Business statt Basketball Tot Geglaubte spielen länger

Für seine Fans auf der ganzen Welt war es ein Schock, als Magic Johnson vor zehn Jahren bekannt gab, dass er sich mit HIV infiziert hatte. Seine Karriere sei vorbei, hieß es, sein Leben wohl auch bald. Heute erfreut sich der Ex-Basketball-Profi noch immer bester Gesundheit und ist in einer neuen Branche erfolgreicher denn je: als Geschäftsmann.

Von Helmut Sorge


Magic Johnson: Berühmtester HIV-Patient der Welt
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Magic Johnson: Berühmtester HIV-Patient der Welt

Keine Frage. Er würde sterben, weit vor dem programmierten irdischen Ende. Die Ärzte hatten HIV diagnostiziert, den Vorboten von "Aids", dem tödlichen Virus. Seine Karriere als Basketball-Profi war beendet. Die Gegner hatten Angst vor seinen Verletzungen, vor Ansteckung mit dem Blut, in dem der Tod lauerte. Statt Triumph kam die Tragödie: Earvin "Magic" Johnson wurde laut "Newsweek" zum "berühmtesten HIV-Patienten der Welt", zum Symbol für das große Sterben, das nicht nur Homosexuelle trifft.

Als die Ärzte ihm den Befund mitteilten war Magic eben verheiratet, seine Frau schwanger. Er erinnerte sich nicht mehr, bei welcher der Frauen er sich ansteckte, die sich den Basketball-Größen auf deren Reisen zu Füßen legen. Er wusste damals freilich, dass die Mediziner HIV-Patienten durchschnittlich achteinhalb Jahre gaben, bevor sie vom Aids-Virus erfasst wurden und in die Endphase der Krankheit kamen. Neue Medikamente wie AZT haben so manchem HIV-Kranken neue Hoffnung gegeben und ein neues Leben gesichert. Auch Magic Johnson.

Business-Manager, Hollywood-Produzent, Politiker

Zehn Jahre nach der ersten Diagnose ist der 2,06 Meter große Johnson, der die Los Angeles Lakers fünf mal zur NBA-Meisterschaft führte, aktiver als je zuvor - als Business-Manager, Hollywood-Produzent und bald womöglich als Politiker.

Führte die Lakers fünf mal zur NBA-Meisterschaft: Basketball-Profi Johnson
EPA/DPA

Führte die Lakers fünf mal zur NBA-Meisterschaft: Basketball-Profi Johnson

Derzeit investiert der Ex-Profi, heute 42, in Fernsehprojekte und einen gemeinsam mit Danny de Vito produzierten Film "Keep Cool". Zunächst, so Johnson, Chef der 1993 gegründeten "Johnson Development Corporation", werde er sich in Hollywood das Geschäft ansehen und später dann eigene Sachen entwickeln. Qualitäts-Filme, die sich mit den Problemen der Minderheiten befassen, wolle er machen.

Afro-Amerikaner, die ihr Dasein in den tristen Vierteln fristen, haben es Johnson, dessen Vater bei General Motors am Fließband stand und zehn Kinder versorgen musste, besonders angetan. "Ich hatte einen Basketballspieler erwartet", bekundete Howard Schultz, der Aufsichtsratsvorsitzende der "Starbucks"-Kaffee-Kette. "Doch ich traf einen Geschäftsmann, der mir von 40 Millionen Afro-Amerikanern erzählte, die im letzten Jahr 500 Milliarden Dollar ausgegeben haben". Money talks: Schultz und Johnson einigten sich darauf, dass der Ex-Profi zunächst 200 "Starbucks"-Filialen übernehmen kann.

Schöne Schwarze, gelegentlich auch Weiße

Im Ladera Center, einem Shopping Center im ärmlichen Inglewood, unweit des Internationalen Flugplatzes vor L.A., hat Johnson aus einem "Starbucks" sowie einem ebenfalls von seiner Firma betriebenen "TGI Friday's" inzwischen eine Kultstätte kreiert: Am Wochenende drängeln sich im Getto die schönen Schwarzen und gelegentlich auch Weiße.

Magic Johnson: Eine Karriere nach der Karriere
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Magic Johnson: Eine Karriere nach der Karriere

Magic Johnson ist mehr als Entrepreneur. Er bewegt die Massen, weil er wiederauferstanden ist von den Toten des amerikanischen Traums - ein Triumph, Teil zwei. Seine Produkte entsprechen beinah amerikanischer Förderband-Qualität. Er hat die Speisen Afro-Amerikanischer Küche anpassen lassen, sie gewürzter als üblich gemacht. In seinem "Starbucks", in dem es sonst allein Kaffee und phantasievollen Zutaten gibt, hat Johnson sogar "Sweet Potatoe Pie" im Angebot. In seinen "Fatburgern", einer weiteren Kette, hängen Photos von Stevie Wonder, Ray Charles und Louis Armstrong an der Wand. Aus der Juke-Box ertönt Soul der siebziger Jahre. Eine seiner "TGI-Friday's"-Filialen schmückt sein Trikot mit der Nummer "32".

Dimensionen eines Michael Schumacher

Johnson hat überdies in Kinos investiert, etwa die Kette "Loews Cineplex". Kürzlich stellte er sich an Hollywoods Sunset und Vine Boulevards den Photographen für ein Publicity-Photo zum Auftakt eines 125-Millionen-Dollar-Bauprojekts mit Shopping Center und Luxus-Wohnungen, an dem die "Johnson Development Corporation" beteiligt ist. Der infizierten Legende Johnson ist geglückt, was manche Profi-Spieler nie erreichen: eine Karriere nach der Karriere. Viele sind mit ihren Geschäfts-Träumen letztlich gestrandet: Björn Borg, Johan Cruyff und auch Boris Becker, der mit so manchem Business-Projekt scheiterte. Der ehemalige US-Profi hingegen wird "in den Chefetagen respektiert wie auf dem Basketball-Court", notierte der "Cincinnati Enquirer". Welch Wunder: Das Johnson-Vermögen wird auf 500 Millionen Dollar geschätzt, Dimensionen eines Michael Schumacher.

Inzwischen hat Johnson, dessen Frau Cookie ihm treu geblieben ist und die drei Kinder erzieht, neue Pläne. In der anstehenden Saison wird er Basketball-Kommentator fürs Fernsehen. Im Jahr 2005 stehen überdies in L.A. Bürgermeisterwahlen an. Er denkt über eine Kandidatur nach: "Die Stadt braucht eine neue Stimme, eine neue Vision - ich könnte das bringen," verkündete er kürzlich. Nur das Virus kann diesen Mann stoppen.



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