Rassismus und Sprache "Blackfacing" ist der Anglizismus des Jahres

Welches Wort sagen Sie, wenn ein Weißer sich dunkel schminkt, um einen Schwarzen darzustellen? Diese Lücke im Wortschatz der Deutschen hat der englische Begriff "Blackfacing" gefüllt, der diese höchst umstrittene Praxis anprangert.
Augsburger als Jim Knopf bei der "Wetten, dass...?"-Stadtwette: "Schuhcreme, Kohle, was auch immer"

Augsburger als Jim Knopf bei der "Wetten, dass...?"-Stadtwette: "Schuhcreme, Kohle, was auch immer"

Foto: Sven Hoppe/ dpa

Berlin - Anders als zum Beispiel das "Unwort des Jahres" will dieser Sprachpreis eine positive Entwicklung in der deutschen Sprache bezeichnen: Seit 2010 prämiert eine Jury unter dem Vorsitz des Sprachwissenschaftlers Anatol Stefanowitsch von der Freien Universität Berlin den Anglizismus des Jahres . Für 2014 wurde der Begriff "Blackfacing" ausgezeichnet.

Die "Bezeichnung für die Darstellung schwarzer Menschen durch dunkel geschminkte weiße Menschen" reflektiert nach Ansicht der Jury "einen Konflikt zwischen einer Mehrheit, die für sich eine uneingeschränkte kulturelle Deutungshoheit in Anspruch nimmt, und einer (wachsenden) Minderheit, die das nicht mehr stillschweigend hinnimmt".

Die Thematik, die in den USA schon länger kontrovers diskutiert wird, hat auch in Deutschland in jüngerer Zeit Debatten ausgelöst. So stoppte der Pulitzer-Preisträger Bruce Norris die Aufführung seines Stückes "Clybourne Park" an deutschen Bühnen. Auch ein Theaterstück mit Dieter Hallervorden wurde kritisiert, sowie der Auftritt des Literaturkritikers Denis Scheck, der eine Glosse schwarz geschminkt verlas.

Im Primetime-TV, bei "Wetten, dass..?", wurde zum Blackfacing aufgerufen: Für die Stadtwette sollten sich die Augsburger mithilfe von "Schuhcreme, Schminke, was auch immer" in die Romanfigur Jim Knopf verwandeln.

Auch für die Begriffe "Big Data" und "Selfie" diagnostizierte die Sprachjury, dass sie als englische Lehnworte "eine interessante Lücke im Wortschatz des Deutschen" gefüllt und "sich (deshalb) messbar im allgemeinen Sprachgebrauch verbreitet" hätten. Sie kamen auf Platz zwei und drei bei der Wahl. Frühere Preisträger waren die Wortneubildungen mit der Endsilbe "-gate" (2013), "Crowdfunding" (2012), "Shitstorm" (2011) und "leaken" (2010).

feb/dpa
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