Der Kommentar am Morgen Verfluchter Brückentag!

Na, sitzen Sie heute auch allein im Büro, weil sich praktisch alle anderen oberschlauen Kollegen diesen Freitag freigenommen haben? Dann sind wir ja unter uns. Und können einmal Klartext reden.

Allein im Büro: Opfer der allgemeinen Brückentagsverschwörung
Corbis

Allein im Büro: Opfer der allgemeinen Brückentagsverschwörung

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Wir kennen sie alle: Am Jahresanfang tun sie recht freundlich, schleichen sich in der Kaffeeküche von der Seite an und fragen ganz beiläufig, ob man schon Pläne für Ende Mai habe? Hat man natürlich nicht. Hat doch kein Mensch. Bis auf diese feinen Kollegen. Und dann, zack: Beantragen sie Urlaub. Für den Brückentag - von dessen Existenz unsereins noch keinerlei Kenntnis genommen hatte.

Es ist wie eine Verschwörung: Einer nach dem anderen tragen sie sich in den Urlaubskalender ein, und wenn uns dann irgendwann Ende April dämmert, dass es vielleicht ganz schön wäre, an diesem Freitag nicht ins Büro zu müssen, ist der Kalender voll. Und der Chef sagt: Geht leider nicht, irgendjemand muss ja arbeiten. Er selbst hat sich selbstverständlich ebenfalls frei genommen.

An einem Tag wie heute lässt sich die Arbeitnehmerschaft in zwei Gruppen aufteilen: Auf der einen Seite stehen die Vorausschauenden, die Oberschlauen, die Freihaber. Auf der anderen wir, die wackeren Werktätigen, ganz unten, ganz hinten, am Ar… ähm …beitsplatz.

Nun könnte man sich natürlich herrlich aufregen: Über den volkswirtschaftlichen Schaden, der entsteht, wenn an einem Tag wie diesem im ganzen Land nichts vorangeht, weil der Kollege, der den wichtigen Entwurf auf seiner Festplatte hat, gerade einen Ausflug macht und unerreichbar ist. Man müsste dringend einmal ausrechnen, wie viele Milliarden Euro dabei verloren gehen, aber leider geht das nicht, denn unsere Experten dafür sind heute nicht da. Man könnte sich aufregen über die Schulen und Kitas, die sich für heute einen beweglichen Feiertag verordnet haben, was dazu führt, dass die lieben Kleinen sich jetzt unbetreut einen Trickfilm nach dem anderen reinziehen, während ihre verantwortungsvollen Eltern im Büro ihre Zeit absitzen müssen.

Aber lassen wir uns die Laune nicht verderben: So ein Brückentag kann auch im Büro sehr sinnvoll genutzt werden. Genau genommen hat er eigentlich ganz passabel angefangen: Kaum Verkehr auf dem Weg zur Arbeit - im Stau stehen heute nur die Ausflügler. Sofort einen Parkplatz gefunden. Und mit einem Blick in den Himmel befriedigt festgestellt: So toll ist das Wetter heute auch nicht. Das Telefon klingelt den ganzen Tag nicht. Und zu tun gibt es auch nicht wirklich viel: Der Kollege mit dem wichtigen Entwurf ist ja weg. Niemand wird am Montag Ergebnisse erwarten.

Es tun sich ungeahnte Möglichkeiten auf: Wollten Sie schon immer mal wissen, was der Kollege in dieser Schublade versteckt, die er immer so hastig schließt, wenn Sie den Raum betreten? Heute können Sie es ungestört herausfinden. Oder quietscht Ihr Bürostuhl? Tauschen Sie ihn jetzt gegen den Ihres abwesenden Zimmernachbarn aus!

Am besten jedoch: Sie studieren ausführlich den Kalender des kommenden Jahres und stellen schon heute einen Urlaubsantrag. Denn der nächste Brückentag kommt. Und der gehört Ihnen.

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Jeannette Corbeau
Stefan Kuzmany leitet den Bereich Meinung und Debatte bei SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Stefan_Kuzmany@spiegel.de

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insgesamt 101 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
mbraun09 30.05.2014
1. Nicht im Büro
Es gibt noch Arbeit, die nicht im Büro stattfindet.
fritze_bollmann 30.05.2014
2.
Nein noch besser ist , Sie sind auf Rente. Dann geht Ihnen der Chef mit seinem Urlaubsplan am Arsch vorbei.
lupy 30.05.2014
3. Ein angenehmes Arbeiten
Zitat von sysopCorbisNa, sitzen Sie heute auch alleine im Büro, weil sich praktisch alle anderen oberschlauen Kollegen diesen Freitag freigenommen haben? Dann sind wir ja unter uns. Und können einmal Klartext reden. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/brueckentag-nach-vatertag-sinnvoll-nutzen-der-kommentar-a-972316.html
war es immer! genau, wie der Autor es beschreibt. Es waren die schönsten Arbeitstage weil auch die Kundschaft "in Urlaub war"- denn sie ist ja auch ganz schlau! Stets habe ich auf jene Brückentage als freie Tage verzichtet, auch um dem Streit zu entgehen. Nur zweimal habe ich auf Urlaub bestanden: an jenem Tag, als mein Sohn geboren wurde und als ich einen Eignungstest in einer anderen Firma hatte, um den Beruf zu wechseln - und tschüss. Ich habe es nicht bereut.
berghamburg 30.05.2014
4. Recht hat er ...
Es stimmt! Keine Staus, keine Kollegen usw. Kleiner Plausch mit der hübeschen Dame vom Nachbarbüro ... Und da oft am Freitag sowieso eher Schluss gemacht wird, es aber als ganzer Urlaubstag gilt, schneiden die oberschlauen Brückentagnehmer sich ins eigene Fleisch. Ich genieße diese Tage - und den Feiertag davor - immer und würde nie auf die Idee kommen, hier mal frei zu nehmen. Am schönsten ist es immer zwischen Weihnachten und Neujahr. Schöne Grüße an alle Nichtbrückentagarbeitnehmer und -geber!
Andreas Löhr 30.05.2014
5. Klartext...
Zitat von sysopCorbisNa, sitzen Sie heute auch alleine im Büro, weil sich praktisch alle anderen oberschlauen Kollegen diesen Freitag freigenommen haben? Dann sind wir ja unter uns. Und können einmal Klartext reden. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/brueckentag-nach-vatertag-sinnvoll-nutzen-der-kommentar-a-972316.html
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