Diskussionsrunde zu Chemnitz-Doku "Der MDR sollte Nazis keine Bühne bieten"

Zur Premiere einer Reportage über die Proteste in Chemnitz hat der MDR eine Diskussionsrunde eingeladen - darunter auch eine zentrale Figur der rechtsextremen Gruppe "Pro Chemnitz". Nun hat die Grüne Jugend ihre Teilnahme abgesagt.

Arthur Österle hat die Aufmärsche für die rechtsextreme Gruppe "Pro Chemnitz" mit organisiert
Michael Trammer/ imago images

Arthur Österle hat die Aufmärsche für die rechtsextreme Gruppe "Pro Chemnitz" mit organisiert


Im August 2018 demonstrierten nach dem Tod eines 35-Jährigen Tausende aus der rechten Szene in Chemnitz. Was seit den gewaltsamen Aufmärschen in der Stadt passiert ist, darüber hat der MDR nun die Dokumentation "Chemnitz - Ein Jahr danach" gedreht, die die Hauptakteure von damals in den Mittelpunkt stellt.

Im Anschluss an eine öffentliche Vorabpremiere des Films am 22. August sollen die Protagonisten miteinander diskutieren - auch den Rechtsextremen Arthur Österle. Bloß: Vor einem Jahr trat Österle bei den Aufmärschen als Ordner für die rechtsextreme Organisation "Pro Chemnitz" auf. Sie organisierte die Märsche und mobilisierte dazu auch rechtsextreme Hooligans. Deshalb hat Margarete Rödel, die für die Grüne Jugend auf dem Podium sitzen wollte, ihre Teilnahme nun abgesagt.

Ihr sei bei der Zusage an den MDR nicht klar gewesen, dass es sich bei Österle um "einen eingefleischten Neonazi" handelt, sagte Rödel. "Der MDR sollte Nazis keine Bühne bieten", fordert die Grüne Jugend Sachsen in einer Pressemitteilung. Der Sender solle die Einladung an Österle zurückziehen.

"Ernsthaft, MDR?", fragte auch der WDR-Journalist und Redaktionsleiter von "Monitor", Georg Restle, auf Twitter. Der MDR betreibe mit der Einladung Österles, der mittlerweile für die AfD aktiv ist, den "Austausch mit Rechtsextremen". Österle habe Rechtsextreme in Chemnitz zum gemeinsamen Marsch mit der AfD mit den Worten aufgerufen: "Meinetwegen bindet euch den rechten Arm an, wir sind heute hier als Volk, und nicht als politische Gesinnung."

Wenige Tage nach dem tödlichen Angriff war es in der sächsischen Stadt im vergangenen Sommer zu rassistischen Übergriffen und Demonstrationen mit zahlreichen Straftaten gekommen - "Pro Chemnitz" hatte die Demonstrationen angemeldet. Weil die Gruppe nach dem Tod des 35-Jährigen in Chemnitz "erkennbar rechtsextremistische Inhalte" verbreitete, beobachtet der sächsische Verfassungsschutz die Gruppierung seit 2018. Die Hauptakteure von "Pro Chemnitz" seien tief in der rechtsextremen Szene verwurzelt und dort teilweise schon langjährig aktiv, hieß es.

Auch das Jüdische Forum kritisierte, dass Österle in Chemnitz den Ordnerdienst leitete und dort der Presse androhte, sie von der Versammlung zu entfernen. Mit dieser Podiumsdiskussion hebe der Sender das Reden mit Rechten auf eine neue Stufe, schreibt der Journalist Johannes Grunert bei Twitter: Österle sei an mindestens einer Demonstration der Neonazipartei "Der III. Weg" beteiligt gewesen.

Der MDR verteidigte die Einladung Österles auf Twitter damit, dass die Reportage Österle kritisch begleite und seine rechtsextremen Verbindungen transparent mache. Außerdem wolle die anschließende Diskussion die gesamte Bandbreite des Films widerspiegeln und den "Austausch ermöglichen".

Nach der Premiere der Reportage "Chemnitz - Ein Jahr danach", die am 26. August im Ersten zu sehen sein soll, sind neben Österle und Rödel auch die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD), Prof. Dr. Olfa Kanoun von der Technischen Universität Chemnitz und MDR-Programmdirektor Wolf-Dieter Jacobi eingeladen.

SPIEGEL TV über die Hintermänner der Chemnitz-Krawalle (03.09.2018)

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evh



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