Margarete Stokowski

S.P.O.N. - Oben und unten Gute Männer, böse Männer

An alten Männlichkeitsidealen festzuhalten ist peinlich. Der AfD-Landeschef Björn Höcke zum Beispiel kann sich nicht entscheiden: Braucht's den Mann nun für den Fortbestand? Oder ist er gefährlich für die Gesellschaft?

Björn Höcke braucht bessere Drogen. Anders lässt sich das nicht erklären. Was redet dieser Mann? Und wie? Wie er sich berauscht an seiner billigen Rhetorik! Hat er nichts Besseres? "Erfurter! Thüringer! Deutsche!"  Soll ich auch so reden? Hilft das? S.P.O.N.-Leser! Kommentatoren! Foren-Trolle! Lest diese Kolumne, liebe Freunde, denn wenn ihr diese Kolumne lest, dann könnt ihr sie kommentieren, und das wollt ihr. [Applaus hier.] Tausend Jahre SPIEGEL ONLINE!

Jedenfalls: Deutschland werde männlicher, hat Höcke prophezeit: "Es wird männlicher werden, aber es wird leider nicht sehr deutsch bleiben." Es war dieselbe Rede , in der er über die Fortpflanzungstaktiken "der Afrikaner" sprach, die angeblich eher darauf bedacht sind, möglichst viele Kinder zu kriegen, während "die Europäer" quasi nur feine Auslese zeugen. Es wurde nun schon einiges dazu gesagt, wie rassistisch und dämlich das ist, was der vierfache Vater da von sich gegeben hat.

Es ist das "Der Schwarze schnackselt gerne!" für die feinen völkischen Herren von heute. Na ja, "fein". Es ist nicht einmal wissenschaftlich richtig . Die von Höcke bemühte Theorie ist falsch, ganz einfach. Sie funktioniert nicht mal für Nilkrokodile , und für Menschen schon gar nicht. Sogar Höckes eigene Partei schämt sich für ihn und soweit muss man es erst mal bringen.

Interessant daran ist nicht nur Höckes Rassismus, sondern auch sein Männlichkeitsbild. In einer anderen Rede, auf dem AfD-Parteitag Ende November, erklärte Höcke : "Wir müssen unsere Männlichkeit wieder entdecken. Denn nur wenn wir unsere Männlichkeit wiederentdecken, werden wir mannhaft. Und nur wenn wir mannhaft werden, werden wir wehrhaft, und wir müssen wehrhaft werden, liebe Freunde!"

Widersprüchliche Gender-Ideen

Das ist etwas unglücklich. Wie viel Männlichkeit denn noch? Gerade eben war die Männlichkeit "der Afrikaner" und der ankommenden Flüchtlinge noch ein Problem: In der "Afrika-Rede" rechnet Höcke Mehrheitsverhältnisse von männlichen Flüchtlingen und männlichen Ur-Thüringern gegeneinander auf und kommt dazu, dass da etwas "kippen" wird.

Jetzt soll die Männlichkeit der "lieben Freunde" von Höcke mobilisiert werden. Inwiefern? Was kommt dann? Was ist mit den Frauen? Sind die "mitgemeint"? Müssen die auch männlicher werden? Und dann? Wohin mit der ganzen Männlichkeit? Wie soll da gekämpft werden? Pimmelfechten? So heißt sozusagen der Fachbegriff für das, was Höcke da tut: Männlichkeit gegen Männlichkeit ausspielen. Und es ist peinlich, so verdammt peinlich.

Natürlich ist Höcke ein leichtes Opfer. Aber eben auch ein gutes Beispiel. Und zwar ein Beispiel dafür, wie man sich zum Trottel machen kann mit überholten Männlichkeits- (und auch Weiblichkeits-)Konzepten. Es ist nicht das Schlimmste an Höcke, dass er kein Feminist ist. Das Schlimmste ist sein rechtes, menschenfeindliches Gelaber. Aber er tut sich keinen Gefallen damit, auch noch widersprüchliche Gender-Ideen darunterzuschwurbeln. Mal ist Männlichkeit eine Gefahr, mal eine Notwendigkeit. Mal das Schlimmste an den Flüchtlingen, mal die Waffe, die ergriffen werden muss. Das ist unlogisch.

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Foto: SPIEGEL ONLINE