Berliner Opernstreit Fusion oder Spekulation?

Bleibt Barenboim oder nicht - die Berliner Opernwelt redet sich die Köpfe heiß. Die Tagespresse spekuliert über eine Opernfusion. Nur der Kultursenat schweigt sich bislang aus.


Auf Reformkurs: Kultursenator Stölzl
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Auf Reformkurs: Kultursenator Stölzl

Berlin - Als "reine Spekulation" hat die Berliner Senatskulturverwaltung Berichte über eine Fusion der Staatsoper Unter den Linden und der Deutschen Oper unter der Gesamtleitung von Staatsoper-Intendant Daniel Barenboim zurückgewiesen. "Bisher gibt es noch keine Entscheidung über die zukünftige Struktur der drei Berliner Opernhäuser", sagte Kerstin Schneider, Sprecherin von Kultursenator Christoph Stölzl (parteilos). Stölzl werde erst nach Abschluss der Haushaltsberatungen im Senat mit Barenboim über seine weitere Arbeit in Berlin sprechen.

Als Teil des Berliner Sommertheaters hat der neue Intendant der Deutschen Oper, Udo Zimmermann, Spekulationen über eine mögliche Zusammenlegung der drei hauptstädtischen Opernhäuser bezeichnet. Außerdem habe Barenboim ihm gegenüber kein Interesse an einer Generalintendanz erklärt, sagte Zimmermann der "Sächsischen Zeitung".

Die Zeitung "Die Welt" hatte zuvor von einer angeblichen Zusammenlegung der Staatsoper und der Deutschen Oper im Jahr 2002 berichtet. Generalintendant der neuen Oper solle Barenboim werden, so das Blatt unter Berufung auf Senatskreise. Ob das gemeinsame Opernhaus dann nur noch über ein Orchester und einen Chor verfügen soll, sei bislang unklar.

Stölzl hatte Ende Juni dem Berliner Abgeordnetenhaus eine umfassende Reform der Berliner Bühnen vorgeschlagen. Darin war aus Spargründen auch eine organisatorische Zusammenlegung der drei Berliner Opern vorgeschlagen worden. Dazu gehörten ein gemeinsames Management sowie engere Absprachen beim Spielplan.

Die Staatskapelle Berlin sieht sich durch die Sparpläne des Berliner Senats in ihrem Bestand bedroht und fürchtet den Weggang Barenboims. Das geht aus einem am Sonntag veröffentlichten "Offenen Brief" des Orchester-Vorstands hervor. Darin wird unter anderem gefordert, den renommierten Dirigenten in der Stadt zu halten. Er habe Berlin mit der Staatskapelle - dem Orchester der Staatsoper - ein Spitzenensemble erhalten und namhafte internationale Dirigenten und Solisten in die Hauptstadt gelockt.

Barenboim macht die Verlängerung seines 2002 auslaufenden Vertrags von zusätzlichen zehn Millionen Mark für die Staatsoper abhängig. Der Berliner Senat hatte in seinem am Wochenende verabschiedeten Haushaltsentwurf für 2001 hingegen weitere Kürzungen im Kulturbereich beschlossen. Barenboim soll das geforderte Geld nicht erhalten.

Die Staatskapelle verweist in ihrem Schreiben darauf, bereits 29 Stellen abgebaut und seit 1997 jährlich 2,5 Millionen Mark eingespart zu haben. Nun müsse die 1991 gegebene Zusage der Politik eingelöst werden, die Berliner Staatsoper in gleichem Umfang wie die Opernhäuser in München und Wien zu fördern.

In dem Offenen Brief wenden sich die Verfasser auch gegen eine schrittweise Zusammenführung mit anderen Berliner Orchestern. Diese würde für die Staatskapelle den "Verlust ihrer unverwechselbaren Identität" bedeuten.



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