"Big Brother"-Skandal Kandidatin schämt sich für rassistische Äußerungen

Späte Einsicht: Die wegen ihrer rassistischen Äußerungen aus der britischen "Celebrity Big Brother"-WG gewählte Kandidatin Jade Goody schämt sich für ihre verbalen Entgleisungen gegenüber der indischen Schauspielerin Shilpa Shetty.


London - 82 Prozent der Zuschauer hatten am Freitagabend für den Rauswurf Goodys gestimmt. Heute bekannte sie in einem Interview mit der Zeitung "News of the World", sie habe sich gegenüber Shetty als rassistische Tyrannin verhalten. Ihr Verhalten in der Sendung sei der größte Fehler ihres Lebens gewesen, sagte die 25-Jährige unter Tränen. "Ich bin keine Rassistin, aber ich habe mich rassistisch geäußert", sagte die frühere Zahnarzthelferin. "Shetty war ein Opfer des Mobbings und des Rassismus", sagte Goody. "Es war mein Fehler, dass ich nicht genug über die Kulturen anderer Menschen wusste."

Reuige Kandidatin Goody: "Ich bin keine Rassistin"
AP / Channel 4

Reuige Kandidatin Goody: "Ich bin keine Rassistin"

Die rassistischen Ausfälle Goodys und weiterer "Celebrity Big Brother"-Teilnehmer gegen Shetty hatten zu heftigen Diskussionen in Großbritannien geführt. Goody hatte den Bollywood-Star zusammen mit der ehemaligen Miss Großbritannien, Danielle Lloyd, und dem Ex-Popsternchen Jo O'Meara fast täglich gemobbt. Sie nannten Shetty unter anderem "Hündin" und fragten sie, ob sie in einer Hütte lebe. Shattys Sprecher Dale Bhagwagar nannte die Entscheidung der Zuschauer am Samstag einen Sieg des Guten über das Böse. "Die Abstimmung war nicht eine zwischen zwei Bewerbern um den Rauswurf. Es war ein klarer Wettbewerb zwischen Shilpa und Jade, zwischen Gut und Böse", sagte Bhagwagar der Nachrichtenagentur AFP. Die Abstimmung habe gezeigt, dass das Gute immer gewinnt, "wie in Bollywood-Filmen", fügte er hinzu.

Eine indische Firma hat nach einem Zeitungsbericht unterdessen die Herstellung der Flaschen für Goodys Parfüm "Ssh" eingestellt. Zuvor hatte schon eine Parfüm-Kette in Großbritannien die Lieferung des Duftes eingestellt. Die Leitung des Senders Channel 4, auf dem "Celebrity Big Brother" läuft, wollte am Sonntag zu einer Sitzung zusammenkommen, um über den Skandal zu beraten. Der Londoner Bürgermeister Ken Livingstone hatte der Senderführung vorgeworfen, durch das gezielte Senden der rassistischen Ausbrüche "Rassismus zur Steigerung ihres Profits" verwendet zu haben.

Der Skandal hatte zuvor auch die britische Regierung beschäftigt. Finanzminister Gordon Brown sah sich am Mittwoch auf seiner Indien-Reise gezwungen, die wüsten Angriffe auf die 31-jährige "Bollywood-Queen" als schädlich für das Image der Briten im Ausland zu verurteilen. Bei der Gesellschaft für Medienkontrolle Ofcom gingen rund 40.000 Beschwerden ein - so viele wie noch nie zuvor in der Geschichte. Die Polizei nahm Ermittlungen wegen des Verdachts auf Rassismus auf.

Shetty ist einer von neun Stars, die in London abgeschirmt in einem Haus leben und dabei rund um die Uhr von Kameras gefilmt werden. Die aus dem Haus gewählte Ex-"Big Brother"-Bewohnerin und Mutter von Goody, Jacky Budden, sagte dem Magazin "Now", sie würde Shetty gerne den Hals umdrehen, "bis ihr die Augen ausfallen". "Diese Inderin hätte in Bollywood bleiben sollen." Die Sendung "Celebrity Big Brother" ist die derzeit populärste und erfolgreichste Sendung auf Channel 4.

bor/AFP



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