Besetzte Häuser geschlossen Der Duisburg-Effekt kommt ins Gängeviertel

Seit über einem Jahr halten mehr als 200 Aktivisten das historische Gängeviertel in der Hamburger Innenstadt besetzt - bislang mit Billigung der Behörden. Doch jetzt droht Ärger: Ein Bezirkspolitiker hat zwei Gebäude schließen lassen - mit Verweis auf die Love-Parade-Katastrophe.
"Politischer Angriff, bürokratisch getarnt": Besetztes Gängeviertel in Hamburg

"Politischer Angriff, bürokratisch getarnt": Besetztes Gängeviertel in Hamburg

Foto: A3833 Bodo Marks/ dpa

Verschlossene Türen im Hamburger Gängeviertel: Am Donnerstag vergangener Woche hat der zuständige Bezirk Mitte verfügt, dass zwei der zwölf Häuser nicht mehr betreten werden dürfen. Bezirksamtsleiter Markus Schreiber (SPD) führt als Grund an, dass die Sicherheit der Besucher dort nicht gewährleistet sei. "In den oberen Stockwerken besteht in einigen Räumen Einbruchsgefahr", erklärte Schreiber im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE und setzt die Maßnahme in Zusammenhang mit der Love-Parade-Katastrophe: "Ich möchte am Ende nicht in der Position von Duisburgs Bürgermeister Sauerland sein."

Die Besetzer halten diese Begründung für vorgeschoben und sprechen von einem "politischen Angriff, der sich bürokratisch tarnt". In einem offenen Brief greift die Initiative Bezirkschef Schreiber scharf an. Die Initiative habe die Häuser winterfest und benutzbar gemacht und mit der Stadtentwicklungsbehörde ein Sanierungskonzept erarbeitet, das kurz vor der Fertigstellung stehe. Jahrzehntelang habe sich die Stadt nicht um die Gebäude gekümmert und Menschen zugemutet, unter unwürdigen Umständen dort zu wohnen. "Und nun soll es plötzlich zu riskant sein, sie auch nur zu betreten? Im Gegenteil: Das Gängeviertel steht weitaus besser da als noch vor einem Jahr. Und zwar dank uns, nicht dank Ihnen."

"Sie machen mit Angst Politik"+

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Ein Jahr Gänge-Besetzung: "Wir hatten ganz schön Herzklopfen."

Foto: A3576 Maurizio Gambarini/ dpa

Die Tragödie von Duisburg habe mit dem Gängeviertel nichts zu tun. "Sie machen mit Angst Politik", heißt es in dem offenen Brief. Die Verfügung des Bezirks bewerten die "Komm in die Gänge"-Aktivisten als Versuch von Schreiber, sich "politisch zu profilieren".

Tatsächlich hatte der SPD-Politiker bereits in der Vergangenheit versucht, am schwarz-grünen Hamburger Senat vorbei mit dem Gängeviertel Politik zu machen. So hatte er zwei Monate nach der Besetzung einen "runden Tisch" einberufen, den der Hamburger Senat dann wieder abgesagt hatte.

Bei den vom Bezirk geschlossenen Häusern handelt es sich um ein Fabrikgebäude aus dem Jahre 1903, in dem einst Gummi-, Metall- und Holzwaren hergestellt wurden, sowie eine ehemalige Druckerei. Beide Gebäude dienen seit der Besetzung als Veranstaltungsorte für Konzerte, Ausstellungen, Diskussionen, Theater- und Filmaufführungen.

Gängeviertel-Sprecherin Christine Ebeling verweist darauf, dass ein zu Rate gezogener Prüfstatiker die Sicherheit der Veranstaltungsräume in den Erdgeschossen bestätigt habe. "Wir sind seit Monaten dabei, Mängel zu beheben und unsere Besucher zu schützen", heißt es in dem offenen Brief an Schreiber. Statt das Projekt zu sabotieren, solle der Bezirk lieber dabei helfen, die Schäden zu beseitigen.

Die beiden nun geschlossenen Gebäude seien "das gemeinschaftliche, kulturelle und politische Herz des Gängeviertels", ohne sie können das Projekt nicht weiter betrieben werden, erklärt die Initiative "Komm in die Gänge" und kündigt an, die Häuser zum "Tag des Denkmals" an diesem Wochenende wieder zu öffnen: "Seien Sie sich sicher: Die Denkmäler im Gängeviertel werden offen sein", schreiben die Besetzer.

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