Britisch-Russischer Kulturkampf Diplomatengrüße aus Moskau

Zwei Büros, ein Riesenärger: Trotz eines Verbotes öffneten in Russland zwei Filialen des Kulturinstituts British Council. Jetzt reagiert Moskau mit diplomatischem Druck - und verwechselt dabei Kulturpolitik mit Außenpolitik.


Moskau - Anthony Brenton, britischer Botschafter in Moskau, hätte auf diesen Termin vermutlich lieber verzichtet. Am Montag bestellte ihn das russische Außenministerium zum Rapport ein, wie die Nachrichtenagentur Interfax berichtet. Der Grund: Am Morgen hatten zwei Filialen des britischen Kulturinstituts British Council entgegen russischer Anordnung nach den Winterferien wiedereröffnet. Die Moskauer Behörden hatten dies für die beiden Büros in St. Petersburg und Jekaterinburg im Ural zuvor untersagt.

British-Council-Büro in Russland: Schließung angeordnet
REUTERS

British-Council-Büro in Russland: Schließung angeordnet

Um Kultur geht es bei diesem Kampf allerdings nicht. Hintergrund der angeordneten Schließung sind diplomatische Verstimmungen zwischen Großbritannien und Russland. Seit der Ermordung des ehemaligen KGB-Agenten Alexander Litwinenko in London hatten sich die politischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern stetig verschlechtert.

Der Regierungskritiker Litwinenko war in der britischen Hauptstadt mit einer radioaktiven Substanz vergiftet worden. Die britische Regierung nahm kurz darauf Tatverdächtige fest, weigerte sich aber, sie nach Moskau auszuliefern. Russland verlangt insbesondere die Überstellung des im Londoner Exil lebenden Kremlkritikers Boris Beresowski, gegen den in Moskau mehrere Strafverfahren anhängig sind. London fordert von Moskau die Auslieferung des Mordverdächtigen Andrej Lugowoi.

Im Sommer schickten die Briten vier russische Diplomaten nach Hause. Der russische Außenminister Sergej Lawrow nannte die Ausweisung nicht tolerabel und verfügte Anfang Dezember die Schließung der beiden British-Council-Filialen. Lawrow verwies ausdrücklich darauf, dass dies als Reaktion auf die Diplomanten-Schelte zu verstehen sei. Die Moskauer Russland-Zentrale des British Council ließ der Minister hingegen unangetastet.

cc/AFP/dpa



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