"Bild"-Zeitung Simonis erzwingt Richtigstellung auf Seite eins

Nur wenige Tage, nachdem die "Bild"-Zeitung die neue Rubrik "Berichtigung" eingeführt hat, muss sie heute eine unfreiwillige Korrektur abdrucken: Die frühere Ministerpräsidentin Heide Simonis erzwang eine rekordverdächtige Gegendarstellung.


Hamburg - Der Samstag ist der Tag der Gegendarstellungen bei "Bild". Die Verkaufsauflage ist dann typischerweise kleiner als an Wochentagen. Und die Peinlichkeit, die oft mit dem Abdruck einer anwaltlich erzwungenen Gegendarstellung verbunden ist, fällt dann vielleicht ein klein wenig geringer aus, mögen die Blattmacher hoffen.

Gegendarstellung auf "Bild"-Titel: Erfolg für für die gescholtene Tänzerin

Gegendarstellung auf "Bild"-Titel: Erfolg für für die gescholtene Tänzerin

Heute ist es wieder soweit. Die Gegendarstellung, die auf der Titelseite der "Bild" prangt, ist allerdings kaum zu übersehen - sie füllt fast die gesamte obere Seitenhälfte. Im Namen seiner Mandantin Heide Simonis widerspricht der Rechtsanwalt Johannes Eisenberg dort einem Artikel, der am 2. Mai erschienen war, ebenfalls auf dem "Bild"-Titel.

Die Schlagzeile damals: "Heide Simonis jetzt ins Dschungel TV?" Damit suggerierte das Blatt, Simonis könnte nach ihrer umstrittenen Beteiligung an der RTL-Tanzshow "Let's Dance" in weiteren, vergleichbaren Sendungen auftreten.

Kurz korrigiert: Wo liegt noch mal der Westerwald?

Dabei hatte die frühere schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin schon lange vor dem "Bild"-Bericht klar gestellt, dass sie weder bei der Dschungel-Show noch Programmen wie "Big Brother" mitmachen werde. Das räumt die "Bild"-Zeitung heute auch, mit einiger Verspätung, in einer kurzen redaktionellen Anmerkung zur Gegendarstellung ein. "Bild" hatte wiederholt mit maliziösem Tonfall über die Simonis' Tanzdarbietungen geschrieben.

Wie das "Bildblog" berichtet, hatte Simonis' Anwalt schon am 4. Mai vor dem Berliner Landgericht eine Einstweilige Verfügung gegen das Boulevardblatt erreicht. Die "Bild"-Zeitung scheine sich gegen diesen Beschluss gewehrt zu haben, so das Blog – das jedenfalls könnte erklären, warum die Gegendarstellung erst jetzt erschienen ist.

In der "Bild"-Zeitung Anfang Mai waren auch mehrere Fotomontagen zu sehen, die Heide Simonis beim Promiboxen, mit Maden wie im Dschungelcamp und im "Big Brother"-Haus zeigen. Auch gegen diese Darstellungen war die Politikerin juristisch vorgegangen, weil sie aus ihrer Sicht ihre Menschenwürde und Persönlichkeitsrechte verletzten.

Weit harmloser als die Gegendarstellung ist die Korrektur, die "Bild" heute freiwillig in seiner gerade geschaffenen Rubrik "Berichtigung" auf Seite zwei druckt: In einem Beitrag über eine Mäuseplage in einem Supermarkt, so steht da zu lesen, sei der niedersächsische Ort Westerwald mit dem Westerwald in Rheinland-Pfalz verwechselt worden.

itz



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