Berliner Söhne "Wir sind beide Dickköpfe"

Mit 50 Jahren kann sich Iris Berben immer noch der Verehrung der Männerwelt gewiss sein. Aber auch der ihres Sohnes Oliver, einem erfolgreicheren Film- und Fernsehproduzenten, unter dessen Co-Regie die Schauspielerin als "Teufelsweib" die Hüllen fallen ließ.

Von Harriet Dreier


"Am Anfang hilft der Name, in bestimmte Kreise zu kommen. Die Schwierigkeit ist jedoch, sich dort zu halten. Die Leute gucken doppelt so scharf, wenn man aus einer bekannten Familie kommt. Ich habe meine Konzentration darauf gelegt, mich über meine Projekte identifizieren zu lassen", erzählt Oliver Berben. Längst hat sich der 29-Jährige vom Rockzipfel der berühmten Mutter gelöst. Vor fünf Jahren hat "Moovie - The Art of Entertainment" mit drei Leuten angefangen, seit 1999 steht seine Firma mit einer 51-prozentigen Beteiligung des Münchner Filmverleihs Constantin auf sicheren Füßen. Heute arbeiten in dem Unternehmen zwölf fest Angestellte und phasenweise bis zu 100 Mitarbeiter. Auch Mutter Berben kommt zu Projektbesprechungen nach Berlin. "Ich arbeite häufig mit meiner Mutter zusammen. Beim 'Teufelsweib' habe ich sogar Regie geführt - das war merkwürdig. In meiner Arbeit als Produzent sehe ich sie aber ohnehin nur in den Mustern - dann ist sie für mich die Figur, nicht die Mutter," so der Filius.

Die Berbens sind inzwischen ein gut funktionierender Familienbetrieb: Der Produktionsvertrag für die Krimiserie "Rosa Roth" wurde bis 2003 verlängert, und mit dem im letzten Jahr abgedrehten "Teufelsweib" konnte der Clan seinen ersten Sat-1-Film verbuchen. Kracht es bei so viel Familienbande nicht gelegentlich? Der Jungproduzent lächelt: "Wir sind beide Dickköpfe und sehr stur. Nach einem Drehtag gibt es schon mal Auseinandersetzungen, weil wir beide immer sagen, was wir denken. Im Prinzip läuft es aber genau wie mit anderen Schauspielern - auch bei den Verhandlungen."

Gerade hat Oliver mit den Dreharbeiten zu seinem ersten Kinofilm begonnen: "Sass - Die Meisterdiebe" mit Ben Becker und Jürgen Vogel als die berüchtigten Berliner Einbrecher-Brüder der zwanziger Jahre. "Ich bin wahnsinnig froh diesen Film in und für Berlin zu machen. Berlin ist für mich eine der schönsten Städte auf der Welt - mit Paris und New York vergleichbar. " Die Liebe zur Spreemetropole teilt er mit seiner Mutter, die hier eine Wohnung hat. "Sie mag die Stadt sehr. Ich glaube, sie fühlt sich von Berlin stärker angezogen als von München."

Regie bei dem Berliner Gangsterstreifen führt Carlo Rola, seit 18 Jahren Haus-Regisseur von Iris Berben, und der kreative Part von "Moovie". Er war es auch, der den Berben-Sprössling für den Film begeisterte. Eigentlich hatte Oliver an der Berliner TU Luft- und Raumfahrtechnik studiert und in den Semesterferien als Kaffeeholer, Kabelträger und Fahrer bei dem Regisseur auf dem Set gejobbt - um von seiner Mutter finanziell unabhängig zu sein.

Nachdem Berben dann 1995 bei der Serie "Die Stadtindianer" für einen gefeuerten Regieassistenten ("Er flog wegen Überbegabung raus") einsprang, ließ ihn das Filmfieber nicht mehr los und er hängte sein Studium endgültig an den Nagel. Dabei hatte der dunkelhaarige junge Mann nie von einer Filmkarriere geträumt: "Ich hatte ja an meiner Mutter gesehen, dass man dauernd unterwegs ist und dass der Beruf einsam macht, weil man kaum Zeit für die Familie hat. Als ich den Beruf dann hinter der Kamera kennen lernte, hat mir das sehr gefallen. Man arbeitet sehr eng mit seinem Team zusammen - das ist dann auch eine Art Familie."

Mittlerweile ist der Junggeselle selbst ständig unterwegs, ein 18-Stunden-Tag ist keine Seltenheit. Was ist aus der Abneigung gegen das Jet-Set-Leben geworden? "Ich muss meine frühere Meinung revidieren. Ich bin gerne unterwegs, auch in Hotels. Ich mache keinen Urlaub, weil meine Arbeit für mich gleichzeitig Freizeit ist." Und weil er von letzterer anscheinend immer noch zu viel hat, eröffnet er demnächst mit seinem Ziehvater Gabriel Lewy in München das Café "Odeon" - als "zweites Standbein und geistige Ablenkung".



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