Bruno Ganz Theaterpreis für den "verwegenen Abenteurer"

Bruno Ganz, Sonderling, Grübler und Altstar des deutschen Theaters hat beim 38. Berliner Theatertreffen den Theaterpreis für sein Lebenswerk erhalten. Die Jury ehrte den 60-Jährigen als "Spezialist für das Fach des einsamen Menschen."

Von Harriet Dreier


Er ist ein grüblerischer "Faust" in Peter Steins 21-stündiger Mammut-Inszenierung und ein Ober im Liebestaumel in Silvio Soldinis Komödie "Brot und Tulpen". Im Wim-Wenders-Film "Der Himmel über Berlin" gab Bruno Ganz auch schon einmal einen Engel.

Ganz gerührt
DPA

Ganz gerührt

Er sei "ein verwegener Abenteurer seines Berufes", urteilte so auch die Jury, die im Rahmen des Berliner Theatertreffens den mit 30.000 Mark dotierten Theaterpreis 2001 im Spiegelzelt an der Bundesallee verlieh. Ganz bekam die Auszeichnung für die "Riesenrollen" des Theaters" - den Tasso, den Hamlet, den Prinzen von Homburg oder Odysseus. Er gelte als Spezialist für das Fach des einsamen Menschen, für die Zweifler, die Sonderlinge und Grübler, hieß es in der Jurybegründung des Theaterpreises, den die Stiftung Preußische Seehandlung seit 1988 für besonders herausragende Verdienste um das deutschsprachige Theater auslobt.

Sein Image als Engel wird der 60-Jährige aber anscheinend nicht mehr los. Nicht nur die Jury, bestehend aus Regisseur Herrmann Beil, Festspielleiter Joachim Sartorius, Benjamin Henrichs und Konstanze Lauterbach, stellte fest, er gehe seiner Arbeit nicht "strebend-bemüht", sondern "schwebend" nach. Auch Berlins Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen lobte den in Zürich geborenen Sohn eines Schweizers und einer Norditalienierin als den "großen Geist mit Bodenhaftung auf der Bühne", der "in Berlin himmelwärts" schwebe.

Dann griff Diepgen zur Verleihung nochmals tief in die Pathos-Kiste, zitierte Schiller und beschwor die Nachwelt. "Glanz und Tiefe" gebe der Schauspieler der Stadt und appellierte an Ganz, wieder häufiger in Berlin aufzutreten. Doch mit dem Wunsch dürfte der Regierende Bürgermeister wenig Erfolg haben - Spree und Lido seien zu unterschiedlich, musste auch Diepgen einräumen. Und um den Politglamour zu vervollständigen, pries Berlins Kultursenator Christoph Stölzl (CDU) den Charakterdarsteller in einem Glückwunschschreiben: Ganz habe mit seiner ganz eigenen, kraftvollen und doch zurückhaltenden Art Maßstäbe in der Schauspielerei gesetzt.

Der Mime selbst war von so viel Lob tief bewegt und bedankte sich bescheiden in alle Richtungen, "auch für das viele Geld - wir wollen nicht so tun, als wär's nicht so." Besonders bei der Laudatio des Jungschauspielers Jens Harzer, nach Ganz' Aussage sein zweiter Sohn, rang der Altstar sichtlich um Fassung. Als er von dem "Faust"-Ensemble neben einem Ständchen auch noch eimerweise Tulpen bekam, strahlte Ganz über das ganze Gesicht. "Es ist ein sehr gutes Gefühl, wenn man so viel Anerkennung von jungen Kollegen erfährt, mit denen man näher verbunden ist. Mehr will ich nicht."

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.