Fotostrecke

BND-Zentrale in Pullach: Auf den Spuren der Geheimnisse

Foto: Martin Schlüter/ Sieveking Verlag

Geheimdienst-Fotoband Die Chaoten vom BND

Zwischen Wurstbroten, Aktenbergen und Elvis-Devotionalien: Martin Schlüter durfte als erster Fotograf unzensiert die Räume des BND in Pullach fotografieren - Impressionen aus der Behörde, die gerade von einem eigenen Mitarbeiter ausspioniert wurde.

Vielleicht saß er mal auf so einem moosgrün bezogenen Bürostuhl vor jeder Menge Knöpfe und Kabel und Bildschirmen in der früheren Zentrale des Bundesnachrichtendienstes in Pullach. Vielleicht nahm er mal Platz im rechteckigen Besprechungszimmer mit den zwei Beamern und den dunkelbraunen Holztischen. Wie genau der BND-Mitarbeiter, der über mehrere Jahre mehr als 200 Dokumente an US-Geheimdienste geliefert haben soll, gearbeitet hat, ist noch nicht hinreichend erforscht.

Er soll zumindest im Stab der "Abteilung EA" (Einsatzgebiete/ Auslandsbeziehungen) tätig gewesen sein und damit Zugang zu vielen internen Unterlagen gehabt haben. Vergangene Woche wurde der 31-Jährige festgenommen.

In welchen Räumen sich der Mann aufgehalten haben könnte, zeigt der Fotograf Martin Schlüter. Er durfte ab Mai 2012 über einen Zeitraum von 16 Monaten hinweg das Areal für den BND umfassend und unzensiert bei Nacht dokumentieren. Schlüter erobert damit gleich zwei Nischen - zum einen hat er sich Eintritt in eine verschlossene Welt verschafft. Zum anderen hat er genau den richtigen Zeitpunkt gewählt. Lange wird es das Gebäude in Pullach nämlich nicht mehr geben. Der BND zieht nach Berlin um. Bereits im April nahmen erste Mitarbeiter ihre neuen Arbeitsplätze in der Hauptstadt in Beschlag.

Louis de Funès lässt grüßen

Schlüter präsentiert in seinem Fotoband "Nachts schlafen die Spione. Letzte Ansichten des BND in Pullach" neben Überwachungs- und Besprechungszimmern holzverkleidete Sporträume mit Boxsäcken und einem Medizinball. Er zeigt ein Büro, das mit Elvis-Postern tapeziert ist und dunkle Straßen aus langen schwarzen Aktenschränken.

Der Fotograf bestätigt auch, dass BND-Mitarbeiter nicht immer die Ordentlichsten sind. In einem Büro stapeln sich Zeitschriften und Bücher, da liegt ein weißer Kittel herum, da hängt ein Kleiderbügel mit einer weißen Hose daran an einem Schrank. Und auf einer Insel aus Dokumenten steht ein Teller mit einem Wurstbrötchen darauf.

An den Verbrecher Fantomâs aus der gleichnamigen französischen Krimi-Komödie mit Louis de Funès erinnert ein Foto, auf dem Kartons mit Gesichtsmasken aus Silikon abgebildet sind. Sie sollen bei Erste-Hilfe-Übungen eingesetzt werden, sehen aber so aus, als könnten sie Anonymität verschaffen, wenn man sie aufsetzt.

Kurz: Schlüters Aufnahmen erlauben zwar den Blick ins Innere des Geheimdienstes, was dort aber wirklich passiert, bleibt - geheim.

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