Berliner Stadtschloss Die Kuppel kommt, bestimmt!

Schlossbefürworter und andere Freunde des historisierenden Hauptstadt-Panoramas können aufatmen: Beim Wiederaufbau der Hohenzollern-Residenz scheint zumindest eine schlichte Kuppel gesichtert. Zudem will Architekt Franco Stella die Veranstaltungsräume ans Tageslicht holen.

Architekt Franco Stella: Ostseite in Beton
dapd

Architekt Franco Stella: Ostseite in Beton


Hamburg/Berlin - Kaum ein Zitat kennt der von der Weimarer Klassik bewegte Bundesbürger besser als Goethes letzte Worte: "Mehr Licht!" Auch Franco Stella, 68, mit dem Wiederaufbau der hauptstädtischen Hohenzollern-Residenz betrauter Italiener, scheint sich in die deutsche Geistesgeschichte eingearbeitet zu haben.

Als der Architekt am Mittwochabend in Berlin die überarbeiteten Entwürfe für das Stadtschloss präsentierte, wurde bekannt: Die Veranstaltungsräume sollen, anders als in Stellas ursprünglichem Wettbewerbsentwurf, nicht mehr in den Keller verlegt werden. Sie kommen ans Tageslicht. Klug von ihm. Wer muss bei dem Wort Keller in diesem Land nicht an Bürgerbräukeller denken - und wohin das führte, weiß man. Zuletzt war das Schloss kaputt.

Jetzt aber soll es in seiner historischen Gestalt bis 2019 wiedererrichtet werden. Der Baustart ist für 2014 vorgesehen, drei Jahre später als ursprünglich geplant. Der Bund hatte aus Spargründen den auf 552 Millionen Euro geschätzten Bau auf Eis gelegt. Die Kosten waren 2007 errechnet worden. Nach neueren Schätzungen könnten sie allerdings die Summe von 600 Millionen übersteigen.

Im Vergleich zur Wettbewerbsplanung sollen im Erdgeschoss unter anderem ein Empfangssaal und ein Restaurant entstehen. Im so genannten Eosanderhof sollen die historischen Fassaden, anders als ursprünglich von Stella geplant, nicht wieder aufgebaut werden. Dafür aber die Kuppel, von vielen Schlossbefürwortern offenbar als herzerwärmende Bereicherung des Hauptstadtpanoramas empfunden: Ihr Bau sei fest vorgesehen, wenn auch in schlichter Form, teilte die zuständige Stiftung Berliner Schloss mit. Fraglich sei momentan allerdings noch, ob die schmückenden Elemente private Finanziers fänden. Sonst wird es wohl eine Arme-Leute-Kuppel.

Der Bund trägt 440 Millionen Euro, 32 Millionen das Land Berlin, die restlichen 80 Millionen sollen durch Spenden hereinkommen. Am 8. Juni will der Stiftungsrat endgültig über das Projekt entscheiden, anschließend wird es den Baubehörden zur Genehmigung vorgelegt.

Nach Stellas Plänen werden an drei Seiten die Originalfassaden des preußischen Baumeisters Andres Schlüter neu entstehen. Im Inneren werden Teile des Schlüterhofs ihre barocke Gestalt zurückerhalten. Die Ostseite in Richtung Spree wird als moderne Fassade in Beton gebaut. Im Humboldtforum sollen die Sammlungen außereuropäischer Kulturen der Berliner Museen, die Humboldt-Universität und die Berliner Landesbibliothek ihren Platz haben.

Die Barockfassade werde keine Attrappe sein, betonte Stella, sondern wie im Original mit den gleichen Materialien und Formen gebaut werden. Der Vorsitzende der Schloss-Stiftung, Manfred Rettich, sagte, das Projekt sei im Kostenrahmen. Nun müsse es vom Stiftungsrat beschlossen werden. Danach kommt es vor den Haushaltsausschuss des Bundestages.

Mit seinem Entwurf für den Original-Wiederaufbau hatte sich Stella in einem internationalen Wettbewerb durchgesetzt. Der Bundestag hatte sich mehrheitlich für den Wiederaufbau ausgesprochen. Das Schloss war im Krieg beschädigt und in der DDR 1950 gesprengt worden. In den siebziger Jahren entstand an dem Ort der Palast der Republik, in dem die DDR-Volkskammer ihren Sitz hatte. Der Palast wurde inzwischen ebenfalls abgerissen.

sha/dpa



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