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Bikini-Miezen-Casting bei ProSieben Eingeschmiert, angeschmiert, abgeschmiert

Es ist eine neue Dimension des Demütigungsfernsehens: In der TV-Show "Sommermädchen 2009" müssen sich junge Frauen leicht verhüllt lächerlich machen. Wer die Degradierungen von Pseudoprominenten übersteht, darf sich für ein Männermagazin ablichten lassen.

Mehrere Stunden standen die 16 jungen Frauen vor dem Spiegel, um sich zu schminken und zu föhnen. Am Swimmingpool haben sie hoffnungsfroh Aufstellung genommen. Und jetzt?

Jetzt kommt ein Typ daher, der angeblich in Los Angeles als Produzent arbeitet, und schubst sämtliche Kandidatinnen, deren Visagen ihm nicht gefallen, mit herablassender Geste ins Wasser. Im Jargon des Senders ProSieben, der mit solchen Bewegtbildern neuerdings versucht, Quote zu schinden, heißt das "Bodycheck: Gesicht".

Deutschland hat sich eine weitere Dimension des Demütigungsfernsehens erschlossen. "Sommermädchen 2009" heißt das Format, das sogar Til Schweigers glitschige Altherrenphantasie "Mission Hollywood" auf RTL unterbietet, die man bislang für den Tiefpunkt des Unterhaltungsfernsehens hielt und die gerechterweise wegen Erfolglosigkeit auf den Samstagnachmittag verbannt wurde. Schwitzend und stotternd lässt Schweiger darin seine Casting-Opfer Übungen absolvieren, für die er in einem Rotlicht-Etablissement bezahlen müsste.

Aber immerhin verfügt Schweiger tatsächlich über Beziehungen nach Hollywood, mögen die auch noch so bescheiden sein. Das ist bei ProSieben anders: In "Sommermädchen 2009" lassen sich die Kandidatinnen von einem Niemand erniedrigen - sie geben sich ohne Hoffnung auf den Einstieg in den Entertainmentbetrieb der Lächerlichkeit preis.

"Wer ist der Typ überhaupt?", erkundigt sich pikiert eine beim "Bodycheck" Degradierte nach den Kompetenzen des angeblichen Musikproduzenten - um dann mit tropfendem Bikini aus dem Wasser zu steigen.

"Frauenkörper, nass und glitschig"

Trotz trotziger Worte liefert die junge Frau natürlich die wichtigen Bilder für das überschaubare Erzählkonzept der Show. Es geht darum, möglichst viele tropfende Bikinis zu zeigen, mehr nicht. Die Kamera bewegt sich meist auf Bauchnabel-Piercing-Höhe; manchmal zoomt sie den jungen Frauen auch von hinten zwischen die Beine.

Moderator Steven Gätjen versucht Sinn und Zweck der Sendung dann auch gar nicht zu schönen. "Ein Männertraum: Frauenkörper, nass und glitschig", sagt er bei einer Übung, für die alle Teilnehmerinnen in Klarsichtfolie gehüllt oder mit Sahne eingerieben eine Wasserrutsche hinabschnellen.

Überfordert wird der Zuschauer sicher nicht. Gätjen und seine Co-Moderatorin Charlotte Engelhardt, die beide schon etwas länger für ProSieben in den unteren Regionen der Spielshows und Schlüssellochreportagen unterwegs sind, sprechen und agieren auf solch selbstbeschränkte Weise, dass auch die ganz Langsamen unter ihren Zuschauern mitkommen.

Bei der Erklärung des banalen Punktesystems zur Bewertung der Kandidatinnen benutzen sie etwa, ganz grundschulkompatibel, die Finger zum Mitzählen. Das erscheint konsequent: Für eine Sendung, bei der mancher im Publikum wohl öfter die Hand in der Hose hat, darf man es nicht zu kompliziert machen.

Bisexuellen-Trash und ein Mops namens Gucci

Die Rollen sind zwischen Gätjen und Engelhardt klar verteilt: Während er erstaunlich ungehemmt aus dem Unterleib heraus moderiert ("Hier kommen sie: Sommerschönheiten, prall gefüllt mit Ehrgeiz"), mimt sie für die weiblichen Casting-Opfer die gute Freundin. Nicht immer allerdings tut sie das überzeugend. Wenn sie eine Bikini-Kämpferin nach verlorener Übung tröstend in die Arme schließt, spreizt die Fernsehfrau die Finger, als müsse sie eine heiße, fettige Wurst liebkosen.

Die 16 Teilnehmerinnen aus 16 Bundesländern hat Pro Sieben nach Konfliktpotential zusammengecastet. Da ist zum Beispiel auch die operativ aufgerüstete Anastasia aus Berlin, die einen Mops mit dem Namen "Gucci" hat, reiche Männer liebt und über Konkurrentinnen, die sie als zu dick empfindet, lästert: "Die sollte mal zu meinem Doktor gehen!"

Die immer gut gelaunte Maggie aus Niedersachsen hingegen hat schon gleich bei der Bewerbung mitgeteilt, dass sie bisexuell sei - und sich so ihren Platz gesichert. Schließlich wollten sich die Pro-Sieben-Macher nicht die Möglichkeit entgehen lassen, sie planschend im Pool mit einer anderen jungen Frau zu zeigen und die Szene mit dem Probelesben-Sommerhit "I Kissed A Girl" von Katy Perry zu unterlegen.

Der erste Preis für all die Demütigungen und Degradierungen ist ähnlich unsubtil: Der Siegerin winkt eine Fotostrecke in einem Männermagazin. Vermutlich im tropfenden Bikini.

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