Bild des Tages Provinzposse um Protest-Menschen


DPA


Kurz vor der Eröffnung der Kulturtage im niederbayerischen Kelheim hat eine Zensur-Aktion des Rathauschefs für Aufruhr im dem beschaulichen Örtchen gesorgt. Bürgermeister Fritz Mathes, Angehöriger der Partei "Freie Wähler", hatte aus Verärgerung über den Abensberger Bildhauer Klaus Schwendner eine fast vier Meter hohe Skulptur, die auf die Ohnmacht der Bürger gegenüber der Politik aufmerksam machen soll, vor dem Rathaus entfernen und kurzerhand zum Bauhof der Stadt transportieren lassen. Nachdem Mathes direkt nach dem Abtransport in Urlaub ging, ließ Vize-Bürgermeister Raimund Fries (CSU) das Kunstwerk, liebevoll "Protest-Mensch" genannt, am Dienstag jedoch wieder an seinen alten Standort zurückbringen.

Schwendner hatte die Plastik für eine Ausstellung von rund einem Dutzend Bildhauern in der Kelheimer Innenstadt geschaffen. Die Skulpturenallee soll bei den am 16. Oktober beginnenden Kulturtagen eröffnet werden. Der 35-jährige Künstler will mit seiner martialischen Skulptur darauf aufmerksam machen, dass bei politischen Entscheidungen wirtschaftlichen Interessen der Vorrang gegenüber den Bedürfnissen der Menschen gegeben werde.

Nach Angaben von Stellvertreter Fries war Rathauschef Mathes davon ausgegangen, dass sich das Kunstwerk gezielt gegen die vom Kelheimer Stadtrat beschlossene Öffnung der Fußgängerzone für den Autoverkehr richte. Der Künstler bestreitet dies jedoch: "Ich habe die Figur nicht geschaffen, um gegen einen Stadtratsbeschluss zu demonstrieren."

Als Urlaubsvertretung musste sich Rathausvize Fries in den vergangenen Tagen mit zahlreichen Protesten von Künstlern und Kommunalpolitikern gegen die "Verbannung" des Kunstwerkes auseinander setzen. "Ich musste eine Lösung suchen", erklärte Fries. Die Wiederaufstellung der Skulptur durch den kunstfreundlichen Vize sei allerdings durchaus mit dem urlaubenden Bürgermeister abgesprochen.

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