S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle Das kleingeistige Denken der Blöden

Was bringt Menschen dazu, bösartig zu lachen, wenn ein berühmter Mann sich in eine Frau verwandeln will? Woher diese Häme, warum dieser Hass?
Bruce Jenner: Wurde je ein anderer Fall mit solcher Aufmerksamkeit bedacht?

Bruce Jenner: Wurde je ein anderer Fall mit solcher Aufmerksamkeit bedacht?

Foto: Mark Von Holden/ Mark Von Holden/Invision/AP

Die Zahl der Suchmaschinen-Meldungen, inklusive Fotos, Klatschberichte und Meinungen zum Thema Bruce Jenner liegt momentan bei 92 Millionen. Beispiel gefällig ? Was also macht die Medien und Leser so irre? Geht es um Kindesmisshandlung? Geht es um eine nationale Bedrohung? Oder irgendjemanden, der mit über 60 den Wunsch hat, ein anderes Geschlecht anzunehmen, welches er dann vermutlich nicht entblößt auf Billboards vorzuzeigen gedenkt?

Menschen, raune ich unzusammenhängend, verdienen ihr bevorstehendes Aussterben, denn sie sind nicht entwicklungsfähig. Es gelingt ihnen nicht, andere in Ruhe zu lassen. Millionenfach verfolgen sie also nun gebannt, wie ein Mann, ein - wie immer wieder betont wird - hervorragend aussehender Sportsmann, zu einem Witz mutiert.

Kurz - zu einer Frau.

Daheim kann jeder machen, was er will

Frauen, die zu Männern werden wollen: Ich kann mich an keinen Fall erinnern, der mit solcher Aufmerksamkeit bedacht worden wäre. Es ist nicht wichtig, was Frauen machen, könnte man daraus folgern, und so richtig totlachen tut man sich doch nur, wenn ein Mann in Frauenkleidern herumwackelt. Nicht beruflich oder für eine Travestieshow, sondern klar erkenntlich aus einem Drang heraus: Das ist albern. Da schaut man hin, da glotzt man, starrt man, stößt sich in die Seite. Weil, ja vermutlich weil es so lächerlich ist, wenn einer sich freiwillig in eine niedere Kaste begibt.

Was bedroht die Menschen nur so, wenn die Geschlechterteilung über den Haufen geworfen wird? Was ist so gruselig daran, dass junge strunzblöde Männer "Transgender" zusammenschlagen müssen? Was bringt Menschen dazu, hämisch zu lachen, wenn sie einen sehen, der nicht aussieht wie die meisten? Der also nicht übergewichtig ist, beige gekleidet, unauffällig.

Ist es der Reflex, Fremdes aus der Gruppe auszuschließen, um die Evolution nicht zu gefährden, die immer noch in unserem Programm steckt? Ist es die Trägheit des Geistes, die uns in Fremden eine Bedrohung vermuten lässt? Argumente sind nicht die Stärke derer, die alles ablehnen, was sich nicht in "Heterosexuell, Mann" oder "Heterosexuell, Frau" einordnen lässt. Es muss eine Ordnung haben. Daheim kann ja jeder machen, was er will. Toleranz hat ihre Grenzen.

Ein Knallkörper im Universum

Das ist gegen die Natur, heißt es von den Intoleranten. Ja, die arme Natur. Ginge es nach ihr, wären die Menschen nie entstanden, die alles, was Natur ist, gerade mit Freude ruinieren. Tiere, Pflanzen, Ozeane.

Wir täten gut daran... Der Satz endet hier, ich wollte schon immer einmal schreiben, dass wir gut an irgendetwas täten. Vermutlich daran: uns in Ruhe zu lassen. Aber das ist eine der schwierigsten Übungen. Sind es nicht mehr die Gesetze der Religionen, so verlangt die Diktatur des Marktes heute nach dem berechenbaren Konsumenten. Mädchen und Jungs, Ü-Eier, Barbie und He-Man - kein Raum für Uneinordenbares.

Mit Geschlechtertrennung lässt sich besser verdienen, beziehungsweise muss der Markt für ein drittes Geschlecht erst geschaffen werden, in dem Bruce Jenner seine Ruhe hätte. Nicht Mann, nicht Frau; etwas anderes. Und allen ist es egal. Weil jeder verstanden hat, was für ein Knallkörper er oder sie oder es im Universum ist.

Ziemlich komisch wäre das.