Öffentlich-rechtlicher Rundfunk Johnson stellt BBC-Gebühren in Frage

An den Talkshows der BBC nimmt er eh nicht gern teil, jetzt schießt Boris Johnson weiter gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.
Boris Johnson hat die BBC auf dem Kieker

Boris Johnson hat die BBC auf dem Kieker

Foto: Lisi Niesner/ REUTERS

Als großer Freund des öffentlich-rechtlichen Fernsehens gilt Boris Johnson schon länger nicht mehr - spätestens seit er die Teilnahme an einer TV-Debatte des Senders Channel 4 absagte, und der Sender kurzerhand einen schmelzenden Eisblock an seiner Stelle platzierte. Die Tories waren darüber nicht amüsiert und beschwerten sich bei der britischen Medienaufsicht. Nun stellt der Premierminister indirekt die Zukunft der BBC in Frage: Er überdenke, das Nichtzahlen von Rundfunkgebühren zu entkriminalisieren, sagte ein Regierungssprecher. Der Tory-Abgeordnete Rishi Sunak bestätigte diese Pläne britischen Medien gegenüber, berichtete der "Guardian" .

Die BBC finanziert sich ähnlich wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland. Anders als in Deutschland müssen Briten aber nur dann eine Rundfunkgebühr entrichten, wenn sie in Besitz eines Fernsehgeräts sind oder als Nutzer bei der Webplattform iPlayer der BBC registriert sind.

Diese Gebühreneinnahmen sind die Haupteinnahmequelle der britischen Sendeanstalt. Sie geht strafrechtlich gegen Menschen vor, die den Betrag nicht entrichten. Ohne die Durchsetzung dieser Rechte, schätzt die BBC laut einem Bericht der "New York Times" , verlöre sie jährlich 200 Millionen Pfund.

Boykott des Senders Radio 4

Dass Johnson kein Fan der BBC ist, zeige sich auch im Boykott des Hörfunksenders Radio 4, berichtete der "Guardian" : Wegen angeblicher Anti-Tory-Berichterstattung habe er am Wochenende einen Auftritt im angesehenen Morgenprogramm des Senders abgesagt.

Bereits im Wahlkampf habe Johnson gedroht, die Gebühren der BBC zu streichen, so der "Guardian" weiter. Der Premierminister habe vorgeschlagen, die Rundfunkgebühr in eine allgemeine Steuer zu verwandeln. Allerdings müsste das Parlament Änderungen des BBC-Finanzierungsmodells zustimmen.

Zuletzt allerdings hatte die BBC mit dem "Netflix-Effekt" zu kämpfen: Laut einem Bericht der "Times" bezahlten immer weniger Menschen die Rundfunkgebühren. Binnen eines Jahres seien mehr als 860.000 der britischen TV-Lizenzen storniert worden, hieß es. Vermutlich liege das auch an der wachsenden Beliebtheit von Streamingangeboten wie Netflix und Amazon Prime, kommentierte damals die Nachrichtenagentur Bloomberg.

evh/Reuters
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