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Erste Ausgabe nach Anschlag "Charlie Hebdo" erscheint mit Mohammed-Titel

Die französische Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" wird am Mittwoch auf ihrer Titelseite eine Mohammed-Karikatur zeigen. Die erste Ausgabe seit dem blutigen Anschlag soll drei Millionen Mal gedruckt werden und in 16 Sprachen erscheinen.

Paris - Mohammed weint. Und er hält ein Schild in der Hand, mit der Aufschrift "Je suis Charlie" (Ich bin Charlie). Nach dem blutigen Angriff vom vergangenen Mittwoch erscheint die nächste Ausgabe der französischen Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" am Mittwoch mit einer Karikatur des islamischen Propheten auf dem Titelblatt. "Alles ist vergeben", lautet die Überschrift.

Der Geist von "Je suis Charlie", dem Slogan, mit dem seit Tagen Menschen weltweit für Meinungsfreiheit demonstrieren, bedeute auch ein "Recht auf Blasphemie", sagte Richard Malka, der Anwalt des Magazins zur Titelwahl. Seit 22 Jahren habe es keine Ausgabe der Zeitschrift gegeben, in dem nicht der Papst, Jesus Christus, Bischöfe, Rabbiner, Imame oder der Prophet Mohammed karikiert worden seien.

Neue Ausgabe der französischen Satirezeitschrift "Charlie Hebdo": Mohammed weint

Neue Ausgabe der französischen Satirezeitschrift "Charlie Hebdo": Mohammed weint

Foto: AFP/ Charlie Hebdo

Der Chefredakteur der Satirezeitung, Gérard Biard, hatte zuvor gesagt, er wolle keine reine Trauerausgabe herausgeben, sondern eine Zeitung "wie seit Jahren". Schließlich seien sie "keine Heulsusen".

An der neuen Ausgabe, die diesmal nur acht statt 16 Seiten haben wird, arbeiteten seit Freitag rund ein Dutzend Mitarbeiter in den Redaktionsräumen der linksgerichteten "Libération". Die Büros des Satireblatts können wegen der laufenden Ermittlungen derzeit nicht genutzt werden.

Bereits im Jahr 2012, als die Redaktionsräume von "Charlie Hebdo" nach der Veröffentlichung vom Mohammed-Karikaturen durch einen Brandanschlag verwüstet wurden, hatte "Libération" die Kollegen des Satiremagazins vorübergehend beherbergt.

"Charlie Hebdo" hatte zuletzt eine Auflage von rund 60.000 Exemplaren, in der Regel wurden davon 30.000 verkauft. Die aktuelle Ausgabe soll drei Millionen Mal gedruckt werden - in 16 Sprachen. Man habe Anfragen aus aller Welt bekommen, so der Vertrieb der Zeitschrift. Üblicherweise werden pro Ausgabe nur rund 4000 Exemplare ins Ausland verkauft, diesmal sollen rund 300.000 Hefte in 25 Länder geliefert werden.

"Libération"- Redaktionsräume: Hier entstand die neue Ausgabe von "Charlie Hebdo"

"Libération"- Redaktionsräume: Hier entstand die neue Ausgabe von "Charlie Hebdo"

Foto: Bertrand Guay/ AP/dpa
vet/AFP