Wegen systematischen Abschreibens "Bild" verklagt "Focus Online"

Die "Bild"-Zeitung wirft "Focus Online" vor, systematisch kostenpflichtige "Bild"-Inhalte von der Webseite zu stehlen und zu veröffentlichen. Der Springer-Verlag hat deshalb beim Landgericht Köln Klage eingereicht.

Bild Plus

Bild Plus


Die "Bild"-Zeitung ist sich sicher: Der Konkurrent "Focus Online" wertet systematisch exklusive Bezahl-Inhalte von "BILDplus" aus und macht Abschreiben zum Geschäftsmodell. Die Zeitung hat deshalb beim Landgericht Köln eine wettbewerbs- und urheberrechtliche Klage gegen "Focus Online" eingereicht. Das gab der Verlag Axel Springer am Dienstag in einer Pressemitteilung bekannt.

"Bild" habe über mehrere Monate sämtliche "BILDplus"-Artikel und deren exklusive Inhalte mit den kostenlosen Inhalten von "Focus Online" abgeglichen. Man sei zu dem Schluss gekommen, die Verwertung der "Bild"-Bezahlinhalte auf der Homepage von "Focus Online" geschehe systematisch und regelmäßig. Mit der Klage verlangt "Bild" Unterlassung, Auskunft und Schadensersatzfeststellung.

Julian Reichelt, der Chefredakteur von "Bild Digital", wird in der Pressemitteilung zitiert: "Wir haben einzelne Fälle gegenüber "Focus Online" zunächst im Guten kritisiert - ohne Erfolg." Mit seinem Verhalten greife "Focus Online" das Geschäftsmodell einer ganzen Branche an. Ein Sprecher vom Verlag Hubert Burda Media, wo "Focus Online" erscheint, sagte am Dienstag, die Klage liege noch nicht vor. Daher könne man sich noch nicht dazu äußern.

Ob Axel Springer damit Erfolg haben kann, lässt sich nicht prognostizieren. Der Verlag betritt juristisches Neuland. Nachrichten sind nicht urheberrechtlich geschützt. Deshalb geht Springer auch wettbewerbsrechtlich gegen Burda vor und argumentiert, die kostenlose Bereitstellung von exklusiven "Bild"-Inhalten auf der "Focus"-Seite ohne eigene redaktionelle Leistung stelle eine Torpedierung des eigenen Geschäftsmodells dar.

kae/dpa

Mehr zum Thema


insgesamt 39 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
gekreuzigt 17.01.2017
1. Realsatire.
Wer sich, wie das bekannte ...blatt, kostenlos im Internet bedient, verlangt von Anderen für womöglich Gleiches plötzlich Geld? Das ist echt BILD-like.
Pfaffenwinkel 17.01.2017
2. Focus war mal ein gutes Magazin
Aber das ist lange her. Gute Reporter wurden nicht mehr beschäftigt, die verbliebenen Redakteure mussten doppelt und dreifach arbeiten. Vielleicht liegt hier die Ursache für das Abschreiben von anderen Blättern.
Pixopax 17.01.2017
3. Ist doch egal
bild ist dank des Werbeblocker-Blockers glücklicherweise nicht mehr erreichbar, und Focus.de ist trotz Werbeblockers nicht mehr lesbar vor lauter Popups. Also wen kümmerts?
moritz1989 17.01.2017
4.
Spätestens jetzt würde ich der Süddeutschen Zeitung raten rechtlich gegen die Bild-Zeitung vorzugehen - wegen dem gleichen vergehen. Oder glaubt die Bild, weil Berichte in Zeitungen veröffentlicht werden und nicht im Internet wären sie "kostenlos"?
parboiledspiegel 17.01.2017
5.
falls das Gericht zur Überzeugung kommt dass ein allgemeines schmarotzen an fremder Leistung vorliegt, dann braucht es auch keinen extra urheberrechtlichen überbau
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.