Bezahlangebot Murdoch bastelt iPad-Zeitung

Eine neue Zeitung soll die Medienlandschaft in den USA aufmischen: Rupert Murdoch will offenbar noch dieses Jahr ein kostenpflichtiges Angebot nur für digitale Lesegeräte starten. Besonders schmissige und kurze Artikel sollen Abonnenten anlocken.

Medienmogul Murdoch: Glaubt an eine Zukunft voller zahlungswilliger iPad-Nutzer
AFP

Medienmogul Murdoch: Glaubt an eine Zukunft voller zahlungswilliger iPad-Nutzer


Endlich, endlich sollen Konsumenten für Nachrichten wieder Geld bezahlen: Der Medienunternehmer Rupert Murdoch plant offenbar ein neues digitales Nachrichtenangebot für Leser in den USA. Das berichten "Los Angeles Times" und "Financial Times". Das kostenpflichtige Angebot soll sich speziell an Nutzer von Tablet-Computern wie Apples iPad und Smartphones richten.

Besitzer solcher Geräte können allerdings schon jetzt speziell auf kleinere Bildschirmgrößen optimierte Angebote bekannter Medienhäuser nutzen - komplett kostenlos. Um gegen die Flut der Gratis-Angebote zu bestehen, will der konservative Medienzar Murdoch demnach auf besonders schmissige und kurze Artikel setzen, die sich in kurzer Zeit lesen lassen. Ende des Jahres könnte der neue Bezahldienst starten.

Verantwortlich für die Nachrichtenoffensive soll dem Bericht zufolge Jesse Angelo von Murdochs "New York Post" sein, dessen Redaktion gleich mit eingespannt werde. Auch der konzerneigene Nachrichtendienst "Dow Jones" soll Nachrichten zuliefern. Zusätzlich könnten mehrere Dutzend Redakteure für das neue Angebot arbeiten. Im Gegensatz zur Finanzzeitung "Wall Street Journal", die ebenfalls Murdoch gehört und im Internet gegen Bezahlung abrufbar ist, soll eine möglichst breite Leserschaft angesprochen werden.

Große Hoffnung in schlanke Lesegeräte

Murdoch setzt große Hoffnungen in die Tablet-Computer: Anfang August hatte der 79-Jährige gegenüber den Investoren seiner Firma Newscorp gesagt, dass er hunderte Millionen Nutzer der flachen Lesegeräte auf der ganzen Welt erwarte. "Wir werden junge Menschen Zeitung lesen sehen", zitiert ihn die "Los Angeles Times".

In den USA keine Selbstverständlichkeit: Der Zeitungsmarkt ist in den vergangenen Jahren immer stärker unter Druck geraten, etliche Regionalblätter wurden bereits eingestellt. Grund sind sinkende Anzeigenerlöse und eine schwindende Leserschaft. Die klickt verstärkt kostenlos im Netz - wo die Werbeerlöse aber bisher nicht ausreichen, um die Redaktionen in gewohnter Stärke zu finanzieren.

Nur zögerlich setzen die amerikanischen Verleger auf Bezahlangebote im Internet. Lange Zeit galt es als nahezu aussichtslos, für Nachrichten im Web Geld verlangen zu können. Murdoch ist einer der wenigen, die schon länger davon überzeugt sind, dass Nachrichten auch im Netz kostenpflichtig sein sollten. In Großbritannien hat er seine "Times" bereits hinter einer Bezahlmauer versteckt.

Mit dem neuen Angebot - eine digitale Zeitung für die USA - macht Murdoch der "USA Today" und der "New York Times" Konkurrenz. Vor allem auf letztere hat er es abgesehen: Schon dass er 2007 das "Wall Street Journal" ("WSJ") übernommen hat, galt als Kampfansage. Wenig später startete das "WSJ" einen Regionalteil für New York.

ore



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