Berufungsverfahren Springer muss Eva Herman entschädigen

Rede und Recht: In zweiter Instanz hat das Gericht der TV-Moderatorin 25.000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen. Außerdem muss der Springer-Verlag öffentlich klarstellen, ihre Äußerung über die NS-Zeit verfälscht dargestellt zu haben.


Köln - Eva Herman kann sich endlich mal über einen juristischen Sieg freuen: Der Axel-Springer Verlag darf die Moderatorin und Autorin nicht weiter falsch zitieren, sie habe den Nationalsozialismus in Teilen gutgeheißen, entschied das Oberlandesgericht (OLG) Köln am Dienstag.

Endlich mal wieder ein Erfolg: Eva Herman gewinnt gegen Springer
ddp

Endlich mal wieder ein Erfolg: Eva Herman gewinnt gegen Springer

Das von Springer verlegte "Hamburger Abendblatt" hatte geschrieben, Eva Herman habe gesagt, "die Wertschätzung der Mutter" sei zur NS-Zeit besser gewesen. Die Moderatorin sah sich mit dem Zitat als Sympathisantin der NS-Familienpolitik verunglimpft und hatte auf Unterlassung und Zahlung einer Geldentschädigung geklagt.

Auch der finanziellen Forderung gab das OLG statt: Springer muss ihr wegen "schwer wiegender Persönlichkeitsverletzung" 25.000 Euro zahlen. Außerdem muss der Verlag in einer weiteren Veröffentlichung die Herman zugeschriebenen Äußerungen richtig stellen.

Die Ex-"Tagesschau"-Sprecherin hatte im September 2007 ihr Buch "Das Prinzip Arche Noah - warum wir die Familie retten müssen" vorgestellt. Nach eigenen Angaben hat Herman sowohl bei der Pressekonferenz als auch bei anderen öffentlichen Auftritten stets deutlich gemacht, dass sie den Nationalsozialismus verabscheue.

Die Richter des OLG gaben - wie schon in der Vorinstanz das Landgericht Köln - im Wesentlichen der Moderatorin Recht. Das Zitat, das ihr in den Mund gelegt worden sei, sei falsch und entspreche nicht dem tatsächlich von ihr Gesagten. Es habe sich um "eine Interpretation" ihrer bei der Pressekonferenz gemachten "mehrdeutigen Äußerung" gehandelt. Dadurch erscheine sie in negativem Licht, da letztlich der Unrechtscharakter des NS-Regimes bagatellisiert werde.

Für die weiteren beruflichen und privaten Auswirkungen Hermans sei aber nicht allein der Springer-Verlag verantwortlich zu machen, befanden die Richter. Eine Revision gegen das Urteil wurde nicht zugelassen. Der Verlag kann binnen eines Monats beim Bundesgerichtshof eine Nichtzulassungsbeschwerde erheben. Man wolle über das weitere Vorgehen aber erst entscheiden, wenn die Urteilsbegründung vorliegt, sagte ein Sprecher.

Zuletzt war Herman vor wenigen Monaten mit einer Klage gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber NDR gescheitert. Der Norddeutsche Rundfunk, für den sie 20 Jahre lang tätig gewesen war, hatte sie inmitten des Skandals um ihre umstrittenen Äußerungen entlassen. Über ein Jahr prozessierte sie vergebens, um ihren Job zurückzubekommen. In der Illustrierten "Bunte" erklärte Eva Herman im Juni, eine Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesarbeitsgericht in Erfurt eingereicht zu haben.

can/dpa/AP



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