S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle Das schreiben die? Really?

Gerade noch schrieb unsere Kolumnistin, dass der Springer-Verlag nicht mehr der Springer-Verlag sei. Dann wurde Gina-Lisa Lohfink vor Gericht als Hure beschimpft. Laut "Welt" lag das an ihren Brüsten.

Gina-Lisa Lohfink mit Anwälten
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Gina-Lisa Lohfink mit Anwälten

Eine Kolumne von


Herzlich willkommen zum medialen Wochenrückblick am Sonnabend. Wie immer sitze ich mit meinem Labrador Rittmeister in meiner Bibliothek, die alle Bände des Kanons, die irgendwer mal festgelegt hat, enthält, streiche mit der rechten Hand über die Gesamtausgaben großer Deutscher Schriftsteller, männlich, ha, das wollen wir erst mal sehen, den weiblichen Thomas Mann, und mit der anderen spiele ich am Widerrist meines treuen Freundes. Was war denn so los. Der Blick auf die Bestsellerliste des SPIEGEL - oh ein neues "Das wird man ja wohl noch sagen dürfen"-Buch. Peter Hahne: "Finger weg von unserem Bargeld."

Woran sich dieser erfolgreiche Denker wohl abarbeitet. Geht es gegen die Kirche? Den Mietwucher? Fordert der wackere Mensch freie Kinderbetreuung, damit Frauen die Lücken der Volkswirtschaft schließen und Karriere machen können? Oder geht es gegen die Regierung? Chemtrails, Verschwörung, Entmündigung, ist der Irrsinn noch zu retten oder dergleichen?

Wie einfach es sein könnte, heute die Haushaltskasse mit irgendeinem Stuss-Bestseller aufzubessern. Sagen wir: Genderirrsinn, Ausländer, die da oben - wir da unten, oder Bürgersteige, die nach Menschenbeinen schnappen. Ein Angstthema findet sich immer. Stets geht es nie um die wirkliche Bedrohung des männlichen Mittelstands, denn wer vergeudet seine Zeit sonst, um Stunden zu lesen, was man auf Demos in einer Minute hören kann. Obwohl - da viele Slogans dort eher gegrunzt werden, muss man die Zeit wohl investieren, um ein Checker zu sein.

Weiter geht es. Das Grundeinkommen in meiner süßen Heimat (Schweiz) ist abgelehnt worden. Außer dort, wo die Anarchisten wohnen, die Sache war wohl zu utopisch für die meisten Menschen, die immer noch an den Wert ihrer Arbeit glauben, und Konzerne weniger fürchten als hier und da die Aufmischung des Neoliberalismus mit einer kleinen kommunistischen Idee. Warten wir mal ab, wie die Sache in zehn Jahren aussieht, ob die siebzig plus Prozent dann immer noch denken: "Lieber bin ich von meiner Firma abhängig, als vom Staat."

Und hier - "Die Welt". Warum nicht, habe ich doch gerade erst gütig geschrieben, dass Springer auch nicht mehr Springer ist, also schauen wir mal.

Und halten kurz inne - "Sie hat sich die Brüste vergrößern und die Lippen aufspritzen lassen. Kann man einer wie ihr die Rolle als argloses Opfer tatsächlich abkaufen?"

Das schreiben sie? Really? Okay. Ich nehme alles zurück. Springer scheint doch noch Springer, denn ohne auf den konkreten Fall eingehen zu wollen, denke ich verwundert, dass die "Welt" mit diesem Satz wohl sagen will, dass jede Frau mit Brustimplantaten selbst schuld ist, wenn sie bei einem Gerichtstermin von einigen jungen Männern, die die Empathie, eventuell den IQ eines Nudelholzes haben, als Hure bezeichnet wird.

Vor der Erfindung des Idiotenfernsehens wäre Frau Lohfink möglicherweise Floristin geworden. Dank der Medien, die sich die Verzweiflung des Individuums, nicht gesehen zu werden, in einer Zeit, in der alle nur noch schreien, zunutze machen, um menschenverachtende Mistformate zu füllen, ist sie jetzt halt irgendwas, das aber auch keinem wehtut. Und wird damit zum medialen Freiwild, dem die Konsumenten genüsslich beim Sterben zusehen dürfen. Selbst schuld. Wir alle. Und damit einen friedlichen Sonntag.



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Seite 1
karamelltaler 11.06.2016
1. toll und mal wieder treffend formuliert
Vielen Dank
radioactiveman80 11.06.2016
2. Aha
Frau Berg glaubt also (wieder mal), dass natürlich "die Männer" den IQ eines Nudelholz besitzen, während Frau Lofink als falsch verstandene Intelligenzbestie selbstverständlich nur durch die bösen Medien zum Dummchen gemacht wurde. Schon klar. Dass die junge Dame bewusst und mit voller Absicht um der PR willen, sämtliche Selbstachtung aufgebend, die halbe Gesellschaft mit ihrer Daueräsenz im Assifernsehen über nahezu 10 Jahre genervt hat, wird gerne ignoriert - damit die Message rüberkommt. Nix neues im Hause Berg. Kapital blöd, Männer blöd, Springer blöd, Frauen arm dran. Langweilig.
vandertheken 11.06.2016
3. scheuklappen
ich kann wirklich nicht verstehen, wie man auch nur in Erwägung ziehen kann, dass dieses Video freiwillig entstanden sei. Und es war nicht einmal ein männlicher Richter. bei der Welt scheint wohl der Gedanke vorzuherrschen, wenn es ein Richter entschieden hat kann es nicht falsch sein.
catcargerry 11.06.2016
4. Die Berg kneift
Sonst immer gerne Schwanz-ab-Kolumnistin, missbraucht Känguru Sybille Berg den Fall Lohfink, in dem es einmal angebracht wäre, um die Weltanschauung des Chronik-Kängurus breitzutreten.
klogschieter 11.06.2016
5. Eine Frage der Perspektive
Tja, Springer ist also doch noch Springer. Ich fall vom Glauben ab. Interessanter ist die Frage, wie es der Kolumnistin fälschlich widerfahren konnte zu glauben, Springer sei NICHT mehr Springer. An Springer liegt es ja offensichtlich nicht. Die Antwort findet sich im letzten ginalisalohfinkartikel, den Spiegel Online veröffentlichte, bevor Sybille Berg über ginalisalohfink schrieb. Ist ganz leicht zu finden, dieser Artikel, seine Veröffentlichung ging Frau Bergs Beitrag nur wenige Minuten voraus. Wenn Sie kurz Zeit haben, Frau Berg, lesen Sie doch mal kurz rein, hat schließlich ein Kollege verfasst. Wie es da so tongue-in-cheek-mäßig süffisant aus jedem Wort rausschleimt und -schmiert, also da brat mir einer einen Storch, da muss der von der BILD aber lange üben, bis er es vielleicht auch mal hinkriegt, so frauenfeindlich und widerlich daherzukommen, ohne allzu offensichtlich frauenfeindlich und widerlich zu sein. Immerhin gönnt sich Ihr Kollege, Frau Berg (oder ist es gar eine Kollegin? Ich habe nicht auf den Namen geachtet) die gönnerhafte Feststellung, dass ginalisalohfinkhashtag IMMERHIN gegen ihren Willen beim Sex gefilmt wurde und dass diese Filmchen IMMERHIN interessierten Personenkreisen zur Triebstauabfuhrerleichterung zur freien Verfügung gestellt wurden. Immerhin gegen den Willen der gegen ihren Willen beim Sex gefilmten Frau. Fällt jetzt der Groschen, warum man manchmal den Eindruck kriegt, Springer sei nicht mehr Springer?
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