstein an Religion nicht interessiert. Sie suggerieren hier einen Kontext, der in diesem Fall nicht besteht. Was allerdings wahr ist: Viele unserer Besten waren Juden. Und Sie wurden benachteiligt, vertrieben und umgebracht. Und weil das so ist, ist ihre "ach so säkulare Sichtweise im Kontext eine Frechheit und schlimmer". im übrigen, weder bin ich ein großer Freund Israels noch ein Anhänger verordneter"politcal Correctnes". Nur ihr ach so "säkulare Ansatz" ist leider völlig daneben, aus Kalkül oder Nichtwissen, was letztlich egal ist.
michaelneiss 11.07.2019
4. Durchschnittliche Neubauten mit dem Charme einer öffentlichen Toilette
... sind das einzige, was dieser Chipperdale zustande bringt. Dieser Mann hat das Neue Museum für alle Zeiten versaut, welches vor seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg als Wunder von Berlin galt. Aber anstatt die Originalidéen des Architekten Stüler zu respektieren, hat Chipperdale eine durschschnittliche "kritische Rekonstruktion" hingerotzt, die man bereits zu Hauf in anderen deutschen Großstädten finden kann. Und dennoch applaudiert das pseudointellektuelle Bildungsbürgertum, das immer noch der Moderne fröhnt und dabei die faschistischen Wurzeln dieses Architekturstils verkennt. Der Irrglauben der Moderne, wonach sich "gute" Architektur immer nur vorwärts entwickeln darf, gilt in intellektuellen Kreisen bereits seit den 1980er Jahren als widerlegt. So zeigte man damals auf, daß der Modernitätskult unserer Architekten auf ein pseudobiologisches Denken zurückgeht, welches wiederum dem Sozialdarwinismus des 19. Jh. entstammt. Hier galten Rückfälle in die Vergangenheit als Degeneration. Ironischerweise lagen die Wurzeln von Faschismus und Nationalsozialismus in derselben Weltanschauung. Entgegen den Glaubenssätzen der Moderne unterliegt Architektur indes keinem biologischen Naturgesetz. Daher kann es auch nicht Aufgabe unserer Entscheidungsträger sein, den "Volkskörper" vor "ungebildeten" Rückfällen in die Vergangenheit zu bewahren. Leider ist diese Erkenntnis bislang nicht zu den Berliner Lokalpolitikern durchgesickert. Dies wiederum belegt einmal mehr, wie provinziell das geistige Klima in Berlin verblieben ist, trotz allen Jahren als Hauptstadt eines neuen Deutschlands.
Papazaca 11.07.2019
5. @ michaelneiss Krude Architekturkritik
Erstmal stellt sich die Frage, was für ein Stil Stüler realisierte. Ist jeder alte Bau per se eigenständig und das Maß aller Dinge? Was aber sehr auffällt: Sie halten sich nicht mit einer stilistischen Analyse auf sondern schwingen in Ihrer Abhandlung unablässig die rhetorische Keule. Eine Kostprobe: Öffentliche Toilette, dahingerotzt, pseudointellektuelles Bildungsbürgertum, Sozialdarwinismus, Degeneration, Faschismus, Nationalsozialismus, Volkskörper etc. Und das alles beziehen Sie unmittelbar oder mittelbar auf Chipperfield's Bau. Lustigerweise sind Sie noch nicht mal in der Lage, seinen Namen richtig zu schreiben. Der Mann heißt nicht Chipperdale sondern Chipperfield. Wenn man sich mit Architektur auseinandersetzt, sollte man in der Lage sein, Bauten stilistisch im Detail zu beurteilen. Das setzt Grundkenntnisse in der Architektur voraus. Das ist sehr viel mehr, als ein Schwall von sprachlichen Herabsetzung. Erstmal müßte ich den Bau sehen. Auf den ersten Blick ist es nicht unbedingt mein Fall, aber er paßt für mich zu den älteren Bauten, die ich übrigen nicht als große Architektur bezeichnen würde, sondern als einen historischen Stilmix, besonders im Innenausbau (ägyptische Säulen). Fazit: Architekt sind Sie wahrscheinlich nicht, dazu mangelt es Ihrer Kritik an fachlicher und stilistischer Substanz. Und Kulturtheoretiker noch weniger, bei diesem wahllosem Mix von Begriffen. Von Sprachgefühl will ich erst gar nicht reden. Über die gänzliche Abwesenheit von ironischer Distanz zu sich selbst und dem Mangel an Humor muß man sich deshalb auch nicht wundern.
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