Margarete Stokowski

Bundespräsidentengattin Dieser Hut kann weg

Im Zusammenhang mit dem Bundespräsidenten ist oft von der Würde des Amtes die Rede. Dabei wird übersehen, dass es für seine Partnerin oft Unwürde bedeutet. Zeit, das inoffizielle Amt der Bundespräsidentengattin abzuschaffen.
Frank-Walter Steinmeier, Ehefrau Elke Büdenbender

Frank-Walter Steinmeier, Ehefrau Elke Büdenbender

Foto: Rainer Jensen/ dpa

Zum Valentinstag möchte ich für die Abschaffung von etwas plädieren, das es offiziell gar nicht gibt: das Amt der Bundespräsidentengattin. Was ist das für ein Job? Eigentlich gar keiner. Gibt kein Geld dafür. Es ist ein Ehrenamt, das einer gewissen Tradition folgt und im Großen und Ganzen niemandem weh tut, aber trotzdem im 21. Jahrhundert falsch ist.

Die Inhaberin dieses inoffiziellen Amts wird häufig "First Lady" genannt, weil das glamouröser klingt als Präsidentengattin und vielleicht auch, weil in "Gattin" die Tätigkeit des Begattens anklingt. Da hört man irgendwie schon, dass das eigentlich etwas ist, aus dem die Öffentlichkeit sich mit Interesse und Erwartungen besser raushalten sollte. In der Wikipedia steht so nonchalant: "Es hat sich bislang kein fester Begriff für den Ehegatten eines weiblichen Staatsoberhauptes etabliert." Ja, komisch. Vielleicht, weil der Job, von einem Mann ausgeführt, so selten das bisher passiert, auf viele Leute noch absurder wirkt. In 300 Jahren werden wir darüber lachen - im Moment aber tun wir noch so, als könne man da etwas ins 21. Jahrhundert rüberretten, was eigentlich von gestern ist.

Das Amt der Bundespräsidentengattin ist ein Überbleibsel aus den glanzvollen Zeiten des Patriarchats, deren Glanz aber daher rührte, dass Frauen die Hauptfunktion hatten, ihrem Ehemann einerseits "den Rücken freizuhalten" , also seiner Selbstverwirklichung hinterherzuputzen, und andererseits dabei neben ihm gut auszusehen. Diese Kombination wollen die meisten Leute heute nicht mehr. (Immerhin können es sich heute viel mehr Leute leisten, fürs Putzen und Kinderhüten andere Frauen kommen zu lassen, Zwinkersmiley.)

Die neue Bundespräsidentengattin Elke Büdenbender wollte, als absehbar wurde, dass ihr Mann Präsident wird, zunächst als Richterin weiterarbeiten. Nach einem Treffen mit dem noch amtierenden Bundespräsidenten Gauck und seiner Partnerin Daniela Schadt entschied sie: Nee, doch nicht. Das geht nicht beides unter einen Hut.

Anhängsel auf Dienstreise, die bloß daneben steht

Der Hut aber könnte auch weg. Es ist oft von der Würde des Amtes die Rede, wenn es um den Bundespräsidenten geht, und dabei wird übersehen, dass er für seine Partnerin eine gewisse Unwürde mit sich bringt. Natürlich hat sie einen Spielraum, wie sie ihre Tätigkeit ausübt, aber eher in dem Umfang der Farbwahl einer neuen Einbauküche. Sie erwarten Schirmherrschaften und höchstwahrscheinlich soziales Engagement für Kinder, Mütter, alte, kranke oder behinderte Menschen. Das ist alles gut und sinnvoll. Andererseits, warum als Ehrenamt? Welches Bild von politischem Einsatz für besagte Gruppen spiegelt sich darin? Natürlich kriegen es auch Tausende andere hin, sich in dem Bereich zu engagieren, ohne First Lady zu sein, aber letztlich geht es um eine großformatige Variante von Care-Arbeit, für deren Einzelbereiche Familie und Gesundheit es auf staatlicher Ebene aus guten Gründen Ministerien gibt.

Außerdem erwartet die Präsidentengattin ein Anhängsel auf Dienstreisen zu sein, auf denen ihre Meinung weniger gefragt ist als bloßes Danebenstehen. Ein bisschen wie diese winkenden Figuren der britischen Queen, die ja, noch eine Ähnlichkeit, auch nicht gewählt ist.

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Es gibt keine sinnvolle Begründung, diese Tradition beizubehalten. Eine Begründung könnte sein: Das Volk mag das. Frank-Walter Steinmeier bedankte sich am Tag seiner Wahl auf Facebook bei seiner Frau , über 25.000 Menschen gefällt das. Wie kann einem das nicht gefallen? Andererseits: "Ich könnte es ohne dich nicht machen und ich hätte es ohne dich nicht gemacht", schrieb Steinmeier. Warum? Konkret geht es uns nichts an, aber wenn das Amt des Bundespräsidenten ein Job ist, den man alleine nicht aushält, dann sollte er von einem Team ausgeführt werden. Für eine Demokratie wäre es sinnvoll, wenn dieses Team gewählt wird - und eher nicht wegen der Kriterien, aufgrund derer Menschen sich verlieben.

Und wenn eines Tages ein Single Bundespräsident werden würde?

Das Hauptargument für den Auftritt als Paar ist das der Repräsentation und Identifikation. Aber wer oder was wird da repräsentiert? Es ist nicht besonders edel, sondern traurig, wenn die Repräsentantin des Staates eine ist, die ihren Job für ihren Mann aufgegeben hat, und sei es nur für fünf Jahre. Sie muss es nicht, natürlich. Sie lässt ihren Job "ruhen", wie es heißt. Das klingt natürlich entspannt und wird von vielen auch als richtig angesehen, schließlich war sie als Richterin mit Dingen befasst, die politische Dimensionen haben. Gaucks Partnerin hatte als Journalistin auch aufgehört. Dass die sich auch immer so eigenständige Berufe suchen.

Natürlich ist es auch traurig, dass wir keinen Vergleich haben: Würde im Falle einer Bundespräsidentin ihr Mann sich ebenfalls um Kinder und Kranke kümmern? Wenn eines Tages ein Single zum Bundespräsidenten oder zur Bundespräsidentin gewählt wird, was dann? Was, wenn es jemand mit wechselnden Tinderdates wird? Wenn es eine lesbische Frau wird oder jemand in einer komplizierten Patchwork-Situation? Kriegt dann die AfD die Blutdrucksenker vom Staat?

"Das Private ist politisch" hat nie bedeutet, dass man alles Private öffentlich machen soll, sondern dass beides in einer so unauflösbaren Weise zusammenhängt, dass es schwer ist, eine fortschrittliche Politik zu vertreten, wenn man gleichzeitig alten Kram mitschleppt - wie so eine alte Tradition. Weil es aber kein offizielles Amt ist, kann keine offizielle Stelle sie abschaffen. Und weil man vor allem keiner Frau vorschreiben kann, ob oder was sie arbeiten soll, liegt die einzige Möglichkeit, diesen alten Hut abzuschaffen, bei der Trägerin. Wenn die jetzige es nicht tut, tut es vielleicht die nächste, oder eben - na ja - der Nächste. Alle fünf Jahre ein Funken Hoffnung.