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Bundeswehr-Werbevideo Wir. Schützen. Bananen.

Deutsche Soldaten suchen Anerkennung. Zu Recht! Denn nur eine schlagkräftige Marine garantiert kleinen Mädchen den ungehinderten Zugang zu Bananen. So jedenfalls lehrt es uns ein aktueller Werbefilm der Bundeswehr.

Zu den Bananen kommen wir später. Zunächst einmal: Respekt.

Man muss nämlich Folgendes deutlich sagen, weil es so gerne vergessen wird: Es ist ein harter Beruf, Soldat zu sein. Genauer: deutscher Soldat. Die Bürger in Uniform haben die Pflicht, unter Einsatz ihres Lebens all die Aufgaben zu erfüllen, die ihnen das Parlament gestellt hat - ganz egal, ob sie persönlich diese Aufgaben für sinnvoll halten. In Afghanistan müssen sie ihre Köpfe hinhalten, im Kosovo, in Libanon, in Mali und auf dem Mittelmeer, in der Türkei, im Sudan und auch am Horn von Afrika.

Gelobt werden die Soldaten in der Heimat dafür selten - ganz im Gegenteil: Ständig wird an ihnen herumgemäkelt. Mal steht die Bundeswehr wegen Misshandlungen in der Kritik, mal wegen vermuteter Korruption bei der Truppe, mal heißt es, sie habe zu viele Neonazis in ihren Reihen, dann wieder, die Soldaten tränken zu viel Alkohol oder sie schliefen zu wenig. Ihre Minister werden regelmäßig gefeuert, auch der aktuelle kann sich nur mit Ach und Krach im Amt halten, weil er offenbar zu viel Geld für unbrauchbare Drohnen und überteuerte Hubschrauber ausgegeben hat.

Und als ob das nicht schon genug wäre, müssen die Soldaten in Autos herumfahren, auf denen "Wir. Dienen. Deutschland." steht, mit drei Satzzeichen, die wohl Nachdruck signalisieren sollen, aber doch nur an kurzatmige Bodybuilder mit beklagenswerter Sprachkompetenz denken lassen. Zu allem Übel fällt Minister Thomas de Maizière seinen Leuten auch noch in den Rücken und behauptet, die deutschen Soldaten seien süchtig nach Anerkennung.

Solche Zustände hatten wir schon mal

Sind sie aber gar nicht. Sie wollen nur, dass die Öffentlichkeit verdammt noch mal ein wenig Respekt zeigt. Dass sie endlich anerkennt, was die Soldaten leisten. Und dass ihr Wirken nicht nur fern der Heimat und für geostrategische Überlegungen wichtig und richtig ist, sondern auch, sagen wir mal, in einem ganz normalen deutschen Supermarkt.

Stellen wir uns einmal vor, da wäre gerade ein kleines deutsches Mädchen im Grundschulalter mit seiner Mutter beim Einkaufen, das Mädchen an der Hand der Mutter, voller Vorfreude, es hat einen Wunsch und ein Ziel: Das Mädchen will Bananen. Aber es gibt keine Bananen.  Es steht sogar ein Schild dort, wo eigentlich die Bananen sein sollten, und auf dem Schild steht: "Heute keine Bananen!" Und das kleine Mädchen ist erkennbar enttäuscht.

Uns allen zur Warnung und Mahnung hat die Bundeswehr dieses Schreckensszenario verfilmt. Wir müssen uns endlich vor Augen führen: Keine Bananen für kleine Mädchen, mehr noch: Keine Bananen für niemand ohne eine schlagkräftige Marine! Und solche Zustände hatten wir ja schon mal in Deutschland, was offenbar auf ein Versagen der Nationalen Volksarmee der DDR zurückzuführen war, denn, so erfahren wir in einem knapp zweiminütigen, von der Bundeswehr auf YouTube gestellten Clip:  "Bananen kommen über's Meer!" Und: "Unser Wohlstand hängt wesentlich vom Handel über die Weltmeere ab." Sowie: "Der Handel über die Weltmeere erfordert sichere Seewege." Und schließlich: "Eine starke Marine schützt diese Seewege."

Zwischendurch sehen wir Bilder, die man als Waffenporno bezeichnen könnte: Zu schmissiger Musik blicken martialisch gewandete Soldaten durch ein Fernglas über das weite Meer, andere Soldaten feuern ohne erkennbaren Zweck mit einer Bordkanone ins Wasser, auch scheint etwas im Wasser zu explodieren, was eine hübsche Fontäne erzeugt. Ein Soldat lacht sehr und zeigt dabei seine weißen Zähne. Andere Soldaten sitzen an Computern. Ein Periskop wird ausgefahren, Flugzeuge fliegen, Schiffe fahren und werden dabei aus der Luft gefilmt. Der Lauf eines Maschinengewehrs richtet sich auf einen Regenbogen.

"Mehr Info?", fragt der Clip am Ende und verweist auf www.marine.de . Doch mehr Info ist nicht nötig: Die Bundeswehr hat mit diesem eindrucksvollen Film einen großen Schritt hin zu mehr gesellschaftlicher Anerkennung getan. Jedenfalls möglicherweise bei kleinen Mädchen im Grundschulalter. Respekt.