Grapscher-Cartoon Empörung über "Charlie Hebdo"-Satire zu totem Jungen

"Charlie Hebdo" ist bekannt für Spott bis an die Schmerzgrenze. Nun hat sich das französische Magazin zum zweiten Mal den ertrunkenen Flüchtlingsjungen Alan Kurdi vorgenommen - und ist nach Ansicht vieler Menschen zu weit gegangen.

Der Tod des kleinen Jungen Alan Kurdi auf der Flucht nach Europa und der Anschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" - diese beiden Ereignisse haben das vergangene Jahr mitgeprägt und viele Menschen berührt. Vor einer Woche jährte sich die Attacke auf die Redaktion der französischen Zeitschrift. Wenige Tage später bringt nun "Charlie Hebdo" viele Menschen mit einer bissigen Satire gegen sich auf.

Das Magazin hat sich unter dem Thema "Migranten" den ertrunkenen Flüchtlingsjungen Alan Kurdi vorgenommen. "Was wäre aus dem kleinen Alan geworden, wenn er überlebt hätte?", steht sinngemäß über der Zeichnung. Die Antwort: "Ein Hinterngrapscher in Deutschland." Neben der Überschrift ist eine eingekreiste Zeichnung des toten Jungen am Strand zu sehen. Darunter, wie er sich in drei Schritten zum Erwachsenen entwickelt und schließlich mit ausgestreckten Händen hinter einer schreienden Frau herläuft.

Provokation ist quasi das Alltagsgeschäft von "Charlie Hebdo" - und mit der Alan-Satire hat das Magazin wieder einen Volltreffer gelandet, um öffentliche Aufmerksamkeit zu erzielen.

Via Twitter empören sich viele Leute über den Cartoon. "Wenn Zeitschriften Cartoons bringen, in denen sie ausdrücken, dass es besser ist, dass Alan Kurdi gestorben ist, da er sonst ein vergewaltigender Flüchtling geworden wäre, dann ist das Rassismus", schreibt eine Nutzerin, deren Tweet oft geteilt wird.

Ein anderer schreibt, der Alan-Comic von "Charlie Hebdo" mache ihn sprachlos. "Aber wie war das mit der Satire? Die soll ja alles dürfen."

Und wieder andere stellen einfach die Frage in den Raum, ob "Charlie Hebdo" damit zu weit gegangen ist.

Nicht alle sehen die Karikatur als eine Grenzüberschreitung, sondern als Mahnung in der aktuellen Debatte nach den Übergriffen in der Silvesternacht in Köln.

Unterzeichnet ist der umstrittene Cartoon mit dem Pseudonym Riss. So nennt sich der Karikaturist Laurent Sourisseau, der den Anschlag auf "Charlie Hebdo" im vergangenen Jahr verletzt überlebt hat.

Sourisseau und die Redaktion der Satirezeitschrift dürften gewusst haben, welche Diskussion sie lostreten. Es ist schließlich nicht das erste Mal, dass sie Satire mit dem toten Flüchtlingsjungen betreiben. Im September vergangenen Jahres veröffentlichte "Charlie Hebdo" eine Karikatur, auf der die angespülte Leiche des Kindes vor einer Werbetafel von McDonald's zu sehen ist. Auf dieser wird für Rabatte bei Kindermenüs geworben. Damals stand über dem Cartoon: "So nah am Ziel."

mmq
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