Beutekunst Ausfuhrgenehmigung für Bremer Zeichnungen erteilt

Nach sieben Jahren Ungewissheit hat das russische Kulturministerium am Freitag offiziell die Ausfuhr von 101 Zeichnungen erlaubt, die im Zweiten Weltkrieg aus der Bremer Kunsthalle nach Russland verschleppt worden waren.


Moskau - Kulturminister Michail Schwydkoi übergab Kulturstaatsminister Michael Naumann und dem Bremer Bürgermeister Henning Scherf die Ausfuhrgenehmigung für die Werke, die seit 1993 in der Deutschen Botschaft in Moskau lagern. Die Bremer Zeichnungen, darunter Werke von Dürer und Toulouse-Lautrec, werden noch am Samstagabend nach Deutschland gebracht.

Am Samstag werden Naumann und Scherf im Gegenzug im Katharinenpalast in St. Petersburg ein in Deutschland aufgetauchtes Mosaik und eine Kommode aus dem legendären Bernsteinzimmer im Beisein des neuen russischen Präsidenten Wladimir Putin zurückgeben.

Zu der Ausfuhrgenehmigung für die Zeichnungen sagte Schwydkoi: "Das ist nicht nur eine Geste des guten Willens, sondern die Wiederherstellung der historischen Gerechtigkeit." Dies sei der "Beginn einer neuen Etappe in der kulturellen Zusammenarbeit", die nicht nur Beutekunst umfasse.

Die Bremer Zeichnungen fallen nicht unter das Restitutionsgesetz der Duma, das die auf Befehl des sowjetischen Militärkommandos aus Deutschland verschleppte "Beutekunst" zum Eigentum Russlands erklärt. Der russische Offizier Pjotr Barykin hatte die Werke eigenmächtig nach dem Krieg nach Russland gebracht und 1993 der Deutschen Botschaft übergeben. Schwydkoi gab nach jahrelanger Geheimhaltung im russischen Fernsehen erstmals den Namen des Offiziers preis.



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